Barry Bond
Amerikas ungeliebter Held des Baseballs

An Barry Bond scheiden sich die Geister: Der Baseballer ist zwar derzeit der größte Star im US-Traditionssport - zugleich sind seine angeblichen Dopingsünden aber ein Fluch für die Liga.

SAN FRANSISCO. Barry Bonds liebt es, neugierigen Reportern Lügen aufzutischen. „Mein Knie ist kaputt, weiß nicht, ob das noch was wird mit mir“, sagte der amerikanische Baseball-Superstar vor Beginn der laufenden Saison. Doch am Sonntag drosch der 200 Pfund schwere Spieler der San Francisco Giants mit eben jenem „kaputten“ Knie Home Run Nummer 715 aus der heimischen Arena (siehe Kasten „Der Home Run im Kurzportrait“) - und überholte in der ewigen Bestenliste den Zweitplatzierten Babe Ruth. Nur der legendäre Hank Aaron (755 Home Runs) steht Bonds noch im Weg, als absolute Gallionsfigur in die Geschichte einer Sportart einzugehen, die das Image von Amerika genauso geformt hat wie Kaugummi und Cowboys.

Aber der US-Sportwelt fällt das sonst so leichte Zujubeln für einen zweifelsohne außergewöhnlichen Sportler diesmal äußerst schwer. Hat Barry Bonds doch nicht nur sich selbst, sondern eine ganze Sportart ins Zwielicht gerückt. Der Rekord-Homerun ist nämlich nicht der einzige Grund, warum Bonds und mit dem schwarzen Superstar die gesamte Major League Baseball (MLB) seit geraumer Zeit durch die Schlagzeilen huscht. Steht der massige Athlet doch unter Verdacht, jahrelange illegale Substanzen eingenommen zu haben.

Muskeldoping für die Jagd nach Weltrekorden und Dollarmillionen? „Absoluter Blödsinn, ich habe mir nichts vorzuwerfen“, bügelt Bonds jede Frage nach seinen angeblichen Verwicklungen in eine schmierige Doping-Affäre ab. Die wirft schon seit einigen Jahren einen dunklen Schatten auf die MLB und lässt das Zuschauerinteresse an Amerikas einstiger Vorzeige-Sportart so schnell schrumpfen wie die Sonne ein Softeis am Strand von Venice Beach.

Keine Frage, Bonds war schon immer ein guter Baseball-Spieler. Aber der fast 42 Jahre alte Sportler explodierte förmlich, als er vor fünf Jahren in die neue Saison startete. 73 Home Runs in einer Saison, damit durchbrach er den Rekord von Mark McGwire. Er tat das mit 40 Pfund mehr Muskeln auf den Rippen als im Jahr zuvor. „Barry kam in die neue Saison und sah aus wie ein Bodybuilder“, sagt Russ Spiringer, der als Pitcher (Werfer) für Houston spielt. Es dauerte nicht lange, bis das böse Wort „Steroide“ zum ersten Mal fiel.

Die MLB, bis 2002 gab es in dieser Liga keine Doping-Kontrollen, wurde hellhörig, als das Bay Area Laboratory Co-Op (Balco) Listen mit Sportlern herausgab, die von dem Leiter des Sportinstituts Victor Conte angeblich mit Designer-Drogen zur Verbesserung von sportlichen Leistungen versorgt worden waren. Im Jahre 2003 sah sich Bonds, dessen Name in den Balco-Listen steht, zusammen mit einigen Baseball-Kollegen vor einem Untersuchungsausschuss sitzen. Unter Eid bestätigte Bonds, niemals wissentlich Steroide genommen zu haben. Zwei seiner Kollegen Jason Giambi und Gary Sheffield, gaben während dieser Anhörungen zu, gedopt zu haben.

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