sonstige Sportarten
Baseball und Softball verlieren olympischen Status

Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking werden Baseball und Softball zum vorerst letzten Mal als Disziplinen ausgetragen. Danach nimmt das IOC die beiden Sportarten aus dem Programm der Wettkämpfe.

Zu einigen wichtigen Entscheidungen kam das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf seiner Sitzung in Singapur. Bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London sind nur noch 26 Sportarten vertreten. In Singapur war es knapp zwölf Uhr mittags, als erstmals seit 1936 zwei olympischen Sportarten die letzte Stunde schlug: "Baseball Nein - Softball Nein", gab Präsident Jacques Rogge vor der IOC-Session bekannt und verkündete damit ihren Ausschluss von den Sommerspielen 2012 in London. Sie hatten die Hürde von 50 Prozent in geheimer Abstimmung nicht genommen. Letztmals war 1936 mit Polo eine Sportart gestrichen worden.

Wenige Stunden später platzten die Träume von fünf Sportarten in der Warteschleife, einen der freien Plätze an der Sonne einnehmen zu können: Squash, Karate, Rugby, Inline-Skating und zuerst Golf wurden als Nachrücker abgelehnt.

"Der Wille zum Abbau war eindeutig", meinte Fifa-Chef Sepp Blatter: "Wir waren mit dem Kopf doch an der Decke." Laut IOC-Charta soll das Programm zwischen 15 und 28 Sportarten umfassen.

Reiter müssen nach Hongkong umziehen

Zuvor hatte das IOC die Verlegung der Reiterwettbewerbe 2008 nach Hongkong verkündet. Der Weltverband FEI beugte sich damit dem Druck des Organisationskomitees von Peking (Bocog). Es hatte den Antrag auf Verlegung mit der Gefahr von Pferdeseuchen im Umfeld der chinesischen Hauptstadt begründet.

Der Präsident bewerte den Ausgang positiv, sagte Pressechefin Giselle Davies nach Abschluss der Programmdebatte. Die Session habe seinem "Wunsch nach Wandel" entsprochen und "Qualität vor Quantität" gesetzt. Damit folgten die Mitglieder Rogge nur auf halbem Weg, der ihnen am Morgen "Mut zur Öffnung" gewünscht hatte.

Für den deutschen IOC-Senior Walther Tröger war es dennoch eine konsequente Haltung der Session: "Wichtig war, das Programm endlich einmal zu verkleinern, das hat vor Rogge kein anderer geschafft. Jetzt gibt es wieder Luft." Auch Thomas Bach sieht darin "die Chance für die Exekutive zum Gestalten". Sie könne den Anteil der Frauen erhöhen oder der Session 2006 in Turin einen eigenen neuen Vorschlag unterbreiten.

Squash und Karate scheitern an Zwei-Drittel-Mehrheit

Weder Squash (39:63) noch Karate (38:63) waren im Finale der Kandidaten auch nur in die Nähe der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit gekommen (70), die zur Aufnahme nötig gewesen wäre. "Ich bin heute zweimal ziemlich überrascht worden", bekannte Bach, der das Aus für Baseball und Softball noch als "Zeichen des Aufbruchs" gedeutet hatte. Beide sind 2008 in Peking noch am Start, für beide ist ein Comeback 2016 möglich. Rogge: "Dies ist kein Abschied für immer."

Aus den IOC-Fernseheinnahmen von Athen 2004 kassieren Baseball (seit 1992 olympisch) und Softball (seit 1996) jeweils rund sieben Mill. Dollar. Ab 2012 wird der Kuchen für die dann nur noch 26 Weltverbände etwas größer, die ihren Olympia-Status behaupteten.

Reiten findet erstmals seit 1956 nicht in der Olympiastadt statt. Damals war Stockholm Ersatz-Schauplatz für Melbourne wegen der langen Anreise und der strengen Quarantäne-Auflagen Australiens. "Jeder hätte sich eine andere Lösung gewünscht, doch sie war nicht möglich", sagte Rogge.

Die FEI hatte sich bis zuletzt gegen die Auslagerung gewehrt, auch wegen der großen Hitze und Luftfeuchtigkeit in Hongkong während der Zeit der Spiele vom 8. bis 24. August 2008. Die Wettkämpfe sollen deshalb am frühen Morgen und späten Abend stattfinden, doch viele Experten sprechen von "Tierquälerei".

Hinter der Verlegung vermuten viele Beobachter politische Gründe, um die Zugehörigkeit Hongkongs zu China zu demonstrieren. Hongkong verfügt über ein eigenes NOK und tritt zu den Spielen mit eigener Mannschaft an.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%