Achter Sieg – Wimbledon kann kommen
Federer in Halle erneut eine Klasse für sich

Es war sein 130. Finale, das 20. auf Gras, Nummer zehn in Halle. Und im Gegensatz zu seiner Niederlage bei den Australian Open ließ sich Roger Federer diesmal nicht von Andreas Seppi überrumpeln.
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Halle/WestfalenRoger Federer warf eine Kusshand ins Publikum und lauschte mit dem mächtigen Goldpokal in der Hand ergriffen der Nationalhymne „Schweizerpsalm“. Zum achten Mal hat der 33 Jahre alte Ausnahmekönner am Sonntag die traditionsreiche Rasenveranstaltung im westfälischen Halle gewonnen. Eine Woche vor Wimbledon-Beginn feierte Federer mit einem 7:6 (7:1), 6:4 gegen den Südtiroler Andreas Seppi Titel Nummer 86 und fügte der ohnehin schon an Bestmarken reichen Statistik seiner Karriere einen weiteren Rekord hinzu.

Bei keinem anderen Turnier triumphierte der Weltranglisten-Zweite so oft wie bei seinem Quasi-Heimspiel am Rande des Teutoburger Waldes. „Das ist natürlich ein spezieller Moment für mich, im Vorfeld von Wimbledon hier zum achten Mal zu gewinnen. Das geht nicht spurlos an einem vorbei“, sagte Federer. Um 15.16 Uhr erhielt er aus den Händen von Schirmherr und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel (SPD) die güldene Trophäe und durfte vor der Hymne auch noch dem von der Regie eingespielten Whitney-Houston-Schlager „One moment in time“ lauschen.

Mit den Gerry Weber Open ist Federer einen Vertrag auf Lebenszeit eingegangen und wird entsprechend fürstlich hofiert und behandelt. Der 17-malige Rekord-Grand-Slam-Champion ist Werbeträger, Aushängeschild, Publikumsliebling - und wurde von den rund 10 000 Zuschauern auf dem voll besetzten Center Court entsprechend bejubelt und gefeiert. Nach 1:48 Stunden Spielzeit nutzte er am Ende seines 130. Endspiels auf der ATP-Tour seinen zweiten Matchball.

Für Wimbledon zählt Federer neben dem Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic und Olympiasieger Andy Murray jetzt wieder zu den Top-Favoriten. Den Grand-Slam-Klassiker in London hat der doppelte Zwillingsvater ebenso wie das Turnier in Dubai siebenmal gewonnen.

Nach einem kurzen Abstecher in die Heimat wird Federer vom 29. Juni an einen weiteren Angriff auf den achten Titel beim bedeutendsten und prestigeträchtigsten Tennisturnier der Welt starten. Dann wird im Gegensatz zur Reise in die westfälische Provinz auch seine Familie mit Frau Mirka, den Zwillings-Mädchen Charlene Riva und Myla Rose (5) und die Brüder Leo und Lenny (1) dabei sein.

Im Ü-30-Finale zwischen dem 33 Jahre alten Schweizer und dem 31 Jahre alten Südtiroler musste zu den Klängen von „Raindrops Keep Falling On My Head“ beim Stand von 3:3 und 40:40 das Stadiondach geschlossen werden. Die 13-minütige Unterbrechung störte aber keinen der beiden Kontrahenten, die hochkonzentriert ihrer Arbeit auf dem doch schon recht ramponierten und jetzt auch leicht feuchten Rasen nachgingen.

Beim Stand von 4:5 wehrte Federer bei eigenem Aufschlag zwei Satzbälle ab - jeweils mit einem Ass. Den Tiebreak entschied er 7:1 für sich; im zweiten Durchgang glückte Federer erst im allerletzten Spiel zum 6:4 das entscheidende Break. „In den entscheidenden Momenten hat er besser gespielt und am Ende verdient gewonnen“, sagte Seppi. In der ersten Runde hatte der Ranglisten-45. den deutschen Routinier Tommy Haas bezwungen. Federer warf Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer aus dem Wettbewerb. Doch die schlechteste deutsche Bilanz seit 2001 geriet am Roger-Federer-Wochenende zur Randnotiz.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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