Allgemein Doping
Dosb will für Sport ohne Betrug kämpfen

Der Deutsche Olympische Sportbund (Dosb) hat der gentechnischen Manipulation im Sport ab sofort den Kampf angesagt. Eine Gegenmaßnahme soll unter anderem ein "Runder Tisch" mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sein.

Mit einem "Runden Tisch" bei Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zum Thema Gen-Doping und dem Vorschlag, deutschen Spitzenathleten so genannte Anti-Doping-Vertrauensleute zum intimen Gespräch an die Seite zu stellen, will der neugegründete Deutsche Olympische Sportbund (Dosb) ab sofort energisch sämtlichen Spielarten von Doping, Manipulation und Betrug im Sport energisch entgegengehen.

"Nur ein dopingfreier Sport ist ein glaubwürdiger und überlebensfähiger Sport. Doping ist nichts anderes als Betrug, Betrug am Konkurrenten und an sich selbst. Manipulation in jeder Form, sei es als Doping oder Korruption, sagen wir mit Null Toleranz den Kampf an", betonte Dosb-Präsident Thomas Bach, der in der Antrittsrede bekannte: "Dabei stehen wir vor Herausforderungen erschreckender Größenordnung."

"Gentechnische Manipulation ist tabu"

Zu den Gefahren der Genmanipulation meinte der Vize-Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC): "Alle bisherigen technischen Entwicklungsschritte der Menschheit betrafen zunächst das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt. Die Gentechnologie stellt dagegen den Menschen selbst in Frage. Für den deutschen Sport ist klar: Gentechnische Manipulation zum Zwecke der sportlichen Leistungssteigerung ist tabu."

Was zu tun ist, um der Horrorvision vom genmanipulierten Monsterathleten Einhalt zu gebieten, sollen Experten aus Wissenschaft, Politik, Recht und Sport demnächst bei einem Treffen mit Schäuble besprechen. Dort wird auch eine Arbeitsteilung zwischen Sport und Staat angesprochen.

"Sumpf austrocknen"

Bach schlägt vor, der Sport solle sich um die Kontrolle und Sanktionierung der Athleten kümmern und der Staat "den Sumpf im Umfeld der gedopten Athleten austrocknen" helfen. Ein eigenes Anti-Doping-Gesetz, wie es zum Beispiel in Frankreich und anderen Ländern längst in Kraft ist, wurde ausdrücklich nicht gefordert.

Stattdessen schlug der frühere Weltklassefechter Bach vor, Spitzensportlern demnächst Vertrauensleute an die Hand zu geben, mit denen sie über das sensible wie heikle Thema sprechen und gegebenenfalls auch über Vergehen informieren sollen. Die Doping-Prävention müsse "verstärkt angegangen" werden.

"Athleten werden oftmals durch ihr unmittelbares Umfeld zum Doping herangeführt, oder oftmals nicht davon abgehalten. In dieser wichtigen Phase seiner Entscheidung findet der Athlet selten einen Ansprechpartner seines Vertrauens, der nicht zumindest mittelbar an den Erfolgen interessiert ist", erläuterte Bach.

"Idee ist neu und brillant"

"Die Idee hat mich völlig überrascht und ist für mich völlig neu, aber sie ist brillant", lobte Roland Augustin, Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada). "Wir haben ja schon Anti-Doping-Beauftragte bei den Verbänden. Vielleicht könnte man die Vertrauensleute dort ansiedeln und am besten frühere Athleten mit dieser Aufgabe betrauen."

Bachs eindeutige Botschaft war auch ein Reflex auf die Sorgen um die olympischen Werte, die IOC-Präsident Jacques Rogge jüngst in Tübingen formuliert hatte. "Es gibt 850 Mill. Sportler auf dieser Welt, aber das sind keine 850 Mill. Heilige. Es ist unsere heilige Pflicht, den Dopingmissbrauch einzudämmen", forderte Rogge. Das Dopingproblem sei vor allem deshalb besonders gefährlich, weil dadurch "die Glaubwürdigkeit des gesamten sportlichen Wettbewerbs in Frage" gestellt werde.

"Es gehört zu den ganz zentralen Aufgaben des Dosb, gegen Dopingsünder vorzugehen. Ich habe vollstes Zutrauen zum Präsidium, dass es der Aufgabe gerecht wird", versicherte Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker als Persönliches Dosb-Mitglied.

© SID

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