Allgemein Doping
Köhler greift auch Schäuble an

In seinen Dopingenthüllungen hat Thomas Köhler auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble angegriffen. In der Bundesrepublik sei ebenfalls flächendeckend gedopt worden.

Der frühere DDR-Spitzenfunktionär Thomas Köhler hat in seinem Buch "Zwei Seiten der Medaille" auch den heutigen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble angegriffen. In seiner Abhandlung über frühere Doping-Praktiken in der DDR schreibt der 70-jährige Köhler unter anderem, dass auch in der Bundesrepublik flächendeckend gedopt worden sei und hochrangige Funktionäre und Sportpolitiker davon gewusst hätten.

Köhler zitiert neben dem früheren NOK-Präsidenten Willi Daume (gest. 1996) unter anderem auch Schäuble aus einem 154-seitigen Protokoll der 6. Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages vom 28. September 1977 mit den Worten: "Wir wollen diese Mittel nur sehr eingeschränkt und nur unter der absolut verantwortlichen Kontrolle der Sportmediziner ... einsetzen."

Das Bundesministerium für Finanzen, das heute von Schäuble geführt wird, wollte keine Stellungnahme abgeben. "Wir kommentieren keine Äußerungen unseres Ministers von vor über 30 Jahren", ließ die Pressestelle auf SID-Anfrage wissen.

"Nach 30 Jahren ein bisschen klüger"

Schäuble selbst hatte bereits im März 2009, damals als Bundesinnenminister, im Gespräch mit der FAZ die fraglichen Äußerungen wie folgt kommentiert: "Gut, dass alles aufgeschrieben wird. Ich würde das nie mehr so sagen. Aber man darf nach 30 Jahren auch ein bisschen klüger sein. Man sollte niemanden an Sprüchen messen, die er vor 30 Jahren getan hat; das fällt auf den zurück, der es tut."

In dem gleichen Gespräch hatte Schäuble eingeräumt, dass zur fraglichen Zeit auch in der Bundesrepublik mit unerlaubten Mitteln gearbeitet wurde: "Außerdem wissen wir, dass es im Westen auch großen Mist gab. Als jemand, der in Freiburg studiert hat, muss ich sagen: Dass ausgerechnet die Sportmedizin der Uni Freiburg sich in einem solchen Maße hat verstricken lassen, ist schmerzlich."

Köhler hatte sich in seinem Buch in Zusammenhang mit Schäuble auch einen formalen Fehler erlaubt. Wörtlich heißt es in der Passage: "Der damalige Innen- und heutige Finanzminister Wolfgang Schäuble." Dieser war allerdings 1977 zu Zeiten der SPD-Regierung in Bonn kein Bundesinnenminister, sondern Vorsitzender des Bundesfachausschusses Sport der CDU.

© SID

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