American Football NFL
Giants und Dolphins messen in London ihre Kräfte

Die Football-Fans schauen heute nach London. In der englischen Hauptstadt findet das erste reguläre Saisonspiel der US-amerikanischen Football-Profiliga NFL auf europäischem Boden statt. Dabei trifft New York auf Miami.

Für die Miami Dolphins geht es um den ersten Sieg der Spielzeit, für die New York Giants um den sechsten Erfolg in Serie und für die National Football League (NFL) um jede Menge Geld: Wenn die NFL am heutigen Sonntag im Londoner Wembley-Stadion (18.00 Uhr/live bei Nasn) ihre erste reguläre Saisonpartie außerhalb Amerikas austrägt, soll sich nach zahlreichen gescheiterten Versuchen endlich die Tür zum europäischen Markt öffnen.

"Wir wollen die Leidenschaft für diesen Sport nach Europa transportieren. Das Spiel am Sonntag ist nur der Anfang. Der zukünftige Erfolg unserer Liga hängt maßgeblich davon ab, ob wir es schaffen, sie zu globalisieren", sagt NFL-Commissioner Roger Goodell. Giants-Quarterback Eli Manning & Co. sollen bei ihrer Missionarsarbeit auf dem Alten Kontinent nicht nur einen kurzen Einblick in das typisch amerikanische Spektakel geben. Langfristig erhofft sich die NFL vor allem einen steten Finanz-Rückfluss. Es gilt, eine Marke zu etablieren.

Von den rund sieben Mrd. Dollar, die die Liga pro Jahr einnimmt, kommt bisher nur rund ein Prozent aus Europa. Was in den USA während der Saison das Leben vieler Fans bestimmt, ist auch in Deutschland bisher nicht über den Status eines Nischenmarktes hinausgekommen. Weder die Austragung von Saisonvorbereitungsspielen, die zwischen 1990 und 1994 auch fünfmal in Berlin stattfanden, noch die im vergangenen Juni eingestellte NFL Europa (Nfle) änderten daran Grundlegendes. Im Gegenteil: Mit der Nfle fuhr die US-Mutterliga seit deren Gründung 1991 insgesamt 500 Mill. Dollar Verlust ein.

Premiumprodukt soll NFL in Europa pushen

Nun soll das Premiumprodukt für die Wende sorgen. Und die NFL scheint es ernst zu meinen: Aufblasbare NFL-Spieler begegnen den Londonern an vielen Straßenecken, die Cheerleader der Giants und Dolphins versüßen das Warten im Feierabendverkehr und am Trafalgar Square grüßt eine rund acht Meter hohe Statue von Miamis Defensive End Jason Taylor. Die Marketingmaschinerie läuft auf Hochtouren und scheint den erhofften Effekt nicht zu verfehlen.

Von den 86 000 Tickets für die ausverkaufte Begegnung waren 40 000 in den ersten 90 Minuten vergriffen. Schon beim ersten Punktspiel außerhalb der USA vor rund zwei Jahren in Mexiko-Stadt hatten die San Francisco 49ers und die Arizona Cardinals 103 467 Fans angelockt und damit für einen NFL-Zuschauerrekord gesorgt. Goodell will diesen Weg nun konsequent weitergehen. Bis 2011 werden jährlich bis zu zwei reguläre Saisonpartien im Ausland ausgetragen. Für 2008 gilt auch Deutschland als potenzieller Schauplatz.

Geteilte Meinungen in den USA

Sogar vor dem "Heiligtum" Super Bowl scheint Goodell offenbar nicht Halt machen zu wollen. "London hat großes Interesse, den Super Bowl auszutragen. Wir werden schauen, was machbar ist", hatte der 48-Jährige unlängst erklärt. Ob der Ligaboss mit derartig revolutionären Plänen auf die ungeteilte Zustimmung der Teams stoßen wird, dürfte allerdings fraglich sein. Schon jetzt musste Miami für die Partie in der englischen Hauptstadt sein Heimrecht abtreten und auch die Giants hätten die Jagd nach einem Play-off-Platz wohl lieber in der Heimat fortgesetzt.

"Man muss abwarten, wie sich die Sache entwickelt. Entscheidend wird doch sein, was passiert, wenn die NFL ihr drittes oder viertes Saisonspiel im Ausland austrägt. Hält die Begeisterung an oder verlieren die Zuschauer das Interesse?", meint Giants-Präsident John Mara. Auch Miamis Taylor sieht den Auftritt in Übersee eher pragmatisch: "Wenn wir schon in den USA nicht gewinnen können, schaffen wir es vielleicht wenigstens in Europa."

© SID

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