Agassi trotz Tränen im Reinen mit sich
Großer Abschied für einen Großen des Tennissports

US-Open-Sieger 2006 wird ein anderer, doch Andre Agassi ist der Champion der Herzen. Gefeiert von den Tennis-Fans, beklatscht von Kollegen und Journalisten, und trotz der Tränen im Reinen mit sich selbst hat der 36-Jährige seinen großen Abschied bekommen.

dpa NEW YORK. Nur einer fühlte sich in New York ein bisschen unwohl: sein letzter Bezwinger Benjamin Becker. „Es war auch für mich ein schwerer, ein emotionaler Moment. Ich habe mich gefreut und war traurig zugleich“, sagte Becker, der in der Spielerkabine zwar ein paar Gratulationen bekam, doch der Beifall der aufgestandenen Kollegen galt allein Agassi. „Wir arbeiten nicht zusammen, wir haben Erfolg auf die Kosten des anderen. Das ist das ultimative Kompliment“, sagte Agassi stolz. Beckers nächster Gegner Andy Roddick hätte Landsmann und Lehrer Agassi ungern aus dem Turnier geworfen: „Man will nicht der Kerl sein, der Bambi erschießt.“

Die Sympathien hat sich der Amerikaner in der zweiten Hälfte seiner zwei Jahrzehnte währenden Karriere erarbeitet, sowohl auf dem Tennisplatz als auch durch seine wohltätige Arbeit für Kinder. „Er ist im Tennis die wichtigste Persönlichkeit der vergangenen 20 Jahre“, sagte die ehemalige Weltranglisten-Erste Lindsay Davenport. „Andre hat unseren Sport cool und populär bei der jüngeren Generation gemacht. Er wird geliebt.“ Landsmann James Blake trat ihm zu Ehren in Flushing Meadows mit einem Hemd aus der Kollektion an, die Agassi 1992 trug. Benjamin Becker lobte ihn als Idol und als „einmalig“.

Einst als ausgeflippter Tennis-Punk geltend, der in der Werbung das Image als das Wichtigste pries, ist Agassi zum Botschafter gereift. „Er hat das Geschäft irgendwann vor das Image gestellt“, sagte sein einstiger Dauerrivale Pete Sampras. John Mcenroe, der Agassi gern als Chef des Profi-Tennis sehen würde, bezeichnete ihn gar als Philosophen.

Auch in seiner letzten Pressekonferenz zeichnete der Ehemann von Steffi Graf mit teilweise geschliffenen Sätzen sein Weltbild eines mit Talent gesegneten Menschen, der erst dank anderer ist, was er ist, und so viel wie möglich zurückgeben möchte. Das hatte Agassi schon im Arthur-Ashe-Stadion mit seiner tränenreichen, ergreifenden Ansprache eindrucksvoll vermittelt. Seinen Kindern Jaden Gil und Jaz Elle wollte er danach erklären, warum auch ein Papa weint.

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