Armstrongs Doping-Beichte: Nur die halbe Wahrheit

Armstrongs Doping-Beichte
Nur die halbe Wahrheit

Ein Superheld im Beichtstuhl: Lance Armstrong hat im TV-Interview mit Oprah Winfrey zugegeben, über Jahre gedopt und betrogen zu haben. Der Ex-Radprofi zeigte sich reumütig – doch wenn es konkret wurde, wich er aus.
  • 13

WashingtonEs waren ein paar sehr, sehr lange Minuten vergangen, bis sich Lance Armstrong zum ersten Mal ein bisschen entspannte. „Sind wir jetzt durch mit den Ja-Nein-Fragen?“, sagte er mit einem gequälten Lächeln. „Ja“, entgegnete die beruhigende Stimme von seiner Linken, die Talkmasterin Oprah Winfrey.

Auf das, was der gefallene Radsport-Star da zuvor in Ein-Wort-Antworten zu Protokoll gegeben hatte, hatte die ganze Welt gewartet: Haben Sie bei sämtlichen Siegen bei der Tour der France verbotene Substanzen eingenommen? „Ja“. Blutdoping? „Ja“. EPO? „Ja“. Andere Substanzen? „Ja“. Wären sieben Siege in Folge ohne Doping überhaupt möglich gewesen? „Nein“.

Da war es also, das Geständnis, über Jahre gedopt und betrogen zu haben, aus Armstrongs eigenem Munde. Der Held, der sonst so arrogant und selbstsicher auftat, fand sich in dem mit Spannung erwarteten Interview in einem Beichtstuhl wieder. „Es war eine große Lüge, die ich viele Male wiederholt habe“, sagte er an einer Stelle. „Wahrscheinlich ist es für die meisten Leute zu spät, das ist mein Fehler“, an einer anderen. „Es tut mir leid.“

Der 41-Jährige, im blauen Anzug, sprach ruhig und zögerlich. Er hatte die Hände gefaltet, biss sich immer wieder auf die Lippen und kratzte sich am Kopf. Entweder ist er ein exzellenter Schauspieler, oder Talkshow-Veteranin Oprah bereitete ihm wirklich unangenehme 90 Minuten.

Der einstige Superheld gab im ersten von zwei Teilen des Gesprächs, das am Donnerstagabend US-Zeit auf Oprahs Fernsehkanal OWN ausgestrahlt wurde, so einiges zu und zeigte sich reumütig. Grund für den Schlamassel sei seine Charakterschwäche: „Der skrupellose Wunsch zu siegen“. Das sei in jener Zeit entstanden, als er gegen den Krebs kämpfte. Ob er bei seinen Siegen jemals gedacht hatte, er tue etwas Falsches? „Nein. Erschreckend“. Hat er sich, jubelnd in Paris, wie ein Betrüger gefühlt? „Nein. Am erschreckendsten”.

Kommentare zu " Armstrongs Doping-Beichte: Nur die halbe Wahrheit"

Alle Kommentare
  • Es wäre doch gut, allen, die bescheissen, eine Plattform zu geben. Gier, Macht und Geld, immer der/ die Beste sein zu wollen, einmal offen zu präsentieren. Armstrong hat dem Radsport geschadet, und seine Arroganz ist unbestritten. Gerne wollte ich die eigentlichen Täter auf der Plattform sehen. Nicht nur vom Sport. Da gibt´s tausende von Leuten, Investoren, Oligarchen, Bänker,Politiker usw, usw.... die uns massenhaft bescheissen und dies tut ordentlich weh, denn da trifft's den Normalbürger, dem sang und klanglos das Geld aus der Tasche gezogen wird. Armstrong ist ein "kleines" Aushängeschild unserer korrupten, lieblosen Welt.
    Kalima

  • Der coolste Doper überhaupt war für mich Floyd Landis, der sich, nachdem er in der Alpenetappe eingebrochen war, so mit dem Zeug vollgepumpt hat, dass er tags drauf alles in Grund und Boden gefahren hat.
    Mir schien, als wollte er damals dem allerletzten Sesselpupser klar machen: "Seht her, SO läuft das hier bei der TdF!"
    Man hat ihn zwar erwischt, aber sei's drum: Bildungsauftrag erfüllt, setzen: 1.

  • interessiert das einen? nur PR

  • Ich kann es nicht nachvollziehen, warum man eigentlich einem Straftaeter eine so grosse Plattform bietet. Als Anreiz fuer andere es auch so zu machen?

  • Stellvertretend für die krankhafte Sucht nach Ruhm. Stellvertretend für einen ganz bestimmten Menschenschlag, derjenigen, der über alle Leichen geht ohne mit der Wimper zu zucken, alles und jedem in´s Gesicht lügt - ohne zu zögern jeden Tag von neuem sein ganzes Umfeld, seine Kollegen, seine Fans, seine Mitbewerber, die ganze Welt belügt und betrügt, nur um seine eigene Eitelkeit zu befriedigen. Einfach nur ekelhaft, einfach nur verachtenswert und krank

  • Das Doping alleine hat ihn sicher nicht besser/schneller gemacht! Er war ein Super Talent. Doping ist u.a. dafür da, um die höllischen Schmerzen "zu vergessen". Die Organisatoren der grossen Rundfahren, Tour de France insbesondere, wollen spektakuläre Strecken um genügend Zuschauer anzulocken und das auf Kosten der Sportler, egal wie sie nun heissen. Auch unsere Gesellschaft ist daran nicht ganz unschuldig. WER will den heutzutage noch eine Radprofi sehen, der evtl. mit "nur 25 km/h sich einen Alpenpaß hochquält? NEIN, so ein Radprofi muss mindestens mit 42 km/h den Paß rauf! Wie vorstehend schon erwähnt, SPortler sind Produkte unserer heutigen ZHeit .... immer höher, immer weiter, immer schneller - ansonsten würden ja die Sponsoren abspringen, die TV Kameras die Wettkäpfe nicht mehr übertragen!

  • ...und am samstag liegen sie sich am ende des zweiten teiles bestimmt heulend in den armen und haben sich wieder lieb, die show ist genauso ein fake wie der radsport.

  • Seit wann ist der Sportkonsument verantwortlich dafür? Was ist falsch sich für ein Sportereignis zu begeistern? Als Zuschauer erwartet man, daß die Profisportler sich fair und ehrenhaft verhalten, was hier nicht zu sehen war.

  • Lance Armstrong? Wer ist das? Wen interessiert das?

    Die mafiösen Strukturen der Sportfunktionäre sind doch das wahre Übel!

  • Verantwortlich ist immer der betreffende Mensch selbst. Er hat immer die Wahl sich für oder gegen eine Sache zu entscheiden.

Serviceangebote