Armstrongs Doping-Beichte
„Ich verdiene nicht die Todesstrafe“

Auch im zweiten Teil des Interviews mit Oprah Winfrey hat Lance Armstrong keine Details über sein Doping-System verraten. Der gefallene Rad-Star bekam dafür viel Zeit für Selbstmitleid – und Gedanken über ein Comeback.
  • 13

WashingtonNimmt man einem Mann, der 20 Jahre lang gelogen und betrogen hat, noch öffentliche Tränen ab? Die Talkmasterin Oprah Winfrey jedenfalls blieb ungerührt, als Lance Armstrong mitten im Interview ins Stocken geriet und wässrige Augen bekam. Es war der Moment, als sie den einstigen Rad-Star aufforderte, von seinem ältesten Sohn Luke zu erzählen.

Er habe beobachtet, wie ihn der Teenager gegen die öffentlichen Doping-Vorwürfe in Schutz nahm, sagte Armstrong. Das sei der Moment gewesen, in dem er dem Jungen reinen Wein einschenken musste. „Ich sagte zu ihm, bitte verteidige mich nicht mehr“, erinnerte sich der Texaner. Luke habe darauf hin nur geantwortet: „Es ist okay“.

Der zweite Teil des großen Beicht-Gesprächs zwischen dem tief gefallenen Doping-Sünder und der Talk-Queen am Freitagabend verlief emotionaler als der erste am Tag davor. Neue Erkenntnisse über das ausgeklügelte Betrugssystem Armstrongs bei dessen sieben Tour-de-France-Siegen, über Hintermänner oder die Rolle des Radsportverbands UCI gab es allerdings auch dieses Mal nicht.

Ebenso bestritt er, der US-Anti-Doping-Behörde USADA über einen Mittelsmann eine Spende angeboten zu haben, was Behördenchef Travis Tygart behauptet hatte. Armstrong blieb dabei: Er sei bei seiner Rückkehr zur Tour de France 2009 clean gewesen. Sein Doping-System war nicht ausgeklügelt. Er habe verbotene Substanzen nur eingenommen, weil es alle taten, damit gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen. Und niemals habe er Kollegen zum dopen gezwungen.

Stattdessen bekam der 41-Jährige eine Stunde lang Zeit, sich abermals reumütig und zerknirscht zu zeigen. „Ich kann diesen Kerl nicht leiden“, sagte er an einer Stelle über sich selbst, als ihm Oprah per Einspielfilm seine eigenen Lügen vor Augen führte. „Ich schäme mich“. Wenig später dann wiederholte er einen Satz aus dem ersten Teil: „Ich schulde einer Menge Leuten eine Entschuldigung, und ich werde sie darum bitten, wann immer sie dazu bereit sind“.

Seite 1:

„Ich verdiene nicht die Todesstrafe“

Seite 2:

Fast aufreizendes Selbstmitleid

Kommentare zu " Armstrongs Doping-Beichte: „Ich verdiene nicht die Todesstrafe“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Doch, es ist so einfach. Die Strecke war schon immer so schwer, wie es die Rennfahrer machen. Doping wird nicht dadurch verhindert, dass die Strecken kürzer sind, weniger Berge haben etc. Wenn die Strecken leichter sind, wird eben schneller gefahren. Es gibt keine "mörderischen" !!! Streckenprofile bei den Veranstaltungen. Dann wird eben langsamer gefahren. Das Problem Doping lässt sich nicht beim Rennfahrer lösen sondern beim Zulieferer. Bestraft werden müssen die Ärzte, Apotheker, Teammanager etc. Dort findet man die "wahren" Schuldigen.

  • Kinder die /Nutti nicht will verdienen allerdings die Todesstrafe. Würden wir Embryonen oder Föten ein Wahlrecht einräumen ...

    ... könnten wir bei Zwillingen den Schwächeren ausseleketieren zugunsten des an dessen anteiligen Resourcen "schmarotzenden" weil Behinderte kein Wahlrecht haben.

    ~~~

    Abgesehen davon: Nicht die Kinderwunschindustrie ist der Vater sondern die Biologie. Statt per Adoptionen den fehlenden "Kidnersegen" dadruch zu erstezen da man biologischen Eltern die Kinder abnimmt damit die Kirche Recht behält sollte man eher umgekhert überlegen Ehen ganz zu verbieten da kein Mensch einem anderen Menschen "gehört" und eine Ehe schlußendlich "freiwillig gewählte sexuelle Leibeigenschaft" darstellt.

    Ich erinnere an den auf Menschenzuchtversuche (untereinander heiraten im europäischen Adel) der kirche anspielende Züchtung einer Superrasse in 'die purpurnen Flüsse'"! Nicht die Nazis sondern der klerikal legitimierte Adel.

  • Erinnert mich ein wenig an Jan Ullrich vom Team Telekom.

    Wenn Frauen sich männliche Hormone spritzen, dürfen Sie dann bei den Jungs mitfahren? Der schnellste Radrennfahrer ist schneller als die schnellste Sprinterin! (Unendlich wird des miesters Karft wenn er mit Verlängriung schafft).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%