Allgemein Doping
Franzose Drut soll für Wada-Vorstand kandidieren

Neben dem Australier John Fahey soll auch der Franzose Guy Drut für die Präsidentschaft der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada kandidieren. Die französische Regierung plant eine Nominierung Druts für die Wahl am Samstag.

Frankreichs Regierung will in letzter Minute den früheren Sportminister Guy Drut, Hürden-Olympiasieger 1976, als Nachfolger des Kanadiers Dick Pound für die Präsidentschaft der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada nominieren. Die Wahl erfolgt am Samstag durch den Wada-Aufsichtsrat. Einziger Kandidat war bisher der Australier John Fahey, nachdem der Franzose Jean-Francois Lamour kurzfristig verzichtet hatte.

Thomas Bach wollte sich auf kein Scheingefecht einlassen: "Für uns gibt es keinen Kandidaten Drut." Mit diesem Kommentar wies der IOC-Vize Spekulationen über eine Kandidatur Druts A zurück.

Weder das IOC noch die Bundesregierung seien über Pläne informiert worden, wonach Frankreichs Regierung den Hürden-Olympiasieger 1976 noch in letzter Minute als Nachfolger des Kanadiers Pound präsentieren wolle. "Ich vertraue darauf, dass es sich die Regierungen genau überlegen, wen sie für die Wahl vorschlagen wollen", sagte Bach auf der 3. Welt-Antidopingkonferenz in Madrid.

Drut selbst allerdings bekräftigte im Kongresszentrum der spanischen Hauptstadt: "Wenn es gewünscht wird, stehe ich zur Verfügung." Doch auch Pound selbst sieht Drut nicht als Kandidaten für seine Nachfolge an: "Soweit ich weiß, endete die Bewerbungsfrist am 20. September."

Druts Bewerbung könnte allerdings als Affront gegen die olympische Bewegung angesehen werden. Der 56-Jährige war vor einem Jahr als Mitglied des Internationalen Olympische Komitees (IOC) verwarnt und auf fünf Jahre von Führungspositionen im IOC ausgeschlossen worden. Er war zuvor wegen Korruption im politischen Amt verurteilt, allerdings durch Staatspräsident Jacques Chirac anschließend begnadigt worden.

IOC-Vize Bach: "Wir haben Doping zu bekämpfen, nicht uns gegenseitig"

Zuvor hatte sich das IOC klar gegen den Versuch der europäischen Sportminister ausgesprochen, die für Samstag angesetzte Abstimmung bis Mai zu vertagen, um nach dem Rückzug von Lamour einen neuen Gegenkandidaten präsentieren zu können"Dies würde die Wada mehrere Monate lang führungslos lassen und wäre für den Kampf gegen Doping alles andere als hilfreich", sagte IOC-Vize Thomas Bach auf der 3. Welt-Antidopingkonferenz in Madrid. Eine Blockade sei ein untaugliches Mittel: "Wir haben Doping zu bekämpfen, nicht uns gegenseitig."

Obwohl der frühere Finanzminister Fahey als unbeschriebenes Blatt gilt, will der Sport deshalb den 62-Jährigen unterstützen, wenn sich die Mehrheit der Regierungen auf ihn verständigt. Es gelte die Autonomie beider Wada-Säulen zu respektieren. "Ich bin davon überzeugt, dass wir am Samstag einen neuen Wada-Präsidenten haben werden", sagte Bach. Auch Pound lehnte es ab, über seine bis Jahresende laufende Amtszeit hinaus zur Verfügung zu stehen. Der 65-Jährige hat die Wada seit ihrer Gründung 1999 geführt. Bach bezeichnete seinen Abgang als "bedeutsamen Einschnitt in der Wada-Geschichte".

Das Vorschlagsrecht für die Präsidentschaft liegt diesmal bei den Regierungen, allein ihre 18 Stimmen sollen entscheiden. Zu den fünf europäischen Mitgliedern im Aufsichtsrat gehört auch Deutschland, das durch den Parlamentarischen Staatssekretär Christoph Bergner vertreten wird. Er habe als Dosb-Präsident das BMI über die Haltung der olympischen Bewegung informiert, sagte Bach.

Umstrittene Ein-Stunden-Regel ist vom Tisch

Generell will das IOC den Druck auf jene Regierungen verstärken, die noch immer nicht die Unesco-Konvention gegen Doping von 2005 anerkannt haben. "Wer dies bis Anfang 2009 nicht nachgeholt hat, sollte nicht mehr in den Wada-Aufsichtsrat gewählt werden dürfen", sagte Bach. Über einen entsprechenden Antrag soll zum Abschluss am Samstag entschieden werden. Bach: "Manche Länder hinken noch erheblich hinterher, sie müssen schönen Worten endlich Taten folgen lassen. Denn beim Kampf gegen Doping brauchen Sport und Staat einander, national wie international."

Endgültig vom Tisch scheint die umstrittene Ein-Stunden-Regel, nach der Athleten nur für 60 Minuten pro Tag für Dopingtests zur Verfügung hätten stehen sollen. "Wir sind wirklich sehr zufrieden, dass wir mit unserem Einspruch Erfolg hatten", sagte Wada-Sprecherin Ulrike Spitz.

Eine Expertenkommission soll nun bis Mai eine neue Bestimmung ausarbeiten: "Das ist die beste Lösung, ein Schnellschuss wäre falsch gewesen", meinte Spitz. Denn der neue Wada-Code soll ohnehin erst zum 1. Januar 2009 in Kraft treten. Eine seiner wichtigsten Änderungen ist aus Sicht der deutschen Antidoping-Agentur, dass die Suspendierung eines Athleten künftig grundsätzlich bereits nach positiver A-Probe erfolgen soll, nicht erst nach der B-Probe. Zudem muss dann auch spätestens acht Tage nach Vorliegen der A-Probe die B-Probe geöffnet werden.

© SID

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