ARD-Dokumentation
Jeder siebte Leichtathlet ist offenbar gedopt

Doping im Leistungssport ist so präsent wie nie. Laut Medienberichten ist eine neue Datenbank aufgetaucht, wonach erschreckend viele Leichtathleten unnatürliche Blutwerte aufweisen. Die Anti-Doping-Agentur ist alarmiert.
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DüsseldorfHochbrisante Doping-Vorwürfe gegen den Leichtathletik-Weltverband haben Entsetzen und Empörung ausgelöst. Eine große Zahl von Blutproben mit verdächtigen Werten sollen von der IAAF geheim gehalten und nicht sanktioniert worden sein. Von Zuständen wie vor 20 Jahren im damals hochgradig Doping-verseuchten Radsport ist die Rede.

„Das ist sehr alarmierend. Wir sind verstört über das Ausmaß der wilden Anschuldigungen. Das Fundament eines jeden sauberen Athleten weltweit wird erneut erschüttert“, sagte Craig Reedie als Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur am Sonntag am Rande der 128. Session des Internationalen Olympischen Komitees in Kuala Lumpur. Gut drei Wochen vor der WM in Peking steht die Leichtathletik inmitten einer großen Glaubwürdigkeitskrise.

Die ARD und die „Sunday Times“ haben eine Liste mit 12 000 Bluttests von rund 5000 Läufern ausgewertet. Sie stammen nach ARD-Angaben aus der IAAF-Datenbank. Darunter sollen 800 Sportler - darunter nach Informationen des Anti-Doping-Experten Fritz Sörgel auch deutsche Athleten – mit dopingverdächtigen Werten sein, die von 2001 bis 2012 bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften in den Disziplinen von 800 Meter bis zum Marathon gestartet sind. Ein Großteil dieser Athleten, darunter angeblich 146 olympische Medaillengewinner und Weltmeister, sei dafür nicht belangt worden.

„Nur gegen ein Drittel von ihnen läuft ein Verfahren oder sie sind bereits gesperrt. Die restlichen zwei Drittel sind nie überführt worden“, hieß es in einer Mitteilung von ARD und WDR, die darüber in der Dokumentation „Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik“ berichteten. Namen von Athleten wurden nicht genannt.

„Ich habe niemals so alarmierende, unnormale Blutwerte gesehen“, sagte der australische Anti-Doping-Experte Robin Parisotto, der mit Michael Ashenden die Daten statistisch ausgewertet hat. „Es sieht so aus, als wären viele Athleten straflos davon gekommen.“

Nach ihren Angaben hat jeder dritte auf der Liste aufgeführte Athlet mit dopingverdächtigen Blutwerten eine Medaille gewonnen. Bei jedem sechsten Medaillengewinner sei sich mindestens einer der Wissenschaftler sogar so gut wie sicher, dass der Athlet im Laufe seiner Karriere gedopt hat.

Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel sieht es ähnlich. „Es überrascht doch niemanden, dass da so viele Leichtathleten verdächtige Werte haben, wenn man auch alle Werte aus der Zeit vor der Einführung des Blutpasses einbezieht. Die Daten sind von großer, fast historischer Bedeutung“, sagte Sörgel der dpa.

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„Die Vorwürfe sind natürlich frustrierend“

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