Hubo

Der multifunktionale humanoide Roboter ist einer der vielen technischen geheimen Stars bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea.

(Foto: dpa)

Automatisierung im Sport 85 Roboter verändern die Olympischen Spiele

Die Veranstalter der Olympischen Spiele sprechen von den Roboterspielen von Pyeongchang. Das Event soll auch die Interaktion zwischen Mensch und Maschine in den Mittelpunkt stellen. Einiges könnte zukunftsweisend sein.
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PyeongchangEinmal dieses Feuer tragen, das ist der Traum unzähliger Sportfans. Jedes Mal bewerben sich etliche Begeisterte um einen Moment als Fackelträger, sobald die olympische Flamme ihre lange Reise vom vorigen Veranstaltungsort zum nächsten zurücklegt.

Doch diesmal, auf dem Weg ins südkoreanische Pyeongchang, waren die Sekunden des Ruhms noch schwieriger zu kriegen als sonst. Zwei Träger haben allen anderen die Show gestohlen: Hubo und FX-2 heißen sie, und sie dürften sich weder um ihren Job gerissen noch irgendwelchen Stolz verspürt haben: Sie sind zwei von vielen Vorzeigerobotern Südkoreas.

Wenn Pyeongchang vom 9. bis 25. Februar die Olympischen Winterspiele veranstaltet, zeigt sich Südkorea nicht nur für zwei Wochen als Zentrum der Sportwelt, die Organisatoren wollen sich auch als Zentrum der Roboterwelt inszenieren.

Jenseits der maschinellen Fackelträger stehen, laufen, springen und fahren insgesamt 85 Roboter über das olympische Gelände. Sie sollen den menschlichen Besuchern einerseits den Aufenthalt erleichtern, ihnen andererseits imponieren. Und so einen Blick in eine mögliche Zukunft bieten, in der Roboter ziemlich nah am Menschen sind – nicht nur, aber auch im Sport.

Am Rande der olympischen Skipisten wird etwa erstmals ein Turnier im Skispringen zwischen acht Entwicklerteams ausgetragen. Die Athleten haben wie üblich zwei Beine und Bretter an den Füßen, allerdings keine Angst vorm Absprung.

Der Sieger dieser Roboterolympiade in Pyeongchang kann, wie auch die Gewinner in den Wettbewerben menschlicher Athleten, in triumphaler Pose abgebildet werden – nicht nur durch Kameras, sondern auch von einem Zeichenroboter, der mit vier Tintenarten und mehr als 1.000 Farbtönen bis zu 20 Meter hohe Wandgemälde schaffen wird.

In unmittelbarer Nähe schwimmen Fische in einem Aquarium, die wie Kois oder Seebrassen aussehen, bis zu fünf Meter tief abtauchen können, sich allerdings nicht durch ihre Kiemen orientieren, sondern durch einen Algorithmus. Von solchen Spielereien gibt es in Pyeongchang diverse.

Ein weißes tigerartiges Geschöpf, das aussieht wie das Olympiamaskottchen Soohorang, erklärt Besuchern den Weg, funktioniert durch Spracherkennung auf vier Sprachen. Ähnlich ist das Erlebnis an Seouls internationalem Flughafen Incheon, wo einen nicht vor allem Menschen an die Hand zu den Gates und Ausgängen nehmen, sondern Roboter auf Rollen mit Flachbildschirmgesicht vom Technikkonzern LG. Auch die Putzkräfte sind teilweise schlaue Maschinen, die sich danach richten, wo gerade nicht viel los ist, und dort schonmal für blitzend saubere Fußböden sorgen.

Das alles passiert nicht seit gestern, und längst nicht alles wird bloß zur Belustigung gebaut. Kaum ein Land investiert mehr in die Forschung zur Interaktion zwischen Mensch und Maschine sowie zu Automatisierungsprozessen allgemein als Südkorea.

Im Jahr 2016 setzten koreanische Hersteller mit 41.000 Stück – nach China – am meisten Roboter weltweit ab. Der Anteil der Roboter an industrieller Produktion ist höher als in jedem anderen Land. Laut dem Innovationsindex des Nachrichtenunternehmens Bloomberg ist Südkorea seit einigen Jahren auch die innovativste Volkswirtschaft der Welt.

Der humanoide Fackelträger Hubo etwa, entwickelt vom Ingenieur Oh Jun-ho am Forschungsinstitut KAIST (Korean Advanced Institute of Science and Technology), gilt als der derzeit beste Rettungsroboter der Welt. 2015 stach er bei einem Preisausschreiben des US-amerikanischen Verteidigungsministerium Bewerber aus den Hightechhochburgen USA und Japan aus, weil er mit seinen Orang-Utan-Armen und Rollschuhfüßen schneller über Stock und Stein fahren und Zielobjekte aufsammeln kann als jedes andere Modell.

Außerdem ist Hubo intelligent: er verlässt sich nicht hundertprozentig auf die Steuerungsanweisungen der menschlichen Benutzer, sondern setzt sich darüber hinweg, sobald er anhand eigener Beobachtungen meint, die nötige Route besser zu verstehen. Mit seiner Größe von 1,80 Metern kann Hubo seinen Kopf um 180 Grad drehen, sodass er in eine Richtung fährt, während er sich woandershin orientiert.

Nicht nur in Katastrophensituationen, fürchten einige Forscher, können Roboter jedoch kontraproduktiv sein, weil sie zu vielen Menschen unheimlich erscheinen. Allerdings ist dies keine Notwendigkeit. Während etwa in Deutschland eine Abneigung gegenüber humanoiden Maschinen üblich ist, kann von der koreanischen Gesellschaft nicht das gleiche behauptet werden.

Roboter sieht man hier meist als Helfer, auch als Kumpanen an, kaum als Bedrohung. Das Zutrauen hat auch historische Gründe. In der animistisch geprägten Ideengeschichte Koreas haben wiederholt nichtmenschliche Wesen Gutes mit menschlichen Eigenschaften getan. Dies, so hört man in Südkorea immer wieder, könnten grundsätzlich auch Roboter leisten. So wird Hubo derzeit über ein ausgelagertes Unternehmen kommerzialisiert und soll als Assistent im Alltag dienen können.

„Die Olympischen Spiele sind die große Möglichkeit für uns, vielen Menschen auf der Welt zu zeigen, wie nützlich Roboter für unsere Leben sein können“, meint der Ingenieur Oh Jung-ho, der während Olympia das koreanische Roboterteam anführt.

Wenn das Feuer in Pyeongchang erlischt, hofft Oh, werde vieles vom Neuen bleiben. Roboter sollen dabei helfen, schwer zu erledigende Pflegeaufgaben in der schnell alternden koreanischen Gesellschaft zu übernehmen, aber auch die streng abgesicherte Grenze zu Nordkorea bewachen. Für die Robotik im Land, anders als für die Sportler und ihre Fans, ist Olympia kein Höhepunkt, höchstens ein Meilenstein.

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