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Ausbildungsentschädigung im DFB verfassungswidrig

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat im Streit um die Ausbildungsentschädigungen für „Nicht-Amateure ohne Lizenz“ erneut eine schwere Schlappe hinnehmen müssen.

dpa OLDENBURG. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat im Streit um die Ausbildungsentschädigungen für "Nicht-Amateure ohne Lizenz" erneut eine schwere Schlappe hinnehmen müssen.

Die Spielordnung des DFB verstoße gegen das Grundgesetz, urteilte das Oberlandesgericht Oldenburg (OLG). Sie schränke die Freiheit der Berufswahl ungerechtfertigt ein. Damit kippte das OLG als letzte Instanz eine bereits geänderte Wechsel-Bestimmung des DFB für Spieler bis zum Alter von 23 Jahren.

Nach diesem Urteil müssen Bundesligisten und Vereine aus dem Semi-Profi-Bereich kein Geld an den abgebenden Club zahlen, wenn sie einen Amateurspieler unter Vertrag nehmen. Den kleinen Clubs geht damit eine Einnahmequelle verloren. Andererseits sparen Regional- oder Oberligisten Geld, wenn sie junge Spieler von Bundesligisten verpflichten, die den Sprung in den Profibereich nicht geschafft haben. In einem solchen Fall würde es sich um eine Summe von etwa 10 000 Euro handeln.

Der DFB bedauerte die Entscheidung des OLG und bezeichnete sie als falsch. Die für verfassungswidrig erklärte Bestimmung sollte die Ausbildung junger Spieler fördern und belohnen, argumentiert der Verband. "Sie hatte einen Interessenausgleich zwischen abgebendem und aufnehmendem Verein sowie dem Spieler zum Inhalt", kommentierte DFB - Chefjustiziar Goetz Eilers: "Umso enttäuschender ist das Urteil."

Stefan Schneider vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) sagte: "Die kleinen Vereine trifft diese Entscheidung hart. Ihnen wird dadurch ein wichtiger Anreiz zur Nachwuchsarbeit entzogen werden." Laut Schneider hat das System bislang sehr gut funktioniert. Bei den meisten Wechseln gehe es um Summen zwischen 1 500 und 4 000 Euro. Die höchste mögliche Summe beträgt 17 500 Euro.

Jochen Schneider, Manager des Bundesligisten VfB Stuttgart, sagte: "Ich halte das Urteil grundsätzlich für falsch. Schließlich wurde durch diese Regelung sichergestellt, dass der ausbildende Verein für seinen Aufwand entschädigt wird." Die bisherige Regelung sei aber "ein zweischneidiges Schwert".

Das OLG bezeichnete das Urteil als rechtskräftig und hat eine Revision nicht zugelassen. Dagegen will der DFB nun Beschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) einlegen. Er hat dafür einen Monat Zeit. Nach Angaben einer OLG-Sprecherin hat dies wegen des geringen Streitwertes keinerlei Erfolgsaussicht.

Mit dem Urteil bestätigte das OLG die Rechtsprechung des Landgerichtes Oldenburg und beendet die Auseinandersetzung zwischen den Amateurvereinen VfB Oldenburg und SV Wilhelmshaven. Die Oldenburger hatten auf Zahlung einer Entschädigung in Höhe von knapp 8 000 Euro für fünf Jugendspieler geklagt, die zum Oberligisten Wilhelmshaven gewechselt waren. In dem Verfahren ging es um die Spielordnung des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV), die wortgleich mit der des DFB ist. DFB und NFV hatten den VfB Oldenburg juristisch unterstützt.

In den Spielordnungen ist geregelt, dass ein Verein, der einen Fußballer als "Nicht-Amateur ohne Lizenz" unter Vertrag nimmt, jenen Clubs Ausbildungsentschädigung zu zahlen hat, bei denen der Amateur in den letzten fünf Jahren vor dem Wechsel gespielt hat. Die vom DFB nach einem BGH-Urteil von 1999 vorgenommenen Änderungen reichen nicht aus. Statt einer Pauschale von damals 25 000 Mark werden derzeit Entschädigungen fällig, die sich nach Spielklassen und Länge der Vereinszugehörigkeit staffeln.

Zwar habe sich der DFB erkennbar bemüht, den Vorgaben des BGH aus dem Jahre 1999 zu genügen, schrieb das OLG. Es bestünden jedoch grundsätzliche Bedenken gegen Ausbildungsentschädigungen, weil nur jene Vereine profitieren, denen es zufällig gelinge, Spieler bis in den Semi-Profi-Bereich zu bringen. Die Jugendarbeit aller anderen Vereine bleibe ungefördert.

Rechtsanwalt Jürgen Scholz, der Wilhelmshaven vor Gericht vertreten hatte, befürwortet eine Pool-Lösung. Nach Scholz' Meinung sollen Vereine mit guter Nachwuchsarbeit Geld aus einem Topf der Bundesligisten erhalten.

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