America's Cup
Geld gegen Ruhm

Milliardäre finanzieren teure Segelteams, um im Gegenzug Ruhm und Aufmerksamkeit zu erlangen: Die 163 Jahre alte Regatta möchte ein Weltsportereignis werden, doch die Regeln sind für Außenstehende schwer zu verstehen.
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Vielleicht wird es ja nun doch mal wieder spannend im America's Cup. Denn ab Samstag treten Neuseeland und das italienische Luna Rossa-Team mit ihren gewaltigen, 22 Meter langen und 14 Meter breiten, AC72-Katamaranen in der Bucht vor San Francisco gegeneinander an. Der Sieger aus diesem Duell des Louis-Vuitton-Cup-Finales muss sieben Rennen gewinnen. Dann darf er ab dem 7. September den Titelverteidiger des America's Cup, das Oracle Team USA, herausfordern.

Die Herausforderer-Serie, in der mit den Neuseeländern, Italienern und den bereits ausgeschiedenen Schweden nur drei Teams angetreten waren, war mehr Farce denn Spektakel, das die Organisatoren in den vergangenen zwei Jahren versprochen hatten. Der tragische Tod des Olympiaseglers Andrew Simpson bei einem Trainingsunfall seines schwedischen Teams im Mai hatte zudem wieder eine Welle der Kritik an den raketenschnellen Riesen-Booten, die bis zu 80 Kilometer pro Stunde schnell segeln können, ausgelöst.

Die Katamarane seien zu zu unberechenbar, hieß es von vielen Seiten. Auch der deutsche Segler Jochen Schümann, der die Regatta mit den Schweizern von Alinghi 2003 und 2007 gewinnen konnte, kritisierte die Geschosse, die von einem riesigen Flügelsegel angetrieben werden. Der rund sechs Millionen Euro teure Katamaran der Schweden war bei dem Unfall schwer beschädigt worden, so dass das Team erst im Halbfinale gegen Luna Rossa wieder einsatzfähig war.

Dort aber war Artemis chancenlos. Auch in den direkten Duellen der Vorrunde im Juli zwischen Neuseeland und Italien war keine Spannung aufgekommen, denn die Kiwis waren dem Team des Prada-Eigners Patrizio Bertelli in allen Belangen überlegen. Man kann nur hoffen, dass Luna Rossa nun besser vorbereitet ist, um den Neuseeländern, die den America's Cup bereits zweimal gewinnen konnten (1995, 2000) die Stirn zu bieten.

Der America's Cup ist bekannt für seine komplexen, für Außenstehende schwer zu verstehende Regeln, für seine extreme Technisierung und Verwissenschaftlichung des Segelsports. Tatsächlich hat die Regatta die Grenzen des Segelns immer wieder neu ausgelotet und erweitert.

Die Regatta wurde bereits 2007 vor Valencia „die Formel 1 des Segelsports“ genannt. Damals aber hinkte dieses Bild, denn die Einrumpfboote waren zwar groß, aber im Vergleich zu den Kats nur so schnell wie Schnecken. Zudem waren sie äußerst flautenanfällig, was dazu führte, dass Fernsehübertragungen zur Geduldsprobe gerieten. Und das Match-Race-Format, in dem die Kontrahenten in einem abgesteckten Kurs gegeneinander segeln, ist eben nur von ausgebufften Segel-Fans zu verstehen, die ein Studium in Navigation absolviert haben.

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