Allgemein Doping: Dopingverdacht gegen 20 deutsche Sportler

Allgemein Doping
Dopingverdacht gegen 20 deutsche Sportler

Nach Informationen der ARD stehen etwa 20 deutsche Sportler unter Verdacht, Blutdoping betrieben zu haben. Dabei soll es sich um Athleten aus den Bereichen Biathlon und Skilanglauf handeln.

Nach Informationen der ARD wird gegen etwa 20 deutsche Sportler der Verdacht erhoben, in einem Labor in Wien Blutdoping betrieben zu haben. Laut einer Pressemitteilung soll es sich um Sportler aus den Bereichen Biathlon und Skilanglauf handeln, die zumindest zum Teil zur Weltspitze gehören.

Im deutschen Sport läuten die Alarmglocken. Für den Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb) kündigte Generaldirektor Michael Vesper an, man werde die österreichischen Behörden umgehend um detaillierte Auskunft ersuchen: "Wir selbst werden alles zur umfassenden Aufklärung tun, aber wir sind auf Fakten angewiesen."

Der Deutsche Skiverband (DSV) erklärte, dass man über seinen Vizepräsidenten Franz Steinle bei den Ermittlern in Wien und auch über die Welt-Antidopingagentur Wada den Antrag auf Akteneinsicht gestellt habe. Auch zur Nationalen Antidopingagentur Nada habe es Kontakte gegeben, allerdings gab es auch dort keine präziseren Informationen. "Wir haben keine akuten Verdachtsmomente, aber wir wollen natürlich Aufklärung", erklärte ein DSV-Sprecher.

Bei den Winterspielen von Turin 2006 hatte die italienische Polizei ein Dopinglabor im Ausweichquartier der österreichischen Biathleten und Langläufer ausgehoben. Sechs Akteure wurden vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) lebenslang von Olympia ausgeschlossen. Die folgenden Recherchen führten nunmehr nach Wien.

"Die Hand ins Feuer kann man nie legen, weil man nicht 24 Stunden mit den Athleten zusammen ist. Aber ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass jemand aus unserer Mannschaft sich auf diese Weise einen Leistungsvorteil verschafft", sagte Biathlon-Bundestrainer Uwe Müssiggang dem sid. Er hätte zum ersten Mal in der vergangenen Woche durch Zeitungsberichte von den Verdachtsmomenten erfahren und wisse ansonsten nichts.

Behle hält seine Truppe für sauber

Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle hatte schon zuvor am Rand der Tour de Ski alle Verdächtigungen zurückgewiesen: "Leute wie Werner Franke denken, dass alle dopen, aber wir beweisen das Gegenteil. Unsere Erfolge sind sauber, ich lege für meine Sportler die Hand ins Feuer." Der Heidelberger Dopingjäger Franke hat wiederholt Teile des nordischen Skisports als dopingverseucht bezeichnet.

Insgesamt werden mindestens 30 Athleten als Kunden der Blutbank verdächtigt, darunter die Radsportler Georg Totschnig (Österreich), früher beim deutschen Gerolsteiner-Team, Michael Rasmussen (Dänemark), Michael Boogerd (Niederlande) und Denis Mentschow (Russland). Zumindest Totschnig bestreitet die erhobenen Vorwürfe.

Das österreichische Gesundheits-Ministerium hatte zuvor bestätigt, dass es Ermittlungen gegen ein in Wien ansässiges Blutbank-Unternehmen eingeleitet habe. Nach Erkenntnissen der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada steht "Human Plasma" im Verdacht, Beihilfe zum Blutdoping geleistet zu haben. Staatssekretär Reinhold Lopatka bestätigte die Einleitung eines Verfahrens.

Auslöser war laut dem Wiener "Kurier" ein Schreiben des damaligen Wada-Chefs Dick Pound an das Ministerium vom 23. November, in dem der Kanadier darauf hinwies, dass nach Wada-Informationen Sportlern in der Firma Blut abgenommen und in Blutplasma zum Zweck der Reunfusion umgewandelt werde. Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe.

Gesamtweltcup-Spitzenreiter Axel Teichmann verwies darauf, dass die deutschen Sportler mit ihren unabhängigen Blutvolumenmessungen über das normale Maß hinaus den Antidopingkampf betreiben würden: "Es hat in unserem Sport wie in anderen Sportarten auch schwarze Schafe gegeben. Aber der Generalverdacht ist ungerecht."

© SID

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