Anti-Doping-Kontrollsystem
Leichtathleten hoffen auf saubere WM

Kurz vor der WM ist die Leichtathletik unter den Generalverdacht des Dopings geraten. Grund sind kürzlich aufgedeckte Mängel im weltweiten Kontrollsystem. Auch in Deutschland ist die Anti-Doping-Politik viel zu lax, wie der aktuelle Fall Matschiner zeigt. Jetzt schaltet sich die Politik ein, damit das Image der Leichtathletik nicht noch mehr leidet.

KÖLN. Ausgerechnet Brillen sollen den Blick verwehren. „Ich will das nicht sehen“, steht auf den „Schutzbrillen“ der Doping-Opfer-Hilfe. Wenn die Aktion gelingt, sitzen bei der am Samstag beginnenden Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin 25000 Zuschauer mit eingeschränkter Sicht auf den Rängen des Olympiastadions – die Brillen sind blickdicht. „Wir wollen darauf hinweisen, dass es ein Problem im Sport gibt“, sagt die Initiatorin und frühere Top-Sprinterin Ines Geipel.

Der Zeitpunkt ist gut gewählt: Ausgerechnet kurz vor der WM ist die Leichtathletik unter den Generalverdacht des Dopings geraten. Grund sind kürzlich aufgedeckte Mängel im weltweiten Kontrollsystem. „Der Anti-Doping-Kampf ist nicht erfolgreich“ , urteilt Helmut Digel, Marketingchef des Weltverbands IAAF.

Klar ist: Die IAAF hat in diesem Jahr in Afrika und Russland keine Blutkontrollen vorgenommen. Es fehlten die Labors, und es gebe Transportprobleme, so die Begründung. Und das ist nur eines von vielen Schlupflöchern für die Athleten, deren Manager sogar in offiziellen Doping-Analyselabors illegale Tests in Auftrag geben können. So berichtet es jedenfalls der österreichische Sportmanager Stefan Matschiner. Er selbst habe jahrelang Proben von seinen Schützlingen in Labors prüfen lassen, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) akkreditiert waren. So habe er die Dopingmittel perfekt einstellen können.

Die Methoden, das Kontrollsystem zu unterwandern, überraschen längst nicht jeden: „Das sind Sachverhalte, die sich seit acht Jahren nicht verändert haben“, sagt Digel. Spätestens seit dem Prozess gegen den wegen Minderjährigen-Dopings verurteilten einstigen Leichtathletik-Trainer Thomas Springstein im Jahr 2006 wisse man erheblich mehr. „Mit den Dokumenten aus dem Springstein-Prozess haben wir Einblicke bekommen, wie in der Leichtathletik manipuliert wird, und welche Rolle die Manager spielen“, sagt der Tübinger Sportsoziologe.

Auch der britische Sprinter Dwain Chambers hat mit seinen umfangreichen Geständnissen zur Aufklärung beigetragen. In Berlin ist er trotz seiner Doping-Vergangenheit wieder am Start. Wohl auch deshalb räumt Digel ein: „Seit der WM 1993 in Stuttgart hat sich bis heute nichts verändert.“ Damals hatte es bereits die Doping-Fälle der deutschen Sprinterinnen Katrin Krabbe, Grit Breuer und Silke Möller gegeben.

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