Allgemein Sportpolitik
Wada-Vize wirft vor Präsidenten-Wahl das Handtuch

Der Vizepräsident der Welt-Antidoping-Agentur Wada ist einen Monat vor der Präsidentenwahl überraschend zurückgetreten. Der ehemalige französische Sportminister Jean-Francois Lamour galt als Top-Kandidat.

Der Welt-Antidoping-Agentur Wada steht einen Monat vor der Wahl eines neuen Präsidenten eine sportpolitische Zerreißprobe bevor. Der seit Monaten als Nachfolger des Kanadiers Dick Pound gehandelte französische Ex-Sportminister Jean-Francois Lamour warf am Dienstag in Paris das Handtuch und trat auch von seiner Position als Wada-Vize zurück, die er vor einem Jahr übernommen hatte.

Der 51-jährige Olympiasieger im Säbelfechten von 1984 und 1988 warf einem Wada-Bündnis von Regierungsvertretern aus Nordamerika und Ozeanien vor, seine Kandidatur hintertrieben zu haben: "Durch diese Art von Wahlkampf ist unsere Arbeit um zehn Jahre zurückgeworfen worden."

Die Lamour-Gegner hatten kurz vor Nominierungsschluss vor drei Wochen den früheren australischen Finanzminister John Fahey völlig überraschend als ihren Gegenkandidaten präsentiert. Der 62-Jährige gehörte zu den maßgebenden Organisatoren der Sommerspiele von Sydney 2000, gilt aber als unbeschriebenes Blatt im Antidopingkampf.

Nach den Wada-Statuten befinden nur die Regierungsvertreter im Aufsichtsrat über die Nachfolge von Pound, weil dieser seit der Gründung 1999 als Repräsentant der Sport-Fraktion an der Spitze stand und sich beide Seiten in der Präsidentschaft ablösen sollen.

Lamour war von Europa nominiert worden, das aber nur fünf der 18 Regierungsstimmen hat, darunter eine aus Deutschland. Lamour sah offenbar keine Chance auf eine Mehrheit mehr. Für Frankreich ist sein Rückzug eine weitere empfindliche sportpolitische Niederlage auf internationaler Bühne, nachdem zuletzt Paris im Rennen um Olympia 2012 an London gescheitert war.

Die Wahl des Wada-Präsidenten erfolgt am 14. November in Madrid am Vorabend der 3. Welt-Antidoping-Konferenz. Pound, der auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist, hatte der Wada seit der Gründung zu einem scharfen eigenständigen Profil verholfen und keine Konfrontation mit mächtigen Weltpräsidenten gescheut. Der 65-Jährige hat wiederholt Interesse bekundet, künftig den Vorsitz des Obersten Sportgerichtshofes CAS zu übernehmen.

© SID

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