America's Cup
Jahrmarkt der Eitelkeiten

Nach dem aufregenden Finale des America's Cup in diesem Jahr verärgert das Siegerteam Alinghi die Segelbranche derzeit mit einem „handzahmen“ Herausforderer und neuen Regeln für den America’s Cup 2009 – BMW Oracle will nun sogar vor Gericht ziehen. Der Rivale heuert derweil jedoch auch fleißig Verstärkungen an.

BERLIN. Drei Wochen nach dem dramatischen America´s Cup-Finale vor Valencia läuft die Super-Regatta gerade Gefahr, zu einer Art Super-Seifenoper zu verkommen. Ein heftiger Konflikt erschüttert den Cup-Zirkus. Larry Ellison (62), US-Milliardär und Gründer des BMW Oracle-Teams, hält die von Titelverteidiger Alinghi aufgestellten neuen Cup-Regeln für unfair und nicht rechtmäßig. Er will dagegen klagen.

Als Herausforderer hat sich Alinghi etwa das Team Desafio Español erwählt. Nach den Regeln von 1857, argumentiert Ellison, wäre das spanische Boot aber kein rechtmäßiger „challenger of record“, da der Yacht-Club, für den Desafio ins Rennen gehen will, gerade erst aus der Taufe gehoben worden sei. Ellison will Alinghi-Boss Ernesto Bertarelli jetzt vor den Obersten Gerichtshof in New York zerren und ein direktes Duell gegen den aktuellen Titelverteidiger aus der Schweiz erzwingen.

Auch von der internationalen Presse ist das neue Protokoll zwei Tage nach seiner Präsentation Anfang Juli heftig kritisiert und Desafio als „Alinghis Handlanger“ verspottet worden. In der Cup-Branche wird die Wahl ebenfalls mit Argwohn verfolgt. Der stille Vorwurf lautet: Alinghi habe sich mit den Spaniern ein handzahmes Team als Partner ausgesucht, um die neuen Regeln ohne großen Widerstand durchsetzen zu können. Dass der Gewinner die Regeln der Titelverteidigung zusammen mit dem „challenger“ festlegt ist Tradition.

Weiteres Motiv für den eskalierenden Streit ist Alinghis Ankündigung, eine neue Bootsklasse zu begründen, deren genaue Definition, so hieß es Anfang Juli, höchstselbst erarbeitet werden soll. „Alinghi hat den Cup jetzt schon gewonnen“, spottete damals schon Eberhard Magg vom deutschen Team „United Internet“.

Bertarelli hat sich mittlerweile zur Wehr gesetzt, erst in Form einer verbalen Keilerei mit Ellis. Zweimal habe dieser es nicht geschafft, auf dem Wasser zu gewinnen. „Jetzt versucht er es vor Gericht. Das ist für mich eine sehr große Enttäuschung.“

Mittlerweile klingen die Repliken auf die allerorten anschwellende Kritik versöhnlicher. Zwar verstünde er die Aufregung nicht ganz, aber er wolle den weiteren Herausforderer gern ein gewisses Mitspracherecht bei der Definition der neuen Klasse einräumen, so Bertarelli, deren Verkündung für den 31. Oktober geplant ist. Die neuen rund 27,5 Meter langen Boote können allerdings erst 2009 zum Einsatz kommen; die beiden für kommendes Jahr geplanten Vorregatten (Acts) werden in den alten Klasse-5-Booten gesegelt.

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