Amanns WM-Check (3)
Sauer auf das deutsche Team

Rick Amann ist nach dem Spiel der Deutschen gegen Tschechien auf 180! Er ist empört über DSF-Moderator Marc Hindelang und bewertet die Einstellung des deutschen Teams kritisch.

Liebe Handelsblatt.com-Leser,

lasst mich ehrlich sein. Das tschechische Team war weitaus mehr eine Einheit als die Kasachen. Sie sind zudem talentierter und kämpfen fantastisch. Und wie immer haben sich die Deutschen gegen so einen Topgegner auch gesteigert, mit dem gleichen Ergebnis wie bei einem deutschen Spiel gegen einen schwächeren Gegner: Eine Niederlage.

Mich macht diese Einstellung der deutschen Mannschaft gegen diese Top-Teams wirklich sauer. Diese "eine knappe Niederlage ist immer akzeptabel" Einstellung. Das macht mich so wütend. Diese Einstellung herrscht in Deutschland schon seit Generationen. Es war vor, während und auch jetzt nach meiner Zeit so. Ich glaube, es kommt daher, dass die Spieler besonders Angst davor haben, von der Presse nach einer hohen Niederlage gegen eine Top-Mannschaft verspottet und lächerlich gemacht zu werden. Die Angst vor diesem Hohn scheint die Spieler am meisten zu motivieren.

Ja, die deutsche Mannschaft hat gut gespielt, keine Frage. Die Spieler haben Mut und guten Einsatz gezeigt. Aber im ersten Drittel war die Leistung nicht so gut, und der Gegentreffer zum 1:0 geht auf die Kappe von Robert Müller, der sich aber danach Gott sei Dank steigerte. Was mich im ersten Drittel wirklich enttäuscht hat, war, dass einige Spieler Angst zu haben schienen. Sie waren nicht wirklich mit vollem körperlichen Einsatz dabei, so dass es ein bisschen "Weichei"-Eishockey war. Das mag ich überhaupt nicht!

Dennoch, im zweiten und dritten Drittel war es ein ganz andere Poss-Team, dass auf dem Eis stand und Emotionen zeigte. Das gesamte Team checkte und ging äußerst aggressiv zu Werke, um alles zu unternehmen, das Spiel etwas langsamer zu machen und die besseren und stärkeren Tschechen niederzuringen. Dahingegen gaben sich die Tschechen keine Blöße. Sie blieben mit 1:0 in Führung und insgesamt relativ cool. Nicht, dass sich die Mannschaft von Greg Poss keine Chancen erspielt hat, um den Ausgleich, oder sogar den Siegtreffer zu erzielen. Daniel Kreutzer und auch Jochen Hecht hatten gute Möglichkeiten, die allerdings nicht verwertet wurden. Das Toreschießen war schon immer ein großes Problem, seit Gerd Trunschka und Didi Hegen das Adlertrikot an den Nagel gehängt haben. Es ist sogar so schlimm, dass bei der 5:3 Überzahl im ersten Drittel keine wirklich guten Torchancen herauskamen.

Also, was bleibt nach der zweiten Niederlage in der Vorrunde übrig? Das Team kann kämpfen, skaten, checken und somit mit den besten Teams der Welt mithalten. Ihre Schwächen in der Defensive kompensieren sie mit toller mannschaftlicher Geschlossenheit. Aber ihr Problem ist eben, dass sie keine Tore erzielen. Wenn sie schon keine Tore erzielen, müssen sie wenigstens versuchen, hinten zu Null zu spielen, was bis jetzt nicht gelungen ist. Ich bin der letzte, der sagt, dass vier Gegentore in den letzten zwei Spielen schlecht sind, aber mit nur einem geschossenen Tor, oder einmal zu Null gespielt sähe es natürlich weitaus besser aus. Ich glaube trotzdem, dass wir gegen die Schweiz gewinnen können. Das DEB-Team braucht jedoch ein oder zwei Tore Vorsprung, um weiter zu kommen, und das dürfte schwer werden.

Bei allen anderen Spielen lief ja alles wie von mir erwartet. Die Favoriten haben gewonnen und sind in der Zwischenrunde. Eine beachtliche Randnotiz finde ich, dass am ersten Spielwochenende nur eine Mannschaft mit mehr als zwei Toren Unterschied gewonnen hat. Doch an den beiden letzten Spieltagen sind vier Spiele mit mehr als zwei Toren Unterschied ausgegangen. Was bedeutet das?

Die Fähigkeiten der schwachen Mannschaften im Turnier zu überraschen sinkt und die guten Teams werden besser.

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