America's Cup
Die Schlammschlacht vor dem Auslaufen

Der Streit unter den Teilnehmern des America's Cup hat weiter an Intensität gewonnen: BMW-Oracle beschuldigt das diesjährige Siegerteam Alinghi nun sogar der Manipulation. Der Segelsport gerät angesichts der wenig sachlich geführten Debatte zusehends in den Hintergrund – und in Gefahr.

HB HAMBURG. Die Neuauflage des America’s Cup hat längst ihr Duell, lange bevor zum 33. Mal überhaupt sie Segel gehisst werden. Der Streit zwischen Cup-Verteidiger Alinghi, dem America's Cup-Management (ACM) und der Société Nautique de Gènève (SNG) auf der einen sowie dem Golden Gate Yacht Club (GGYC) und dem US-Team BMW Oracle Racing auf der anderen Seite hat am Wochenende eine neue Dimension erreicht. Nachdem die Amerikaner den Schweizern schon mit einer Klage vor dem Obersten Gerichtshof drohen, weil die Eidgenossen mit dem neu gegründeten spanischen Verein Club Nautico Español de Vela (CNEV) einen aus US-Sicht nicht regelkonformen Challenger of Record zum Verhandlungspartner auf Herausfordererseite gewählt haben, hat BMW Oracle-Sprecher Tom Ehman die Schweizer auch noch der Manipulation beschuldigt. Zusätzlich unterstellt er den Schweizern, das neue Reglement einseitig zu ihren Gunsten formuliert zu haben.

Ehman sagte in einer eidesstaatlichen Erklärung: „Ich habe gehört, dass die Société Nautique de Genève überlegt, als Cup-Verwalter zurückzutreten und den Cup nicht binnen drei Monaten einem anderen Schweizer Club zu übertragen.“ In einem solchen Szenario würde der Cup an den vorherigen Halter zurückgehen. Und das wäre das Team New Zealand.

Der Kommodore des an der angeblichen Verschwörung beteiligten Royal New Zealand Yacht Clubs wies die Anschuldigungen in einer ersten Stellungnahme gegenüber dem Segel-Blog „Rule69“ zurück. John Crawford sagte: „Ich bin überrascht. Da steckt kein Funke Wahrheit drin. Es gibt nur einen Weg, auf dem Neuseeland den Cup zurückholen will: auf dem Wasser.“

Ob die Boote jedoch wie geplant in zwei Jahren zu Wasser gehen, weiß derzeit niemand. Larry Ellison, US-Milliardär und Gründer des BMW-Oracle-Teams, hält die neuen vom Titelverteidiger Alinghi aufgestellten Regeln für unfair und illegal, vor allem weil Alinghi plant, in den beiden für kommendes Jahr geplanten Vorregatten (Acts) mitsegeln zu wollen. Zudem kritisiert auch der Oracle-Gründer, dass der Challenger of Record, das spanische Team Desafio Espanol, kein rechtmäßiger Herausforderer sei, da der Yachtclub, für den Desafio ins Rennen gehen will, gerade erst aus der Taufe gehoben worden sei – was den Regeln von 1857 widerspreche.

Die Spanier sahen sich indes heftigen Attacken der nationalen Presse ausgesetzt, die das Team als „Handlanger Alinghis“ bezeichnete. „Zweimal hat er es nicht geschafft, auf dem Wasser zu gewinnen“, wehrte sich der Alinghi-Boss Ernesto Bertarelli gegen Ellisons Vorwürfe. „Jetzt versucht er es vor Gericht. Das ist für mich eine sehr große Enttäuschung.“

Der 62-jährige Software-Tycoon zerrt seinen Schweizer Milliardärskollegen erst einmal vor den Obersten Gerichtshof in New York. Für den 10. September ist eine erste Anhörung vor US-Richter Herman Cahn angesetzt. Falls Larry Ellison den Streit gewinnt, weiß allerdings auch niemand, wie der Cup 2009 aussehen könnte.

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