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Rollstuhlfahrer hievt Vancouver auf die Weltbühne

Es ist eine olympische Premiere der ganz besonderen Art: Erstmals nimmt ein Bürgermeister im Rollstuhl bei einer Abschlussfeier die Olympische Fahne entgegen.

HB TURIN. Sam Sullivan, das querschnittsgelähmte Stadtoberhaupt von Vancouver, wird sie am Sonntag im Stadio Olimpico von Turin für den Ausrichter der Spiele 2010 schwenken. Für den feierlichen Akt musste er lange üben: Sullivan hatte sich bei einem Skiunfall im Alter von 19 Jahren das Genick gebrochen und ist querschnittsgelähmt. "Es ist paradox, dass sie den schlechtesten Skifahrer von Vancouver nach Turin geschickt haben, um die Fahne abzuholen", sagte Sullivan am Donnerstag und hatte damit die Lacher auf seiner Seite.

Ein kleiner Aufzug wird ihn bei seinem großen Auftritt auf die Bühne heben. Mit schwungvollen Drehungen in seinem elektrischen Rollstuhl demonstrierte der Bürgermeister, wie er die Szene vor einem Milliarden-Publikum an den Fernsehern geplant hat. IOC-Präsident Jacques Rogge soll die etwa drei mal fünf Meter große weiße Fahne mit den Ringen zunächst von Turins Bürgermeister Sergio Chiamparino übernehmen. Dann steckt er sie in eine an den Rollstuhl angeschweißte Halterung. "Wir haben in Vancouver große Parkplätze und ich habe da mitten in der Nacht geübt. Darüber haben sich sogar Anwohner bei der Polizei beschwert, weil ihnen das etwas dubios vorkam", erzählte Sullivan.

Der Politprofi von einer Vereinigung freier Wähler hofft nun, dass am Sonntag kein zu starker Wind weht. "Das Schlimmste wäre, wenn es mich wegbläst und ich von der Bühne purzele", sagte Sullivan schmunzelnd. "Dann sind meine Karrierepläne wahrscheinlich am Ende." Der 46-jährige war erst vor zwei Monaten gewählt worden. "Als ich vor 27 Jahren gelähmt im Krankenhaus lag, habe ich lange Zeit davon gelebt, dass der Staat mich unterstützt. Es ist großartig, dass ich jetzt das Land Kanada, die Provinz British Columbia und die Stadt Vancouver so vertreten darf."

Sullivan will das Augenmerk der Weltöffentlichkeit nicht nur auf die Winterspiele in vier Jahren, sondern auch auf die Paralympics danach lenken. "Ich bin schon ganz gespannt darauf." Acht Minuten lang wird die 560 000-Einwohner-Hafenstadt Vancouver, die als eine der schönsten Metropolen der Welt gilt, bei der Abschlussfeier für sich werben. "Jetzt liegt es an uns, auf die Weltbühne zu klettern und zu zeigen, was Vancouver kann", sagte John Furlong, der Generaldirektor des Organisationskomitees.

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