Ausrüster bei Handball-EM: Uhlsports spielendes Venture-Kapital

Ausrüster bei Handball-EM
Uhlsports spielendes Venture-Kapital

Deutschland steht bei der Handball-EM im Finale. Schon jetzt ein Riesenerfolg – auch für Ausrüster Uhlsport. Der schwäbische Mittelständler ist bekannt dafür, auf Überraschungen wie diese zu spekulieren.

Stuttgart, MünchenDer kleine Sportartikelhersteller Uhlsport ist mit seiner Handball-Marke „Kempa“ auf einmal omnipräsent im Fernsehen. Für die Balinger ist der unerwartete Siegeszug der jungen deutschen Handball-Nationalmannschaft – am Freitagabend zog sie mit einem Sieg in der Verlängerung gegen Norwegen ins Finale der Europameisterschaft ein – ein Geschenk des Himmels. Denn sie müssen tief in die Tasche greifen, seit sie 2013 auf die Brust des Teams zurückgekehrt sind. Rund eine halbe Million Euro legt Uhlsport pro Jahr auf den Tisch, plus Ausrüstung. Viel Geld für eine Firma mit 65 Millionen Euro Umsatz.

Doch das verstärkte Engagement im Handball, es hat sich schon vor der EM ausgezahlt: Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um zehn Prozent. Knapp ein Drittel der Erlöse entfallen auf die Handball-Marke „Kempa“. Der im Vergleich zu den Branchenführern Adidas und Nike winzige Mittelständler hat bei der Europameisterschaft immerhin sechs Teams ausgerüstet.

„Wir hatten eigentlich stärker auf den Gastgeber Polen gesetzt“, gibt Finanzchef Peter Kuhl zu. Freut sich aber jetzt umso mehr über den Einzug ins Halbfinale. „Die TV-Live-Übertragung mit Ankündigung in den Nachrichten ist für unsere Marke enorm wichtig. Mit Werbung könnten wir das weder bezahlen noch erreichen“, betont der Manager. Das Sponsoring der Nationalmannschaft sei deshalb sehr bedeutend. Der Bundesliga-Handball habe nicht annähernd so hohen Werbewert, weil die Präsenz im Fernsehen zu niedrig sei. Auch deshalb haben sich die Schwaben die Rechte gleich bis 2019 gesichert.

Schon einmal trug die deutsche Nationalmannschaft die Trikots des Familienunternehmens: Mit „Kempa“ auf der Brust und an den Füßen gewann die deutsche Handball-Nationalmannschaft bereits die Europameisterschaft 2003 und ein Jahr später in Athen die olympische Silbermedaille. Der Höhepunkt war der WM-Sieg 2007. Weil die Großen der Branche das Interesse am Handball verloren hatten, standen die Schwaben mit „Kempa“ jahrelang im Rampenlicht. Nach dem WM-Triumph aber war alles anders. Da verdoppelte Adidas kurzerhand die Summe für den Ausrüstervertrag, Uhlsport hatte keine Chance mehr.

Es musste erst wieder eine lange erfolglose Phase der Nationalmannschaft folgen, bis die Herzogenauracher die Lust am Handball verloren die Gelegenheit für Uhlsport zum Comeback. Das Timing der Schwaben scheint zu stimmen.

Der legendäre deutsche Handballspieler Bernhard Kempa gab der Marke ihren Namen. Sein Trick machte den heute 95-Jährigen im Handball weltberühmt. Erstmals führte Kempa den legendären Spielzug bei einem inoffiziellen Länderspiel am 24. März 1954 gegen die Schweiz (10:10) in der Karlsruher Schwarzwaldhalle vor. Beim „Kempa“-Trick" wird der Ball in den Torraum geworfen, wo ihn ein Spieler im Flug fängt und ohne Bodenberührung ins Tor wirft. Noch heute gehört dieser Spielzug zu den absoluten Finessen im Handball. Mit genialem Timing eine Lücke für einen Torwurf zu finden, das könnte man auch als das Erfolgsprinzip von Uhlsport im Handball-Sponsoring bezeichnen.

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Uhlsports spielendes Venture-Kapital

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Kunden reißen sich trotz Erfolg nicht um Handball-Trikots

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