Allgemein Doping
Dosb stellt Dopingopfern Entschädigung in Aussicht

Der Deutsche Olympische Sportbund (Dosb) scheint sich auf eine Zahlung von Schmerzensgeldern an die Dopingopfer aus der DDR geeinigt zu haben. Dadurch könnte der jahrelange Rechtsstreit endlich beendet werden.

Jahrelang wurden Sportler in der DDR vollgepumpt mit leistungssteigernden, aber eben auch gesundheitsgefährdenen Dopingmitteln. Und ebenfalls jahrelang drückten sich die Gesamt-Deutschen Nachfolgeverbände darum, den Opfern Entschädigungen zu zahlen. Doch nun bahnt sich eine Einigung an, durch die die Betroffenen bereits in den nächsten Wochen mit der Zahlung von Schmerzensgeld rechnen könnten. Für eine außergerichtliche Einigung wurden bei einem Treffen in Frankfurt zwischen Michael Vesper, dem Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (Dosb), und Opfer-Anwalt Michael Lehner (Heidelberg) entscheidende Weichen gestellt. Er werde alles tun, um nun schnell zu einer endgültigen Lösung zu kommen, sagte Vesper, der in den nächsten Tagen noch mit weiteren Betroffenen und ihren Rechtsvertretern sprechen will.

"Es war ein gutes Gespräch", konstatierte Lehner, der 152 der unter 200 anerkannten Dopingopfer juristisch vertritt und damit als einer der wichtigsten Ansprechpartner gilt. Als "sehr konstruktiv" bezeichnete Vesper das Treffen, über dessen Inhalt beide Seiten Stillschweigen vereinbarten.

Dies gilt auch für die Gesamthöhe der Mittel, die zu gleichen Teilen vom Dosb und aus dem Bundesinnenministerium (BMI) kommen sollen. Der Bund hatte schon vor vier Jahren für die geschädigten DDR-Athleten einen Hilfsfonds über zwei Mill. Euro aufgelegt.

Mittel für Fußball-WM für Entschädigungszahlungen

Unmittelbar nach seiner Gründung am 20. Mai hatte der Dosb den Kontakt zunächst mit einer kleinen Gruppe von geschädigten Athleten gesucht, um eine Einigung auszuloten. Das BMI war von Beginn an in die Gespräche einbezogen. Sein Beitrag soll aus Bundesmitteln für die Fußball-WM kommen, die von der Kulturstiftung nicht verbraucht wurden. Im BMI gibt es für den Haushalt 2006 und im Etatentwurf für 2007 bereits "Leertitel" für Zahlungen an die DDR-Doping-Opfer.

Das Nationale Olympische Komitee (NOK) und der Dosb als dessen Rechtsnachfolger waren immer wieder Adressat von Forderungen der Geschädigten, weil nach Ansicht ihrer Anwälte das NOK mit der Vermögens-Übernahme des DDR-NOK von über fünf Mill. Mark auch die Verantwortung für die Dopingvergangenheit in Ostdeutschland übernommen habe.

Diese Rechtsauffassung hatte das Landgericht in Frankfurt/Main im Pilotprozess der Ex-Schwimmerin Karen König (Berlin) im Dezember 2004 gestützt und Entschädigungsforderungen prinzipiell für zulässig erklärt. Daraufhin hatte der von Lehner vertretene Verein für Doping-Opfer-Hilfe (DOH) 152 Anschlussklagen auf Zahlung von 20 000 Euro pro Person vorbereitet.

Einigung könnte gerichtliche Paragraphen-Schlachten beenden

Mit der sich nun anbahnenden Einigung könnte auch König-Anwalt Jens Steinigen gut leben, nachdem der Pilotprozess um rund 10 000 Euro Schmerzensgeld schon über drei Jahre geführt wird. "Wenn es zu einer einvernehmlichen Lösung kommen kann, dann wären wir wahrscheinlich die Letzten, die so etwas blockieren und vor Gericht weiter um Schadenersatz streiten würden", sagte Steinigen.

Der Verzicht auf weitere Klagen ist für den Dosb eine der Grundbedingungen für die Zustimmung zur freiwilligen Zahlung an die Dopingopfer.

© SID

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