Abstiegskampf in der Bundesliga
Rostock-Coach: Die Leute glauben an uns

Hansa Rostock hat seine Chancen auf den Klassenerhalt mit dem Sieg gegen Stuttgart weiter verbessert. «Wir leben noch», verkündete Rade Prica.

HB BERLIN. Die Bundesliga ist ein Tagesgeschäft. Das gilt in besonderem Maße für den Abstiegskampf. Binnen einer Woche kann sich hier die Ausgangslage für einen Verein völlig verändern. Siehe Hansa Rostock. Der Tabellenvorletzte schien nach der 0:3-Niederlage in Nürnberg schon völlig aus dem Rennen. Doch nach dem mit Leidenschaft errungen 2:1-Erfolg gegen den VfB Stuttgart ist der Glaube bei Spielern und Fans, den einzigen ostdeutschen Bundesligisten in Deutschlands höchster Spielklasse zu halten, stärker denn je.

Minutenlang feierten die 20.500 Zuschauer im Ostseestadion ihre Mannschaft. Gemeinsam ist ihnen der Glaube an die Verbleib im Fußball-Oberhaus. Hansa-Trainer Jörg Berger erkannte ganz zu Recht: «Es gibt ihn noch, den FC Hansa Rostock!»

In der Tat hat sich nach dem dritten Heimsieg in Serie gegen einen völlig leblosen VfB, der vor der Partie noch als Meisterschaftskandidat galt, die Ausgangsposition für Rostock deutlich verbessert. Fünf Spieltage vor dem Ende der Saison verkürzte Hansa den Rückstand auf Rang 15 auf vier Punkte.

Der Blick auf die Konkurrenz ist Bergers Sache freilich nicht. «Das bringt gar nichts», das habe er gelernt. In der größten Not bleibt eben nur noch die Konzentration auf das Wesentliche. Und das beinhaltet, an sich und die Siegchance zu glauben. «Das habe ich der Mannschaft eingebläut», so Berger.

Der Sachse hatte vor der Begegnung gegen die Schwaben aber nicht nur erneut die Fähigkeit bewiesen, sein Personal («Resignation ist das Alibi des Schwachen») am richtigen Nerv zu treffen. Berger zeigte auch den Mut zu taktischen Varianten. Gegen Stuttgart stellte der 67-Jährige den jüngst kaum noch berücksichtigten Marco Vorbeck und den Schweden Marcus Allbäck als Stürmer auf. Mittelfeldspieler Thomas Rasmussen fungierte für den verletzten Ronald Maul als Linksverteidiger in der Viererkette. «Das ist mir heute beim Frühstück eingefallen», verriet Berger mit breitem Grinsen. Er treffe ab und an solche «Bauchentscheidungen», wenn er sieht «Mensch, der Junge ist heut gut drauf.»

Allbäck, der in den letzten drei Partien nicht zum Zug kam, rechtfertigte seine überraschende Aufstellung. Der schwedische Nationalspieler brachte die Rostocker in der 39. Minute nach der ersten gelungenen Kombination über mehrere Stationen mit 1:0 in Führung. Das Zuspiel kam von Michael Hartmann. Der Ex-Herthaner machte auf der rechten Seite eine hervorragende Partie. Im direkten Vergleich schnitt da VfB-Nationalspieler Andreas Hinkel auf der gleichen Position ganz schlecht ab.

Das gesamte Ensemble vom Neckar trat in Rostock nicht gerade als Meisterschaftsaspirant auf - auch wenn dieses Thema in der Öffentlichkeit ohnehin Tabu war. Die schlappen Schwaben-Spieler hatten auch keine rechte Erklärung für diesen niveau- und lustlosen Auftritt, der Stuttgart den Sprung auf Platz zwei verbaute. Silvio Meißner sprach vom «letzten Druck», der gefehlt habe, «wir hätten mehr kämpfen sollen». Verteidiger Markus Babbel erkannte den fehlenden Zug nach vorn, «wir haben einfach so dahin gespielt».

Und das, obwohl Cacau sein Team 26 Sekunden nach Wiederanpfiff mit seinem zwölften Saisontreffer zum 1:1 wieder zurück ins Spiel brachte. Doch der Gastgeber machte den pomadigen Stuttgartern mit ganz einfachen Mitteln einen Strich durch die Rechnung. Sie rannten und rackerten mit dem Mute der Verzweiflung. VfB-Trainer Matthias Sammer, für seinen Perfektionismus bekannt, wollte seiner Mannschaft «diesen Käse, der heute gespielt wurde», auch nicht zugestehen. «So schlecht kann man gar nicht spielen», knurrte der 37-Jährige.

Ein Umstand, der den Rostockern in der Phase nach dem 1:1 unverhofft den Siegtreffer durch Rade Pricas Kopfball ermöglichte. «Ja, wir leben noch», frohlockte der Schwede. Trotz allem weiß auch der 25 Jahre alte Hansa-Stürmer, «dass wir bis zum Ende kämpfen werden müssen».

Coach Berger, der nicht müde wurde zu betonen, wie wichtig der Fußballklub Hansa Rostock für die strukturschwache Region und seine Fans ist, hatte derweil ein Signal für ein Hansa-Happy-End ausgemacht. In dieser Woche hatte Coca Coca sein Ja-Wort als neuer Hauptsponsor gegeben. «Man sieht, die Leute glauben an uns.»

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