American Football: „Sportwetten und NFL gehören nicht zusammen“

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„Sportwetten und NFL gehören nicht zusammen“

Roger Goodell führt die NFL. Vor dem Saisonfinale, dem Superbowl, muss sich der Chef unangenehmen Fragen stellen: Warum ziehen so viele Teams um? Und ist Las Vegas eine geeignete Stadt für eine Mannschaft?
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New YorkFür deutsche Fans unvorstellbar: Ihre Mannschaft verlässt die Stadt. Das passiert im American Football derzeit häufig. So ziehen die Chargers derzeit nach Los Angeles um, obwohl sie seit 56 Jahren in San Diego spielten. „Wir haben auf etwas anderes gehofft“, sagte Roger Goodell am vergangenen Mittwoch. „Wir wollten die Chargers dort weitere 50 Jahren haben“.

Goodell leitet seit 2006 die „National Football League“ (NFL). Die amerikanische Sportart ist finanziell gesehen eine der erfolgreichsten der Welt, setzte in der jüngsten Saison 14 Milliarden Dollar um. Die Summe soll 2018 auf 16 Milliarden Dollar steigen. Eine der wichtigsten Veranstaltungen dabei ist der Superbowl, das Finale der zwei besten Mannschaften.

Am kommenden Sonntag findet der 51. Superbowl in Houston zwischen den Atlanta Falcons und den New England Patriots statt. Traditionell stellt sich Goodell wenige Tage vor dem Spiel den Fragen der Medien. Die jährliche Pressekonferenz ist für Journalisten eine einmalige Chance, den NFL-Chef vor das Mikrofon zu bekommen.

Der Super Bowl zwischen Kommerz und Sozialismus

Einige der Fragen am Mittwoch drehten sich um den Ortswechsel der Teams. Beispielsweise wollen die Raiders von Oakland, einer Stadt in der Nähe von San Francisco, nach Las Vegas umziehen. Die Glücksspielstadt verspricht 750 Millionen Dollar an öffentlichen Hilfen für ein neues Stadion. Dazu wollte Kasino-Magnat Sheldon Adelson Geld geben, zog sich aber zurück.

„Bislang haben wir nicht entschieden, ob Las Vegas ein geeigneter Markt für die NFL ist“, sagte Goodell und schloss eine Beteiligung eines Kasinos an einer Football-Mannschaft aus: „Wir müssen die Integrität des Sports erhalten, Sportwetten und NFL gehören nicht zusammen“. Die Raiders hätten das Thema aber nie angesprochen.

Ein schickes Stadion ist auch bei den Chargers der Grund für den Umzug. San Diego wollte kein öffentliches Geld dafür geben. Um das Team zum Bleiben zu überreden, brachten die Besitzer von den 32 NFL-Teams insgesamt 300 Millionen Dollar auf. Doch es reichte nicht: „Wir haben uns sehr bemüht“, sagte Godell. „Es ist eine große Enttäuschung für uns alle, dass wir es nicht geschafft haben“.

Wie instabil die derzeitige US-Football-Liga ist, zeigt ein weiterer Wechsel. Die Rams zogen im vergangenen Jahr von St. Louis nach Los Angeles. Die Stadt hat damit plötzlich zwei Teams – nachdem dort 21 Jahre lang gar kein Football gespielt wurde.

Doch nicht nur für die Fans sind Ortswechsel eine schmerzhafte Angelegenheit. Auch fallen dadurch die Ticketeinnahmen: Es dauert selbst im mobilen Amerika eine ganze Weile, bis sich in der neuen Stadt eine Gefolgschaft aufbaut. Leere Stadien sehen aber bei Fernsehübertragungen nicht gut aus. Die NFL kämpft deshalb mit fallenden Einschaltquoten, die in der vergangenen Saison durchschnittlich um acht Prozent sanken.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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