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Bartels sichert DLV die erste WM-Medaille

Kugelstoßer Ralf Bartels hat mit der Bronzemedaille für das Highlight aus deutscher Sicht am ersten Tag der Leichtathletik-WM gesorgt. Die erste Goldmedaille des Events ging an Jefferson Perez (Ekuador) im 20-km-Gehen.

Die Bronze-Kugel von Ralf Bartels bescherte Deutschlands Leichtathleten einen Auftakt nach Maß bei den 10. Weltmeisterschaften in Helsinki. Mit im letzten Versuch erzielten 20,99m musste sich der 27 Jahre alte Neubrandenburger nur dem mit 21,73m siegreichen Olympiazweiten Adam Nelson (USA) und dem niederländischen Überraschungsmann Rutger Smith (21,29) geschlagen geben. Kurz zuvor hatte der Berliner Andre Höhne als Vierter Bronze im 20-km-Gehen verpasst.

"Hatte es im Gefühl"

"Ich hatte es im Gefühl, dass ich hier eine Medaille holen könnte", meinte Bartels, der EM-Dritte von 2002. "Ich zittere noch am ganzen Körper. Ich kann es immer noch nicht fassen." Mit vier 21-m-Resultaten im Vorfeld der WM galt der Weltranglistenfünfte schon als Medaillenkandidat. Doch der Schützling von Gerald Bergmann kam schwer in den Wettkampf, war erst nur Siebter mit 20,30m, dann Fünfter mit 20,77m und im letzten Versuch quittierte er die 20,99 mit empor gerissenen Armen. Auch Olympiasieger Juri Belonog (Ukraine/20,89) und Weißrusslands Titelverteidiger Andrej Mischnewitsch (20,74) konnten nicht mehr kontern.

Perez jubelt beim 20-km-Gehen, Höhne stark

Vor gut 20 000 Zuschauern in der Olympia-Arena von 1952, darunter Jacques Rogge als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hatte im 20-km-Gehen Titelverteidiger und Atlanta-Olympiasieger Jefferson Perez aus Ekuador in 1:18:35 Stunden die erste von 47 Goldmedaillen im Wettstreit von 1 800 Athleten aus 196 Ländern souverän gewonnen. Silber gab es wie zuletzt bei Olympia für Francisco Fernandez (1:19:36) und Bronze für dessen spanischen Teamkollegen Juan Molina (1:19:44). Sensationell stark war in der Endphase der Olympiaachte Höhne, der fünf Kilometer vor dem Ziel Zehnter war, am Ende aber nur 16 Sekunden Rückstand auf Bronze hatte. "Ich bin überglücklich. Ich hatte zwei Verwarnungen, am letzten Berg wäre ich fast gestorben", meinte der Charlottenburger.

Im ersten Frauen-Finale enteilten die Äthiopierinnen über 10.000m der neunköpfigen Spitzengruppe eine Runde vor Schluss überfallartig. Tirunesh Dibaba, 2003 Weltmeisterin über 5000m, siegte vor Titelverteidigerin Berhane Adere und ihrer älteren Schwester Ejegayehu Dibaba. Nur Neunte wurde die britische Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe 18 Sekunden hinter der Siegerin, 17. in 31:28,21 wurde die enttäuschte Sabrina Mockenhaupt (Siegen).

Riedel und Möllenbeck im Diskus-Finale

Aus dem 52-köpfigen Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) kamen alle sieben Starter des ersten Tages weiter. "Das beflügelt auch die anderen", versicherte der Leitende DLV-Trainer Jürgen Mallow. Im Diskus-Finale am Sonntag hofft der fünfmalige Weltmeister Lars Riedel (Chemnitz) nach Saisonbestleistung von 66,22m in der Qualifikation auf eine Medaille. "Von Platz zwei bis acht ist alles drin", meinte der 38-Jährige, der bei seinem achten WM-Auftritt neben Tschechiens Speerwurf-Weltrekordler Jan Zelezny zum Rekordteilnehmer der WM wurde. Auch der Wattenscheider Michael Möllenbeck, WM-Dritter von 2001, zog mit 63,71m ins Finale ein.

Im Endkampf der Hammerwerfer stehen am Montag der Leverkusener Markus Esser, der in der Qualifikation als Achter mit 76,45m jedoch eine Zitterpartie bot, und der Saarbrücker Holger Klose, mit 76,47m Siebter. Die Halbfinals am Sonntag erreichten jeweils als Vorlauffünfte und Zeitschnellste unter den nicht direkt Qualifizierten die deutschen Meister Monika Gradzki (Wattenscheid) in 2:01,56 Minuten über 800m und Christian Duma (Frankfurt) in 50, 04 über 400m Hürden. "Mindestziel erreicht. Wenn ich ins Finale komme, mache ich einen Luftsprung", meinte Gradzki.

Barber vor Klüft im Siebenkampf

Schwedens Siebenkampf-Olympiasiegerin Carolina Klüft, wegen einer Fußverletzung bandagiert, steht erstmals seit ihrem kometenhaften Aufstieg mächtig unter Druck. Nach schwachem Hochsprung (1,82m), aber neuer Bestleistung im Kugelstoßen (15,02m) geht die Titelverteidigerin mit 3 971 Punkten nur als Zweite hinter Frankreichs Vize-Weltmeisterin Eunice Barber (3 973), die über die Hürden in 12,94 Sekunden und mit 1,91m im Hochsprung glänzte, in den zweiten Tag. "Der Fuß schmerzt nicht sehr, aber ist etwas unstabil", meinte die 22-Jährige, die nach zwei Übungen 152 Punkte zurückgelegen hatte. Sonja Kesselschläger (Neubrandenburg), bei Olympia noch Sechste, erzielte bei störendem Gegenwind von 2,2m nur 13,98 Sekunden über die Hürden, war nach dem ersten Tag 13. mit 3 558 Punkten, gefolgt von der früheren Hallen-Europameisterin Karin Ertl (Fürth/München/Würzburg), 15. mit 3 535, und Lilli Schwarzkopf (Paderborn) als 17. mit 3 465 Zählern.

400-m-Hürden-Weltmeister Sanchez angeschlagen

Während 400-m-Hürden-Weltmeister Felix Sanchez (Dominikanische Republik) humpelnd vor dem Aus zu stehen scheint, und im Dreisprung Olympiasiegerin Francoise Etone (Kamerun) kurzfristig auf den Start verzichtete, gab es beim 100-m-Auftakt nur schwache Zeiten, allerdings oft durch starken Gegenwind bedingt. Als Schnellster zog Darrel Brown (Trinidad & Tobago) in 10,10 Sekunden ins Halbfinale am Sonntag ein. Olympiasieger Justin Gatlin (USA) kam nach 10,16 im Vorlauf bei 2,0 Meter Gegenwind nur in 10,27 Sekunden weiter.

Stunden vor dem Auftakt hatte eine Dopingaffäre für Unruhe gesorgt. Die Polizei fand Wachstumshormone und das anabole Steroid Testosteron im Haus des finnischen Diskustrainers Kari Mattila, der bis Oktober noch WM-Teilnehmer Timo Tompuri betreut hatte. Auf die WM hat der Fall jedoch noch keine Auswirkung.

© SID

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