Allgemein Doping
Bach fordert Effektivität im Kampf gegen Doping

Im Streit um das Anti-Doping-Gesetz hat sich Dosb-Chef Thomas Bach erneut zu Wort gemeldet. Der IOC-Vize erklärt im sid-Gespräch, weshalb er gegen die Bestrafung von Sportlern durch staatliche Instanzen ist.

Der Ton wird rauher: Die Auseinandersetzung um ein Antidoping-Gesetz nimmt an Schärfe zu. Es geht um die zentrale Frage, ob dopende Athleten weiter nur der Sportgerichtsbarkeit unterliegen oder auch mit Gefängnis bestraft werden sollen.

Dr. Thomas Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes Dosb, hat im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) seine Argumente noch einmal dargelegt, weshalb er gegen die Bestrafung von Sportlern durch staatliche Instanzen ist.

sid: Herr Bach, weshalb sind Sie gegen staatliche Gesetze, die dopende Athleten mit Gefängnis bedrohen? Fürchtet der Sport um seine Autonomie?

Thomas Bach: "Nein. Es geht allein um die höchstmögliche Effektivität beim Kampf gegen Doping."

sid: Und die ist nur durch Sportgerichte erreichbar?

Bach: "Ja, weil sie nicht wie ordentliche Gerichte auf alle möglichen Ausreden der Athleten Rücksicht nehmen müssen. Sie können schnell, hart und international durchsetzbar bestrafen, allein auf Grund einer positiven Dopingprobe. Ein mehrjähriges Berufsverbot trifft die Athleten am härtesten, jedenfalls härter als gegebenenfalls eine Bewährungsstrafe durch ein ordentliches Gericht."

sid: Und warum nicht zusätzliche staatliche Strafen?

Bach: "Zum einen, weil staatliche Gerichte dem Athleten in jedem Einzelfall die Schuld nachweisen müssten und dadurch Freisprüche und Verfahrenseinstellungen sehr viel wahrscheinlicher sind als bei Sportgerichten. Zum andern, weil mit Berufsverbot plus Gefängnis womöglich die rechtstaatlich geforderte Verhältnismäßigkeit zwischen Tat und Strafe nicht mehr gewährleistet wäre. Erst vor wenigen Wochen hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass er diese Verhältnismäßigkeit bei zukünftigen Fällen beurteilen wird."

sid: Was wäre die Folge?

Bach: "Sportverbände und Sportgerichte würden erst abwarten müssen, wie die ordentlichen Gerichte entscheiden, was Monate oder Jahre dauern kann. Denn wenn sie zuvor Strafen aussprechen, gehen sie ein hohes Risiko ein, auf Schadenersatz verklagt zu werden, falls das Gericht zu einem anderen Urteil kommt. Möglicherweise könnte dann der Athlet sogar noch weiterhin an den Start gehen."

sid: Ein Gesetz gegen Athleten würde also die Bestrafung von Dopingsündern eher erschweren als erleichtern?

Bach: "Ja, weil es rechtlichen Winkelzügen Tür und Tor öffnet und die internationale Durchsetzbarkeit von Urteilen der Sportgerichte behindert. Gegenwärtig ist nämlich ein Urteil des Internationalen Sportschiedsgerichtshofes CAS weltweit sofort durchsetzbar und führt zu weltweitem Startverbot, was das Urteil eines nationalen Gerichtes so nicht erreichen kann."

sid: Bayern will einen eigenen Entwurf für ein Antidopinggesetz einbringen.

Bach: "Dieses Recht kann niemand dem Freistaat verweigern. Man könnte aber markigen Worten viel besser Taten folgen lassen, indem man den bestehenden Gesetzen zur Durchsetzung verhilft und zum Beispiel schon morgen in Bayern eine Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft einrichtet. Schließlich sind Handel und Weitergabe von Dopingmitteln schon jetzt strafbar, aber bis auf den Fall Springstein mit einem eher milden Urteil nie geahndet worden."

sid: Was fordert der deutsche Sport ?

Bach: "Der Dosb will schärfere Gesetze gegen die Hintermänner der Athleten, da der Sport diese mit seinen Mitteln nicht hart genug belangen kann. Wir wollen deshalb zum Beispiel das Strafmaß erhöht wissen. Damit wären neben den jetzt schon zulässigen Durchsuchungen auch Abhörmaßnahmen möglich. In all diesen Fragen sind wir mit Innenminister Wolfgang Schäuble seit längerem im Gespräch und ich gehe davon aus, dass sich der Bundestag im Herbst damit befasst."

© SID

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