Ausrüsterlizenzen
US-Ligen fordern Monopol

Amerikas Football-Teams sollen künftig selber ihren Ausrüster wählen, fordert der Sportartikel-Hersteller American Needle - und klagt vor dem Supreme Court gegen die zentrale Vergabe von Ausrüsterlizenzen für amerikanische Profiligen. Adidas-Tochter Reebok muss um einen lukrativen Sponsorenvertrag zittern.

LOS ANGELES. Die amerikanischen Profiligen kämpfen um ihre Macht. Das oberste Gericht des Landes, der Supreme Court, will sich ab Herbst mit der Lizenzvergabepraxis der Football-Liga NFL beschäftigen und hat nun eine Berufung des Sportartikel-Herstellers American Needle zugelassen. Dieser will das Exklusivrecht der NFL brechen, Verträge für Ausrüstungsteile zu schließen. Stattdessen sollen, wie in Europa üblich, die Teams mit Ausrüstern verhandeln dürfen.

2001 hatte die Adidas-Tochter Reebok für zehn Jahre das Recht erworben, die NFL-Teams mit Kappen und Mützen auszustatten. Der Supreme Court wird nun prüfen, ob die Liga als kartellrechtliche Einheit oder ihre Teams als Einzelunternehmen gelten. Eine Entscheidung soll im ersten Halbjahr 2010 fallen. Wenn das Gericht die bisherige Lizenzvergabe als nicht rechtens beurteilt, wird das Konsequenzen für den gesamten US-Profisport haben. Auch andere Ligen behalten sich das Recht vor, Ausrüstungsverträge zu schließen. Daher unterstützen die Basketball- und Eishockey-Ligen die NFL.

Wegen der steigenden Bedeutung der Lizenz-Erlöse gilt die Klage von American Needle als wegweisend für die Machtverteilung im US-Profisport. Der Marktforschungsfirma EPM zufolge ist der Umsatz mit lizenzierten Merchandising-Produkten aus dem Sportbereich in den USA und Kanada von 10,5 Mrd. Dollar im Jahr 2001 auf 13,7 Mrd. Dollar im Jahr 2007 gestiegen.

Mit dem Gang vor den Supreme Court geht das Verfahren in die letzte Runde. American Needle unterlag zuvor in zwei Instanzen. Ungewöhnlich ist, dass mit der NFL auch der Gewinner der bisherigen Urteile in die Berufung geht: Die Liga will mit einem Urteil von höchster Instanz weitere kostspielige Klagen verhindern. Vor allem aber hofft die NFL, von der Zusammensetzung des Courts zu profitieren. Gary Roberts, Professor an der Indiana University School of Law, sagte, die aktuellen Richter seien auf der Seite der NFL. „Die Ligen wollen die Angelegenheit beenden. Zwar riskieren sie eine Niederlage, doch der Gewinn wäre riesig.“

Die derzeitige Vertragsvergabe schützt kleinere Teams in den US-Ligen vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft im Ausrüstungsgeschäft. „Die großen Hersteller wie Adidas und Nike würden nur Verträge mit bekannten Teams abschließen“, sagt Uwe Weinreich, Adidas-Analyst bei der Hypo-Vereinsbank. „Sie sind vor allem an den Helden interessiert.“

Was die Einzel-Lizenzvergabe bedeuten kann, zeigt sich in Sportarten wie der Leichtathletik. Gut dotierte Verträge erhalten dort nur herausragende Athleten. Weniger erfolgreiche Sportler erscheinen kaum in den Medien – daher ist ihr Werbewert sehr gering. Das gleiche gelte für Teamsportarten, sagt Experte Weinreich. „Bei kleinen Klubs würden die Sportausrüster sparen und – wenn überhaupt – nur wenig Geld für einen Vertrag zahlen.“

Sollte der Supreme Court gegen das Monopol der US-Profiligen entscheiden, könnten Sportartikelhersteller auch ihren Einfluss in der jeweiligen Sportart erhöhen. So haben die NBA und die NHL durch Spielerstreiks zeitweise viele Fans vergrault. „Die Ausrüster spürten das sofort an sinkenden Trikotverkäufen“, sagt Analyst Weinreich. „Dürften sie Verträge mit einzelnen Teams abschließen, könnten sie flexibler reagieren.“

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