Ackermann testet in Frankreich
Flucht aus Turin

Mit einer Nacht- und Nebelaktion will sich Ronny Ackermann im letzten Moment noch für den Teamwettbewerb der Nordischen Kombination bei den Olympischen Winterspielen in Form bringen.

HB TURIN. Am Montag wurde bekannt, dass der Doppel-Weltmeister gemeinsam mit Bundestrainer Hermann Weinbuch bereits am Sonntagabend mit einem neu geschliffenen Ski von Pragelato ins französische Courchevel abgereist war, um dort in einem Sondertraining die Sprungschwäche zu beheben. "Ronny hat extreme Geschwindigkeitsrückstände. Wir wollen Bindung, Schuhe und Struktur des Skis auf den Prüfstand stellen. Das müssen wir für ihn aufholen, damit er locker in den Wettkampf am Mittwoch gehen kann", begründete Sprungtrainer Andreas Bauer am Montag die ungewöhnliche Maßnahme.

Ackermann war beim Einzelwettbewerb am Samstag als 18. schlechtester Deutscher gewesen, nachdem es vor allem auf der Schanze erneut nicht geklappt hatte. "Mein Hauptproblem ist der Anlauf", hatte der "Sportler des Jahres 2005" enttäuscht festgestellt. Seine Anfahrtsgeschwindigkeit war um einen Kilometer pro Stunde langsamer als die der größten Konkurrenten. "Auf der Großschanze macht das etwa fünf bis sechs Meter aus", rechnete Bauer vor.

In Courchevel ging es deshalb gleich auf die Großschanze. "Wir haben eine komplett neue Ausrüstung außer dem Anzug kreiert, und Ronny ist auch schneller geworden. Das heißt, dass es nicht nur um ein oder zwei Zehntelsekunden geht, sondern um erheblich mehr", sagte Weinbuch am Montagnachmittag. "Wir sind schon schlauer geworden, und Ronnys Stimme hört sich auch schon wieder klarer und zuversichtlicher an. Er war doch ganz schön deprimiert", erzählte der Bundestrainer, der nach neun Sprüngen gemeinsam mit seinem Schützling wieder die Rückreise antreten wollte. Ob die Erkenntnisse von Courchevel auf die Anlagen in Pragelato übertragbar sind, ließ Weinbuch offen: "Das wird man beim Training am Dienstag sehen."

Das Anfahrtsproblem zieht sich bereits über die gesamte Saison. Unmittelbar vor der Anreise nach Turin hatten Ackermann und Weinbuch wissenschaftliche Tests in Courchevel vornehmen lassen. Dabei war aufgefallen, dass der Thüringer die Beine in der Anfahrtshocke nicht gleichmäßig belastet. Das konnte zwar kurzzeitig abgestellt werden, doch bereits im Training in Pragelato verfiel Ackermann in den alten Fehler. "Die Spur in Courchevel ist breiter als die auf den Olympia- Schanzen. Da ging es besser", hatte Ackermann geurteilt.

Dass man sich unmittelbar vor dem zweiten Wettkampf zu der Reise nach Frankreich entschloss und sich damit zusätzlichen Stress aufbürdete, hängt mit den olympischen Bestimmungen zusammen. "Hier in Turin darfst du nur drei Sprünge am Tag machen. Für solche Tests braucht man aber viel mehr", verriet Bauer. Dass man bei der Suche nach der Problemlösung nichts unversucht ließ, zeigt auch die Tatsache, dass sogar der Oberhofer Stephan Münchmeyer als Vergleichsspringer nach Frankreich geholt wurde.

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