Auslauf-Modell Doppelspitze - Beckenbauer haut auf den Tisch
Der Kaiser sagt Nein zur Doppelspitze

Franz Beckenbauer hat die Einrichtung von zwei DFB - Präsidenten als Fehlentscheidung eingestuft und damit ein Beben im deutschen Fußball ausgelöst. "Wir haben festgestellt, dass die Doppelfunktion an der DFB-Spitze nicht funktioniert", erklärte der Chef der WM-Organisationskomitees am Dienstag in Berlin. "Es kann nicht funktionieren, man vergeudet viel zu viel Kraft", erklärte er.

HB BERLIN. Die tief greifenden Differenzen im Präsidium waren in Verbindung mit dem Schiedsrichterskandal ausgebrochen. In einem Kompromissmodell bis nach der WM 2006 regieren Gerhard Mayer-Vorfelder als Präsident und Theo Zwanziger als geschäftsführender Präsident seit Oktober 2004 gemeinsam.

Zwanziger will eine weitere Eskalation des Konflikts verhindern. Der Geschäftsführende Präsident will zumindest alles dafür tun, "dass die Doppelspitze bis zur WM 2006 hält", erklärte er in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstag). Allerdings forderte Zwanziger bei seinem Kollegen eine klare Aufgabenteilung ein: "Ich wünsche mir, dass Mayer-Vorfelder akzeptiert, dass das operative Geschäft von mir und einem schnell erreichbaren Gremium gemacht werden muss."

Die große Fraktion der Amateur-Vertreter im DFB wollten Mayer- Vorfelder schon im vergangenen Herbst stürzen, doch stattdessen wurde ein Kompromiss mit dem inzwischen 71 Jahre alte Ex-Politiker geschlossen. Mayer-Vorfelder hat seinen oft kritisierten Führungsstil auch nach der Machtteilung mit Zwanziger verteidigt. Auch am Dienstagabend ging der Ex-Politiker in die Offensive: "Ich habe mit Franz Beckenbauer telefoniert. Er hat mir noch einmal bestätigt, dass er zwar die Institution Doppelspitze kritisiert hat, aber keinerlei Kritik an einzelnen Personen geübt hat", sagte Mayer-Vorfelder.

In der neu installierten DFB-Task Force zur Aufarbeitung des Wett- Skandals fand Mayer-Vorfelder keinen Platz mehr, was zu einer lautstarken Auseinandersetzung geführt haben soll. "Die beste Sacharbeit nützt nichts, wenn die interne Kommunikation nicht stimmt. Wir müssen handlungsfähiger werden, um bei der Brisanz innerhalb von einer Stunde Entscheidungen zu treffen", betonte Zwanziger.

Der geschäftsführende Chef hatte Pannen im "Fall Hoyzer" eingeräumt und am Dienstag auf der offiziellen DFB-Homepage (www.dfb.de) nochmals hervorgehoben, "dass es im Januar einige Missverständnisse in unserer Darstellung von Vorgängen mit dem Wettanbieter Oddset gab". Den Namen der zweiten Doppelspitze nannte der Jurist zwar nicht. Aber vor allem Kritik von Mayer-Vorfelder hatte den WM-Sponsor Oddset, der schon im vergangenen Sommer auf Unregelmäßigkeiten bei den Spielen von Schiedsrichter Robert Hoyzer aufmerksam gemacht hatte, verärgert.

"Ohne dass ich ihn entmachten will, MV muss auch mal loslassen können", sagte Zwanziger. Für eine frühzeitige Absetzung von Mayer- Vorfelder, der nach bisherigen Plänen nach der Weltmeisterschaft im eigenen Land seinen Platz für einen alleinigen Präsidenten Zwanziger räumen wird, gebe es ohnehin nur zwei Möglichkeiten. Offen ist, welche Auswirkungen Beckenbauers Attacke auf die DFB-Formation haben wird. Der OK-Chef macht Druck: Wenn vor der WM nach der unglücklichen Bundestrainerfindung und dem Wettskandal noch eine gravierender Fall hinzu käme, "dann können wir zusperren".

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