Aufbauarbeit der vergangenen Jahre könnte umsonst gewesen sein
Gewagter Törn

Der America's Cup soll Formel 1 und Olympischen Spielen Konkurrenz machen. Doch dem Segelspektakel droht das Schicksal der Eintagsfliege.
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Neulich waren Bernie Ecclestone und Flavio Briatore nebenan zu Besuch. Der König der Formel 1 und der Chef des Renault-Rennstalls schauten sich im spanischen Valencia beim Schweizer Segelteam Alinghi um. Alinghi repräsentiert im Rennsegeln derzeit das, was Renault in der Formel 1 ist: das Maß aller Dinge. Die Franzosen sind die amtierenden Weltmeister der Benzin-Boliden, die Eidgenossen die Nummer eins in der Welt der Spinnaker und Winschen: Alinghi verteidigt gerade die älteste Sporttrophäe der Welt, den America's Cup, den Heiligen Gral des Segelsports.

Ecclestone sah sich alles sehr genau an, an der Mittelmeerküste. Vom Besucherbalkon der Alinghi-Basis hatte er einen guten Blick auf die 30 Meter hohen Masten der beiden schlanken High-Tech-Yachten und den Halbkreis des Hafenbeckens, den Port America's Cup. Hier haben auch die elf Herausforderer der Schweizer ihre Basislager aufgeschlagen. Ecclestone gefiel's: "Das ist das erste Mal, dass ich mit dem America's Cup in Berührung komme - und ich bin sehr beeindruckt", lobte der grauhaarige Brite, "dies alles ist auf ähnlich hohem Niveau wie die Formel 1."

Michel Bonnefous, dessen Büro sich in einem flachen Zweckbau neben dem Alinghi-Komplex duckt, hörte das gern. Denn der Schweizer ist der Bühnenbildner des Cups. Der 41-Jährige ist Chef des Unternehmens America's Cup Management (ACM), und er hat alle Hände voll zu tun, den 155 Jahre alten Wettbewerb zu entstauben und zu einem modernen Sportereignis zu machen.

Bonnefous will den America's Cup in eine Liga mit Formel 1, Tour de France, vielleicht gar den Olympischen Spielen und der Fußballweltmeisterschaft hieven. Aus dem einstigen nassen Milliongrab soll ein lohnendes Investment werden - möglichst für alle Beteiligten. Doch die Zeit drängt, und alles hängt an Alinghi. Verliert der Titelverteidiger den Pokal und gelingt es Bonnefous nicht, ACM und sich selbst bis zum Finale im Sommer 2007 für alle Teams unverzichtbar zu machen, wird nichts aus dem erhofften Coup mit dem Cup.

Jahrzehntelang war der America's Cup nur etwas für einen kleinen Kreis Interessierter. Die Wettfahrten über die Meere galten als versnobbter Sport der Milliardäre. Die restliche Welt nahm allenfalls staunend zur Kenntnis, wie viel Geld da draußen auf dem Ozean versenkt wurde.

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