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Armstrong-Befunde offenbar nur der Anfang

Die Dopingdiskussion um Lance Armstrong könnte der Beginn eines großen Skandals sein. Laut eines Zeitungsberichts hat das Anti-Doping-Labor in Chatenay-Malabry positive Tour-de-France-Dopingproben in 52 Fällen bestätigt.

Die in der Sportzeitung L´Equipe erhobenen EPO-Dopingvorwürfe gegen den siebenmaligen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong scheinen nur der Anfang eines großen Doping-Skandals zu sein. Der französische Anti-Doping-Experte Jacques de Ceaurriz, der das französische Anti-Doping-Labor in Chatenay-Malabry leitet, bestätigte in einem Interview der Süddeutschen Zeitung (Freitag-Ausgabe) die Equipe-Angabe über die Anzahl der positiven Dopingproben bei der Tour 1999 und gab darüber hinaus weitere Befunde bekannt.

Über alle Untersuchungen wurde die Welt-Anti-Doping-Behörde Wada informiert. Armstrongs Vorwurf, dass das Pariser Labor gegen die Bestimmungen der Geheimhaltung von Namen verstoßen habe, wies er zurück.

Positive Proben auch 1998

"Es gab diese zwölf positiven Proben von 1999. Doch die veröffentlichen Proben sind nur ein Teil der wissenschaftlichen Informationen, die wir an die Wada weitergeben haben. Es gibt auch positive Proben aus dem Jahr 1998", sagte de Ceaurriz, der weiter ausführte: "Von 1999 haben wir etwa 80 Proben untersucht, davon waren zwölf positiv. Von 1998 wurden rund 70 Proben untersucht, davon waren 40 positiv. Das bedeutet nicht, dass 40 verschiedene Fahrer gedopt waren. Es kann auch nur einen kleinen Teil des Fahrerfeldes betreffen".

Der Franzose betont, dass in seinem Labor die Proben anonym untersucht wurden, bezweifelt die L´Equipe-Informationen hinsichtlich Armstrong aber nicht: "Ich denke, man kann ihnen absolut vertrauen. Sie haben alles getan, um Beweise zu erbringen".

De Ceaurriz verweist bei allen Positivproben auf sichere Spuren von körperfremden EPO und die Möglichkeit zweifelsfreier DNA-Analysen. Die alten Proben seien aufgrund neuer Testmethoden noch einmal hervorgeholt und in Zusammenarbeit mit der Wada erneut analysiert worden.

Doping-Kriterien müssten geändert werden

"Die Wada wollte wissen, ob die Sportler ihre Dopingmethoden in den vergangenen Jahren verändert haben. Sie vermutete auch, dass die Fahrer im Training stärkere Dosen nehmen und diese dann im Rennen nur noch auffrischen. Wir sollten herausfinden, ob diese geringen Dosen während des Rennens noch zu entdecken sind. Die Überlegung, die dahinter steckt, ist die: Wenn die Dosen während des Rennens wirklich so gering sind, muss man dann nicht die Kriterien, ab wann ein Fahrer gedopt ist, verändern", sagte der 56-Jährige.

Der Mediziner wünscht sich nicht, wie bislang üblich, punktuelle, sondern im größerem juristischen Rahmen abschreckende Strafen. Urinproben seien zur Beweisführung jedenfalls noch in ausreichendem Maße vorhanden. Rechtliche Schritte von Seiten Armstrongs, die der Texaner am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Washington angedroht hatte, fürchtet de Ceaurriz nicht: "Ein eindeutiger Fall mit klaren Fakten. Wir haben Informationen an die Behörden weitergeben, nicht an die Presse. Das Labor hat die Anonymität der Proben respektiert. Wir haben niemals die Kontrollprotokolle mit Namen versehen".

© SID

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