Auch Adidas erwägt Abschied
Konzerne wenden sich vom Radsport ab

Der Tour de France drohen die Sponsoren davon zu laufen. Nach den neuerlichen Doping und Manipulationsvorwürfen erwägen immer mehr Geldgeber einen Abschied vom „härtesten Radrennen der Welt“. Neben der Telekom ziehen nun auch zwei große Automobilkonzerne den Rückzug von der Tour in Betracht.

HB BERLIN/PRAG. Nach dem neuen Doping-Verdacht bei der Tour de France geraten das populärste Radrennen der Welt und das T-Mobile-Team bei ihren Geldgebern unter Druck. Der Autokonzern Skoda, ein Hauptsponsor der Tour, schloss am Freitag nicht aus, im nächsten Jahr den Geldhahn zuzudrehen. Ob der Sponsoringvertrag für 2008 verlängert werde, solle nach einer Auswertung des Engagements der vergangenen vier Jahre entschieden werden, sagte ein Sprecher in Prag. Sponsoren des T-Mobile-Teams kündigten schon den Rückzug an. „Wir prüfen sehr ernsthaft einen Ausstieg aus unseren Sponsoring-Aktivitäten im Radsport“, sagte ein Sprecher des Sportartikelherstellers Adidas. Eine Entscheidung dazu solle in Kürze fallen.

Audi prüft angesichts des Doping-Verdachts beim T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz ebenfalls einen Rückzug. Die Telekom hielt sich dagegen weiter bedeckt. „Nach dem Ende der Tour wird das Thema behandelt“, sagte ein Sprecher. Unterdessen erntete der Privatsender Sat.1 harsche Kritik für den Entschluss, die Übertragung der Tour de France nach dem Boykott durch ARD und ZDF zu übernehmen.

Nach Angaben von Skoda Deutschland wird nach dem Ende der Tour de France, die bis zum 29. Juli andauert, über die künftige Rolle des Autokonzerns als einer der vier offiziellen Partner entschieden. „Wir wollen bedacht und überlegt vorgehen“, sagte Nikolaus Reichert, Sprecher von Skoda Deutschland, dem „Tagesspiegel“ (Samstagausgabe). Ein Ausstieg von Adidas aus dem Radsport würde neben dem T-Mobile-Profiteam auch den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und den französischen Radsportverband treffen.

Der unter Dopingverdacht stehende Sinkewitz beantragte eine Gegenanalyse zur positiv ausgefallenen A-Probe. Wann die B-Probe geöffnet werden solle, werde am Dienstag entschieden, kündigte ein BDR-Sprecher an. Nach dem Ergebnis der A-Probe war Sinkewitz vom Rennstall suspendiert worden. Bei einer Bestätigung des Befundes durch die B-Probe werde sich T-Mobile von Sinkewitz trennen, hatte Teamchef Bob Stapleton angekündigt.

Für die Sponsoren ist das Ergebnis nach Angaben aus Branchenkreisen unerheblich, weil der Radsport insgesamt durch immer neue Doping-Verdachtsfälle zunehmend in Verruf geraten ist. Adidas sponsort den T-Mobile-Rennstall demnach mit rund einer halben Million Euro pro Jahr und stellt damit einen einstelligen Bruchteil des Gesamtetats des Profiteams.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble stellte die Rad-Weltmeisterschaft in Frage, die Ende September in Stuttgart starten soll. Die WM könne nur dann stattfinden, wenn klare, schriftliche Vereinbarungen über Art, Umfang und Intensität der Doping-Kontrollen getroffen würden, sagte der CDU-Politiker der „Super Illu“. „Wenn diese Vereinbarungen eingehalten werden, kann die Weltmeisterschaft stattfinden - wenn nicht, dann muss die Veranstaltung notfalls eben ausfallen.“ Die Veranstalter und Sportler hätten es jetzt in der Hand.

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