Auf der Suche nach internationalem Anschluss
Golf Team Germany braucht die Wirtschaft

Viel versprechende Nachwuchsspieler sind durch einen zu kleinen Etat im internationalen Vergleich stark gehandikapt: Es fehlen Sponsoren.

HB ZYPERN. Der Volkssport Golf boomt hierzulande seit Jahren. Doch dem professionellen Nachwuchs fehlt erstaunlicherweise das Geld, um von der nationalen an die internationale Spitze zu kommen. Die viel versprechenden Jung-Stars, an denen es nicht mangelt, suchen dringend Sponsoren, um angemessene Trainingsmöglichkeiten finanzieren zu können.

Martin Hasenbein setzt auf eine stufenweise Aufwärtsentwicklung der Talente. Der Ausbildungskoordinator des "Golf Team Germany", in dem etwa zehn Nachwuchsprofis zusammen gefasst sind, unterscheidet zwischen nationaler Spitze, internationaler Klasse, Weltspitze und absoluter Weltspitze - die wird bislang nur durch die "unfassbaren" Erfolge eines Bernhard Langer repräsentiert. Von einer professionellen Golfszene in Deutschland habe man bis vor wenigen Jahren nicht sprechen können, sagt Hasenbein im Gespräch mit dem Handelsblatt während des Winter-Trainingslagers auf Zypern.

Immerhin sei das Golf Team Germany, das gemeinsam vom Deutschen Golf Verband (DGV; Amateure) und der Professional Golfers Association of Germany (PGA; Berufsspieler) finanziert wird, ein Fortschritt in die richtige Richtung. Denn jetzt werde endlich der Übergang vom Amateur zum Profi gefördert. Doch Hasenbein macht keinen Hehl daraus, dass das Budget bei weitem nicht ausreicht: "Ich bin froh, dass uns wenigsten ein paar Kooperationspartner wie Hotelketten, Golfplatzbetreiber und Airlines unterstützen, sonst liefe hier gar nichts."

Der Cheftrainer kann seine Enttäuschung kaum verbergen, dass sich alle über das Wachstum der Plätze, der Vereine und ihrer Mitgliederzahlen freuen sowie immer größere Beträge für Firmenturniere ausgegeben werden, der "echte Sport" in der Club-Gemeinschaft aber noch nicht angekommen ist. Das beginne schon bei der Jugendarbeit, die meist nicht ausreichend strukturiert und zielführend sei.

Mehr Sponsoren für die Spitze sind nach Überzeugung von Hasenbein aber dringend nötig, um international Anschluss zu finden: "Sportlich liegen wir zur Zeit nur im hinteren Drittel in Europa." Sein Ziel: In vier bis fünf Jahren etwa 20 bis 25 deutsche Spieler auf der "Challenge Tour" zu etablieren - gegenwärtig sind es acht heimische Pros. Die Challenge Tour ist praktisch die zweite Liga in Europa, "das Haifischbecken der aufstrebenden Profis", wie Hasenbein sagt. Danach könnte es gelingen, dass sich vielleicht zehn Spieler bis zur Spitze entwickeln, der "European Tour".

Seinen Appell an die sportlich engagierten Unternehmen verbindet der Chefausbilder mit der Mahnung: "Alle wollen Golf, aber wenn wir es nicht schaffen, die Wirtschaft als Partner zu gewinnen, wird sich für den professionellen Sport an seiner Position in Europa mittel- bis langfristig nichts ändern." Deutschlands Golf-Profis haben übrigens noch keinen Namenssponsor. Man kann sich leicht ausrechnen, dass sich der Ausblick für das Golf Team Germany deutlich aufhellen würde, wenn sich für diesen Kader der 20- bis 27-jährigen Hoffnungsträger ein entsprechender Kooperationspartner fände.

Zu diesen Jung-Profis gehören Wolfgang Huget, Christian Reimbold und Betty Hauert, die geradezu traurig aussehen, wenn sie ihre Situation mit der ausländischer Konkurrenten vergleichen: Bei unseren Nachbarn steht die Wirtschaft hinter den Nachwuchs-Spitzengolfern, betonen alle drei unisono. "Um jeden Pro herum müsste eigentlich ein richtiges Team aus Betreuern gebildet werden", sagt Hauert. "Wer sich auf der Challenge durchsetzen will, muss viel und weit reisen", erklärt Reimbold - er startet in Kürze eine Tour in Mittel- und Südamerika und ist danach in Europa und Afrika. Um welche Summen es geht, beschreibt Huget: "Meine Betriebskosten auf der Challenge von jährlich rund 90 000 Euro sind trotz aller Erfolge in den vergangenen Jahren zu weniger als der Hälfte durch Preisgelder gedeckt worden."

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