Absagen und Reformpläne lasten auf Turnieren
Deutschem Tennis fehlt es an Schlagkraft

STUTTGART. Ein wenig hochmütig klang es schon, wie der Stuttgarter Weissenhof warb: „Das einzige Turnier, das Rafael Nadal in Deutschland präsentieren kann.“ Der vom Volksmund prophezeite Fall folgte prompt: Der spanische Tennis-Star sagte seine Teilnahme kurzfristig ab. Das ist bitter, denn große Namen sucht man auf der Stuttgarter Startliste ansonsten vergeblich. „Nadal ist ein einzigartiger Spieler. Aber ein Turnier muss stärker sein als jeder einzelne Spieler“, wiegelt Turnierleiter Dirk Hordorff ab, der sonst Rainer Schüttler trainiert. „Wir müssen jetzt eben auf die nationale Karte setzen.“

Prinzipiell eine gute Idee, doch von den elf deutschen Spielern im Hauptfeld waren am Mittwochnachmittag nur noch zwei dabei. Und Favorit Gaston Gaudio aus Argentinien schied auch aus. „Wenn ich sicher wüsste, dass ein deutscher Spieler am Samstag im Halbfinale steht, dann hätten wir Nadal ersetzt. Aber das ist eben nicht planbar“, sagt Hordorff. Erschwerend kommt hinzu, dass das Sandplatzturnier ungünstig im Anschluss an Wimbledon und vor der US-Hartplatzsaison liegt. Nicolas Kiefer und Tommy Haas etwa passt Stuttgart deshalb wie auch anderen Topspielern schlecht in die Planung.

Insgesamt keine idealen Voraussetzungen für das Turnier, das damit fast exemplarisch für den deutschen Tennis-Sommer steht. Nicht zum ersten Mal gibt es bei Veranstaltern und Fans in diesem Jahr lange Gesichter. Fünf Turniere finden zwischen Mai und Juli in Deutschland statt, die Bilanz fällt mäßig aus: Absagen der Zugpferde, frühes Ausscheiden der deutschen Spieler und schlechte TV-Quoten prägten das Bild (siehe unten).

Keine gute Werbung für die deutschen Veranstalter, die sich heute zu Gesprächen in Stuttgart treffen. Denn sie geraten zunehmend auch von anderer Seite unter Druck: Etienne de Villiers, Chef der Spielergewerkschaft ATP, hat die Reform des Turnierkalenders ganz oben auf die Agenda gesetzt. Die endgültigen Änderungen, über die ein Board aus Spielervertretern und Veranstaltern entscheidet, tritt zwar erst 2009 in Kraft. Hinter den Kulissen ist der Kampf um die Termine aber bereits in vollem Gange.

De Villiers möchte etwa das Masters am Hamburger Rothenbaum vom Mai in den Juli verlegen und es zu einem Hartplatzturnier umwandeln. Turnierchef Walter Knapper lehnte das kategorisch ab. Er beharrt auf seinem Termin, doch das Turnier steht ohnehin auf der Kippe. Mit Rom spielen die Profis in der Vorwoche zu Hamburg ein weiteres Masters-Turnier, die Konstellation ist de Villiers ein Dorn im Auge. Er will die Anzahl dieser Premium-Events um mindestens zwei im Jahr reduzieren. Gegen die Hansestadt sprächen die schlechteren Platzbedingungen – gemessen an den French Open – und das konstant feucht-kühle Wetter.

Auch Turnierdirektor Rudi Berger soll mit seinen BMW Open in München von Anfang Mai in den Juli wechseln. „Dann wäre das Turnier erledigt“, wehrt sich der ehemalige Schiedsrichter. Ähnliches gilt für den World Team Cup in Düsseldorf, den de Villiers auf Anfang Mai vorziehen will. Mit dem bei Profis beliebten „Warmspielen“ für Paris wäre es dann vorbei.

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