Außenansicht: Wettrennen zwischen Hase und Igel

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Wettrennen zwischen Hase und Igel

Die spektakuläre Razzia bei den österreichischen Langläufern und Biathleten überschattet die Olympischen Winterspiele in Turin. Die Razzia kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie wenig Dopingfahnder bisher erreicht haben.

Zehn Athleten wurden von Kontrolleuren des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu Dopingtests herangezogen. Die Durchsuchungsaktion von drei Dutzend Carabinieri markiert dabei eine neue Dimension der Dopingbekämpfung bei Olympischen Spielen. Doch so Aufsehen erregend die siebenstündige Polizeiaktion auch war, am Ende kann die seit Jahren übliche Praxis der Dopingbekämpfung mit Hilfe unangekündigter Tests in Trainings- und Wettkampfphasen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie bis heute komplett gescheitert ist.

Nicht nur auf Grund der höchst unterschiedlichen Handhabung der Tests beispielsweise in Ost- und in Westeuropa wird man sich nämlich kaum der Einschätzung etwa des Vorsitzenden der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), Peter Busse, anschließen können. Busse betont stets, dass es Dopingsünder "immer schwerer haben, unentdeckt zu bleiben".

Doch weder die Zunahme der Zahl an hier zu Lande positiv getesteten Athleten (von rund 50 im Jahr 2003 auf mehr als 80 im Jahr 2004) noch die in letzter Zeit zu beobachtende Überführung zahlreicher Spitzenathleten (wie zum Beispiel der Triathleten Nina Kraft und Brigitte McMahon, der Radprofis Tyler Hamilton und Danilo Hondo sowie der Sprinter Kelli White und Dwain Chambers) eignet sich als überzeugender Beleg für diese Hypothese. Und es ist keinesfalls sicher, dass die mit umfangreicheren finanziellen Mitteln und ausgereiften Testverfahren ausgestatteten Dopingfahnder den Betrügern weltweit mittlerweile tatsächlich "auf die Schliche" kommen.

In dem bekannten Märchen vom Hasen und Igel kommt der Hase - obwohl auf Grund seiner läuferischen Fähigkeiten grundsätzlich im Vorteil gegenüber seinem kurzbeinigen Konkurrenten - immer nur als Zweiter ins Ziel, weil der Igel seinen "Talentnachteil" nicht etwa durch intensives oder intelligentes Training erfolgreich kompensiert, sondern sich durch List und Tücke einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Bei "Waffengleichheit" hätte der Igel keine Chance.

Im übertragenen Sinne laufen die Biochemiker in den Labors in Köln, Kreischa und anderswo - ähnlich wie der Hase dem Igel - den mit illegalen Medikamenten skrupellos hantierenden Athleten atem- und chancenlos hinterher. Dies wiederum hat eine in der öffentlichen Diskussion im Allgemeinen vernachlässigte, aber verhängnisvolle Konsequenz: Wenn die Wahrscheinlichkeit, beim Dopen erwischt zu werden, hinreichend klein ist, wird ein sich rational verhaltender "sauberer" Athlet immer dann zu leistungsfördernden Präparaten greifen, wenn er glaubt, damit einen entsprechenden Wettbewerbsnachteil gegenüber seinen dopenden Konkurrenten ausgleichen zu können.

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