Axa kündigte nach 11. September die Versicherung
WM-Totalausfall ist mit 158 Millionen Euro versichert

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ist in jeder Hinsicht gut versichert.

HB HAMBURG. Das zumindest sagt Jürgen Görling, und der muss wissen, wovon er spricht. Denn der 59-Jährige hat sich seit 1974 auf die Versicherung von Fußball-Großereignissen spezialisiert, erst für die "Albingia", seit vier Jahren als Geschäftsführer der "Hamburg Mannheimer (HM) Sports". Das zur Ergo-Gruppe zählende Unternehmen ist gleich in zweifacher Hinsicht am WM-Ball: als "offizieller Versicherer" und - für rund zwölf Millionen Euro - als einer der sechs nationalen Sponsoren.

Mit dem Fußball-Weltverband FIFA als Veranstalter und dem deutschen Organisations-Komitee als Ausrichter hat HM ein ganzes Versicherungs-Paket abgeschlossen. Es reicht von A wie Ausfall- bis Z wie Zuschauer-Versicherung. So übernimmt die HM das Risiko für alle WM-Beteiligten, von OK-Chef Franz Beckenbauer über die rund 12 000 Volunteers bis hin zu den 3,2 Millionen Besuchern. Die Stadien, Pressezentren, Team-Quartiere, VIP-Pavillons und der etwa 900 Autos umfassende Fuhrpark sind ebenfalls versichert.

Natürlich auch der Weltpokal. Sollte die goldene Trophäe beschädigt werden oder verloren gehen, haftet die HM mit bis zu 350 000 Euro. Auch die insgesamt 660 Mannschaften, die bei der momentan in Dortmund angelangten "Kaiser-Tour" das längste Straßenfußballturnier aller Zeiten austragen, sind unfallversichert. "Fußball ist eine sichere Angelegenheit", meint Görling. Denkbar sei allenfalls, dass die WM - etwa wegen eines Terroranschlages - verschoben oder in ein anderes Land verlegt wird. In diesem Fall wären Versicherungssummen bis zu knapp 100 Millionen Euro auszuzahlen. Einen Totalausfall hält Görling aber für undenkbar. "Da müsste schon ein Riesenmeteor auf uns herabfallen oder der Teufel ein Eichhörnchen sein."

Die für diesen Fall vorgesehene Deckungssumme beträgt 158 Millionen Euro, in dieser Höhe hat sich das WM-OK abgesichert. Die FIFA geht andere Wege, und das eher notgedrungen. Denn als Konsequenz der Terroranschläge vom 11. September 2001 hatte der Axa-Konzern seine 850 Millionen Euro schwere Ausfall-Versicherung für die WM 2002 in Japan und Südkorea plötzlich gekündigt. Nur mit viel Mühe und erheblichem finanziellen Verlust war es der FIFA damals gelungen, sich auf dem internationalen Rückversicherungsmarkt einen neuen Deckungsschutz zu besorgen.

In ein ähnliches Dilemma will der Verband nicht mehr kommen, zudem lassen sich Mega-Ereignisse wie eine Fußball-WM praktisch nicht mehr komplett versichern. Deshalb sichert der Weltverband die Titelkämpfe im nächsten Jahr über eine Katastrophen-Anleihe am Kapitalmarkt ab. Auch die Versicherung der Kicker-Beine übernimmt die FIFA in Eigenregie. Erst in der vergangenen Woche beschloss sie, fünf Prozent der Gesamt-Siegprämie von 220 Millionen Euro einzufrieren. Von diesen elf Millionen Euro sollen Spieler entschädigt werden, die sich während der Titelkämpfe vom 9. Juni bis 9. Juli 2006 ernsthaft verletzen. Auf diesem Geschäftsfeld hat auch die HM Erfahrungen. Das Unternehmen, das im deutschen Profisport die Alleinstellung für sich beansprucht, sichert etwa 200 Bundesliga-Profis mit einer Gesamtsumme von 250 Millionen Euro gegen Sportinvalidität und Todesfall ab. Die Summen, die Görling in 30 Jahren als Sport-Versicherer auszahlen musste, waren weitaus geringer. Der höchste Betrag waren 750 000 Euro. Er wurde fällig, weil der Finaltag bei den German Open der Profigolfer in Pulheim wegen Regens ausgefallen war.

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