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Anschläge überschatten Jubel über Olympia-Vergabe

In London haben Anschläge am Donnerstagmorgen die Jubelfeiern nach der Vergabe der Olympischen Spiele 2012 in die britische Metropole abrupt beendet. Bei zahlreichen Explosionen in London gab es Todesopfer.

Die Jubelfeiern in London nach dem Sieg bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2012 sind nach den Anschlägen in der Innenstadt erstmal beendet. Keine 24 Stunden nach der Vergabe war die Euphorie dem blanken Entsetzen gewichen. Die Serie der Bombenanschläge auf U-Bahn-Stationen und Busse in der Innenstadt der Millionen-Metropole forderte Tote und Verletzte. Der öffentliche Nahverkehr und das Geschäftsleben brachen völlig zusammen.

Nicht nur Olympia war damit auf einen Schlag vergessen. "Die Sieges-Feierlichkeiten werden natürlich unterbrochen", sagte Keith Mills, der Chef der Londoner Olympiakampagne noch in Singapur. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, schickte sofort an den britischen Premierminister Tony Blair und Londons Bürgermeister Ken Livingstone eine Botschaft der "Sympathie und Unterstützung".

Keine Angst vor Anschlägen bei Olympia

Angst, dass während der Olympischen Spiele in der rund acht Millionen Einwohner großen Weltstadt erneut Terrorakte durchgeführt werden könnten, hat das IOC jedenfalls offiziell nicht: "Wir haben volles Vertrauen in die Londoner Behörden, dass sie die Sicherheit der Spiele gewährleisten können", erklärte IOC-Sprecherin Giselle Davies.

Tony Blair, der noch am Vortag noch euphorisch den Sieg über Paris gefeiert hatte, wandte sich am Mittag aus dem schottischen Gleneagles, wo die Regierungschefs der acht größten Wirtschaftsmächte zu ihrem G8-Gipfel zusammengekommen sind, mit einer Fernsehrede an seine Landsleute, bevor er nach London abreiste. "Was passiert ist, ist barbarisch", sagte Blair: "Es ist eindeutig, dass es einen Zusammenhang mit der Eröffnung des G8-Gipfels gibt."

Der 54-Jährige gilt neben Sebastian Coe als der entscheidende Mann für den doch recht unerwarteten Olympia-Erfolg Londons. "Dass der Premierminister in Singapur war, war absolut mitentscheidend", sagt Coe: "Die Gespräche mit ihm waren für einige IOC-Mitglieder sehr wichtig."

Gedämpfte Stimmung in Paris

Die französische Tageszeitung Le Figaro brachte die gedämpfte Stimmung in Paris entsprechend zum Ausdruck: "Die Qualität der Austragungsstätten war weniger bedeutend, als der politische Einfluss."

Das war den rund 10 000 Londonern am Mittwoch auf dem Trafalgar Square rund um das Denkmal von Admiral Nelson herzlich egal, wo sie ihren überraschenden Sieg feierten. "Der Platz war so dicht gefüllt, dass sich die Tauben einen anderen Ort suchen mussten", beschrieb die Times.

"Die Austragung der Spiele gibt unserer häufig zerbrechlichen nationalen Moral einen gewaltigen Schub", meinte The Guardian zur Olympia-Entscheidung. Die Zeitungen sehen die große Chance, warnen aber auch vor den Gefahren: "Es geht nicht nur darum, die neuen Sportstätten zu bauen und den Londoner Osten neu zu gestalten, es muss auch die veraltete Infrastruktur neu gestaltet werden."

Ironischerweise stand insbesondere die mehr als hundert Jahre alte U-Bahn mit im Fokus der Planungen für Olympia 2012. "Wie sollen wir sieben Mrd. Euro bezahlen, um alles fertig zu stellen?", meinte der Daily Telegraph: "Wenn die Euphorie verflogen ist, dann werden die Kopfschmerzen beginnen."

In Paris ist der Kater schon mit der Verkündung des Ergebnisses durch IOC-Präsident Rogge ausgebrochen. "London weiß, wie man Taktik vom aggressiven Marketing bis hin zur reinen Hetzerei anwendet. London verspricht der verarmten Jugend der Welt eine bessere Zukunft", kommentierte die L Equipe: "Sie haben die Grenze überschritten." Für die angesehene Sportzeitung hat sich mit dem erneuten Scheitern der Traum von Spielen in Paris erledigt: "Frankreich verabschiedet sich von Olympia."

© SID

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