Amanns WM-Check (2)
Den Deutschen fehlt der Biss

Rick Amann ist vom ersten Spiel der deutschen Mannschaft enttäuscht. Er sieht die Fehler allerdings nicht nur im neuen offensiveren System.

Liebe Handelsblatt.com-Leser,

alle Favoriten haben an den ersten beiden Spieltagen ihre ersten Spiele gewonnen. Alle Favoriten? Nein! Der einzige Favorit, der patzte, war Deutschland. Ja, Deutschland war vor Spielbeginn der klare Favorit gegen Kasachstan - und verlor dennoch mit 1:2.

Alles begann damit, dass die Mannschaft von Greg Poss in den ersten 49 Sekunden des Spiels nicht hellwach war und zuließ, dass ein gerissener und wendiger Kasache die Abwehrreihe um Stefan Schauer durchbrach und eine Strafzeit gegen Schauer herausholte. Die wirkliche Strafe folgte jedoch erst 35 Sekunden später, ein Powerplay-Tor von Dmitri Upper! Der Arme deutsche Goalie Oliver Jonas wusste wohl gar nicht wie ihm geschah, als die Scheibe durch seine Beine ins Netz rutschte. Das Spiel war gerade einmal anderthalb Minuten alt, als Dmitri Upper einen schwachen Schuss von der blauen Linie zur Führung abfälschen konnte.

Game Over? Nun, ganz so schlimm sah es nicht aus! Ich dachte wirklich, dass das Poss' Team mit einem ungeheuren Druck ins Spiel zurück finden würde. Einige deutsche Spieler versuchten die Kasachen tief in ihre eigene Hälfte zu drücken. Besonders Andreas Morczinietz und Eduard Lewandowski warfen die Kasachen weit in ihre eigene Hälfte zurück und zeigten guten Einsatz. Es war schön für mich, einigen offensiven Druck des DEB-Teams zu sehen, nach Jahren der defensiv-orientierten Spielweise. Aber offensiver Druck alleine reicht eben nicht, um ein Spiel zu gewinnen. Dafür braucht es auch Tore und eine ebenfalls gut funktionierende Defensive. Besonders bei gerissenen Gegnern wie den Kasachen.

Und leider hatte unsere Defensive in den ersten 30 Sekunden vergessen, wie wendig und abgezockt die Kasachen sind. Dies zeigten sie auch wieder am Ende des ersten Drittels, als der abgezockteste Kasache überhaupt, Yevgeniy Koreshkov, bei einem schnellen Gegenstoss eiskalt das 2:0 erzielte.

Das zweite Drittel zeigte die Hilflosigkeit der Poss-Spieler. Kapitän Jan Bender zeigte ein grauenhaftes Spiel und wenig Führungsstärke. Ich hoffe, diese Leistung war nur eine Ausnahme und nicht der Regelfall bei der diesjährigen WM. Tino Boos kam trotz tollem Einsatz stets einen Schritt zu spät. Die Kasachen schienen den deutschen Spielern in einigen Situationen einfach vom spielerischen Talent her überlegen. Hätten sie auch nur ein Zehntel an Kampfgeist und Arbeitsmoral wie das gesamte deutsche Team gehabt, wären sie ein echtes Powerhouse gewesen.

Klar ist: Wenn du eine talentierte Mannschaft skaten und auch sonst machen lässt, was sie wollen, werden sie das Team mit gutem Einsatz alleine immer besiegen. Dieser Einsatz braucht ebenfalls das nötige Talent, wobei ich glaube, dass das deutsche Team genug Talent hat. Aber sie zeigen keinerlei Dringlichkeit und keine Emotionen im gesamten Spiel. Ich sehe Daniel Kreutzer nicht ins Tornetz treffen, wie er es eigentlich kann. Jochen Hecht, der beste deutsche Spieler, muss trotz seiner Verletzung versuchen, mehr Verantwortung in der Mannschaft zu übernehmen. Er hatte einige gute Chancen, und solche Chancen bekommt man bei einer WM nicht so oft, besonders nicht als deutsches Team.

Die einzige kleine Zündkerze im Team die nicht auf allen Zylindern brannte, war Tomas Martinec, aber er schoss ein von Petr Fical aufgelegtes schönes Tor zum 1:2. Nach dem Anschlusstreffer war eigentlich noch genug Zeit, um die Wende zu schaffen. Aber da auch diese beiden Spieler lediglich eine durchschnittliche Leistung zeigten und keine weiteren zündenden Ideen anderer Spieler folgten, reichte es nicht mehr zur Wende. Wirklich Schade! Mir hat das fore-checking des Poss-Teams gut gefallen, aber man muss in solchen Spielen eben auch bereit sein, den Puck im Notfall mit den Zähnen ins gegnerische Tor zu befördern. Aber es scheint, dass das gesamte deutsche Team zu gerne ein schönes Lächeln im Gesicht zeigt, um so ein Tor zu erzielen.

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