Allgemein Doping
Wada fordert im Ant-Doping-Kampf härtere Strafen

Nach Meinung der Welt-Anti-Doping-Agentur sollen Personen im Umfeld von Dopingsündern härter bestraft werden. Das sagte Wada-Generaldirektor David Howman am Dienstag in Berlin.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und anerkannte Experten haben dem Umfeld von Dopingsündern den Kampf angesagt. "Athleten sind von vielen Personen umgeben, die auf sie einwirken. Wieso bekommt nur der Sportler in einem Dopingfall eine Strafe? Hier müssen wir etwas machen", sagte Wada-Generaldirektor David Howman beim 4. Anti-Doping-Forum am Dienstag in Berlin.

"Summen hängen am Erfolg der Sportler"

"Alle wollen Geld machen, und diese Summen hängen an dem Erfolg der Sportler", meinte der Neuseeländer zu den negativen Einflüssen von Personen aus dem Umfeld der dopenden Sportler und stellte fest, dass die Wada "die sauberen 90 Prozent der Sportler schützen" müsse.

Gleichzeitig forderte Howman mehr Mittel für den internationalen Anti-Doping-Kampf. Das jährliche Wada-Budget von 25 Mill. Dollar sei zu gering. "Ich weiß nicht wieviel Cristiano Ronaldo verdient, aber vermutlich ist es mehr. Dabei wird Doping als größte Geißel des Sports bezeichnet", sagte Howman, der die Wada-Geschäfte führt, und schlug neue Einnahmequellen vor: "Warum nehmen wir nicht einen Prozentsatz der TV-Gelder zur Doping-Bekämpfung?"

Armin Baumert, Vorstands-Vorsitzender der Nationalen-Anti-Doping-Agentur (Nada), beklagte in diesem Zusammenhang die geringe finanzielle Unterstützung durch die Wirtschaft: "Seit Gründung der Nada im Jahr 2003 gibt es nur vier Unternehmen, die uns nachhaltig unterstützen."

"Dann wäre er inkompetent"

Heftige Vorwürfe in Richtung von Trainern und Sport-Funktionären äußerte Gendoping-Experte Dr. Perikles Simon von der Abteilung für Sportmedizin, Prävention und Rehabilitation an der Universität Mainz. Diese Personen seien "inkompetent", sollten sie nicht wissen, dass ihre Athleten dopen. "Für mich ist es nicht realistisch, dass ein Bundestrainer nicht weiß, ob sein Athlet dopt oder nicht. Es wäre schlimm, wenn er es nicht wüsste, denn dann wäre er komplett imkompetent", meinte der Wissenschaftler.

"Ein gedopter Athlet kann Umfänge trainieren, die ein nicht gedopter Sportler nicht trainieren kann. Auch Sportmediziner und Funktionäre wissen Bescheid", sagte Simon und forderte eine "Ächtung des inkompetenten Umfelds" statt der "medialen Ächtung der Gedopten. Die Sportler sind die Armen, die es zu schützen gilt." Statt einer Kopplung der Steuergelder an die Medaillengewinne, sollten die finanziellen Leistungen an die Dopingvergehen gekoppelt werden.

"Das ist kein Allheilmittel"

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium (BMI), Christoph Bergner, lehnte erneut ein Anti-Doping-Gesetz ab: "Das ist kein Allheilmittel. Zudem habe ich große Sorge, dass wir damit an anderer Stelle an Schlagkraft im Anti-Doping-Kampf verlieren", sagte der CDU-Politiker. Ein schwer zu lösendes Problem bei dem Vorschlag sei die Abgrenzung des "Vorteil erschaffens. Wie geht man beispielsweise dann mit einer Schwalbe im Fußball um?"

Zudem forderte Bergner eine Gleichbehandlung der Sportler in der Welt. "Es ist nicht zu akzeptieren, dass in einer Region detailliert Verplichtungen beachtet werden, und diese in einer anderen Region nicht mit vergleichbarer Schärfe ausgeführt werden." Doping werde wohl immer eine Krankheit bleiben. "Aber wir hoffen, dass diese nicht zu einer Seuche wird", sagte Bergner.

Adidas-Chef Herbert Hainer erklärte als Vertreter der Wirtschaft: "Wir trennen uns von jedem Athleten, der verbotene Mittel nimmt. Wir lassen aber keinen Sportler nur aufgrund von Verdächtigungen fallen, es muss ein gerichtsfestes Urteil gefällt sein", meinte der Vorstands-Vorsitzende des deutschen Sportartikel-Herstellers, einer der Nada-Unterstützer.

Das Anti-Doping-Forum wurde von der Rechtsanwaltskanzlei Martens veranstaltet und stand unter der Überschrift: "Ein Kampf gegen Windmühlen? Die Realitäten im Doping und die Positionen der großen Player im Sportbusiness."

© SID

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