Alinghi-Steuermann Ed Baird
Vom Ersatzmann zum Hoffnungsträger

Lange hatte Ed Baird um den Job als Alinghi-Steuermann kämpfen müssen. Jetzt steht der 49-Jährige aus Florida kurz vor dem größten Triumph seiner Karriere - dem Gewinn des America's Cup.

Den schwärzesten Tag seiner Karriere erlebte Ed Baird am 9. November 1999. Als Skipper des New York Yacht Club steuerte der US-Amerikaner die "Young America", als die Yacht mitten im Rennen entzwei brach. Das Boot sank, die Crew rettete sich durch einen Sprung ins Wasser.

Der größte Tag seiner Karriere steht Ed Baird möglicherweise kurz bevor. Einst als Ersatzmann verpflichtet, ist der 49-Jährige inzwischen zur Nummer eins der Alinghi aufgestiegen und nimmt Kurs auf den America's Cup. Der ersehnte Platz in den Geschichtsbüchern der legendären Regatta ist in Sichtweite.

Schümann und Holmberg ausgestochen

Lange hatte der Mann aus St. Petersburg (Florida) um seinen Traum-Job kämpfen müssen. Zwei renommierte Namen standen im Weg: Der Deutsche Jochen Schümann, der als erster aus dem Dreikampf ausschied, und Peter Holmberg von den Jungfraueninseln. Sechs Wochen vor dem ersten Finalrennen erhielt Baird den Zuschlag.

Eine knappe Entscheidung, wie die Alinghi nicht müde wird zu betonen. "Zwischen Baird und Holmberg ist nichts - oder fast nichts", erklärte Taktiker Brad Butterworth, um gleich zur Lobeshymne anzusetzen: "Ed ist einer von vielleicht fünf Steuermännern, die alles aus unserem Boot herausholen können". Butterworth, Skipper des Schweizer Bootes, gilt als enger Vertrauter des 2004 geschassten Genies Russell Coutts. Dessen schwieriges Erbe tritt Baird nun an.

2003 nur als Kommentator dabei

Erste Cup-Erfahrung sammelte Baird, der einst im Optimist im heimischen Florida begannen, im Jahr 1995. Und wie: Zwar segelte der dreifache Familienvater "nur" auf dem B-Boot der Neuseeländer, hatte dank seiner zweiten Aufgabe als Coach aber großen Anteil am Gewinn des America's Cup. Doch danach ging es bergab. 1999 reicht es nur zum enttäuschenden siebte Platz mit der Young America, beim Finale 2003 arbeitete er gar als Kommentator für das neuseeländische Fernsehen.

Es folgte der Wechsel zur Alinghi, deren Anforderungsprofil er wie kein anderer erfüllte: Die Schweizer suchten einen konservativen, kontrollierteren Steuermann. Waghalsige Manöver im Vorstart sind nicht die Sache des Titelverteidigers. Warum einen Penalty riskieren, wenn das Boot ohnehin das schnellste ist?

"Ed steuert flüssig und konstant"

"Segeln ist ein Spiel", sagt Ed Baird: "Man muss geduldig sein, im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen treffen und dann die Zeit zeigen lassen, dass man richtig lag. Die Intensität und Aufregung beim Match Race genieße ich ungemein." Als große Qualität gilt seine Fähigkeit, die Bootsgeschwindigkeit in jeder Lage hoch zu halten. "Ed steuert flüssig und konstant", so Alinghi-Trainer Peter Gilmour.

Dreimal muss Baird diese Künste noch beweisen, um sich den Traum vom America's Cup zu erfüllen. Und den schwärzesten Tag seiner Karriere endgültig zu den Akten zu legen.

© SID

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