Basketball Bundesliga
Obradovic: "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen"

Nachdem Rheinenergie Köln erstmals die deutsche Basketball-Meisterschaft gewonnen hat, spricht Trainer Sasa Obradovic von dem "Anfang einer neuen Ära." Köln soll das Zentrum des Basketballs werden, so der 37-Jährige.

Auf den Schultern der Spieler erlebte Trainer-Novize Sasa Obradovic die ausgelassene Party-Stimmung im Energydome. Fans feierten die "Superjeilezick" auf den Rängen und Kölsch und Sekt taten ihr Übriges. Nachdem Final-"MVP" Immanuel Mcelroy 31 Sekunden vor der Schluss-Sirene mit einem Freiwurf den 85:74 (45:32)-Sieg im vierten Spiel gegen Alba Berlin und damit auch die erste deutsche Basketball-Meisterschaft von Rheinenergie Köln besiegelt hatte, entlud sich die Anspannung einer spektakulären Finalserie.

"Das ist unglaublich, das ist wie ein schönes Märchen. Ich finde keine Worte", stammelte Mannschaftskapitän Aleksandar Nadifeji, längst seines Hemdes und der Hose beraubt, nachdem er unter dem ohrenbetäubenden Jubel der 3 200 Zuschauer in der ausverkauften Arena stolz den Meisterschild präsentiert hatte.

"Köln soll das Zentrum des Basketballs in Deutschland werden"

"Es ist ein Traum in Erfüllung gegangen", tönte Geschäftsführer Walter Pütz in die Menge, und Coach Obradovic sprach, die serbische Fahne um die Schulter gehängt, "vom schönsten Tag in meinem Leben". Jener Banner, sein Glücksbringer seit dem Gewinn des EM-Titels 1997, soll ihm auch in Zukunft helfen. "Denn das war der Anfang einer neuen Ära. Köln soll das Zentrum des Basketballs in Deutschland werden", ergänzte der 37-Jährige, als im Hintergrund fast schon symbolisch der De Höhner-Hit "Jetzt geht´s los" dröhnte.

Obradovic hat den Höhenflug der Kölner miterlebt, seit sie 2001 per Wildcard in die Bundesliga aufstiegen und 2004 sowie 2005 den BBL-Pokal gewannen - zunächst als Spieler und in der vergangenen Saison erstmals auf der Bank. Dass er das Duell mit seinem früheren Berliner Mannschaftskollegen Henrik Rödl gewann, mag eine besondere Genugtuung gewesen sein. Fest steht: Was der Weltmeister, dreimalige Europameister und zweimalige Olypmpia-Teilnehmer zusammen mit Manager Stephan Baeck aufgebaut hat, verdient Respekt. "Wir haben hart gearbeitet und offenbar die richtigen Spieler gefunden", so Obradovic.

Jüngste und mental stärkste Team der Liga

Die mit einem Schnitt von 23,3 Jahren jüngste Mannschaft der Liga drückte den Playoffs den Stempel auf. Köln stellte vor allem das mental stärkste Team, das im fünften Spiel Titelverteidiger GHP Bamberg in dessen Halle aus dem Rennen warf, bevor es mit zwei Auswärtssiegen in Berlin den Grundstein zum Titel legte.

"Wir haben mit Charakter, Erfolgshunger und Siegeswillen vieles ausgeglichen", sagte Manager Baeck mit dem Hinweis auf den wesentlich kleineren Etat im Vergleich zu den Konkurrenten Bamberg und Berlin. Mit ihren Vorstellungen haben die Rheinländer jedoch nicht nur die Anhänger im Land begeistert, sondern auch ein "schönes Problem" (Baeck) geschaffen.

Mit dem Titel haben sich die Kölner die Startberechtigung für die Euroleague gesichert. Voraussetzung dafür ist jedoch eine mindestens 5 000 Zuschauer fassende Halle. Die bereits verplante Kölnarena steht nicht zur Verfügung. "Wir warten auf ein Zeichen der Stadt Köln, wir müssen mehrere Möglichkeiten prüfen", erklärte Baeck. Angedacht ist auch eine umgebaute Messehalle, in der sich Mcelroy, Titus Ivory, Michael Jordan oder Glen Mcgowan mit Real Madrid oder Titelverteidiger Zsks Moskau messen können.

Alba wartet seit drei Jahren auf Titel Nummer acht

Diese große Chance haben die Berliner leichtfertig verspielt. Seit drei Jahren wartet das einst dominierende Team der Bundesliga auf den Gewinn der achten Meisterschaft. Der Stachel der Enttäuschung saß tief. Völlig konsterniert und frustriert verfolgten die "Albatrosse" die Ehrenrunde des Gegners. Kein Aufbäumen, keine spielerischen Mittel und auch phasenweise vom Glück verlassen - es waren nicht die Finalspiele von Berlin.

"Kein Vorwurf an die Mannschaft. Sie hat alles versucht, alles gegeben. Charakter und Spirit waren da. Köln hat seine Chance und besonders seine Stärke genutzt, niemals aufzugeben", resümierte Albas Vizepräsident Marco Baldi und sandte sogleich eine Kampfansage an die feiernden Sieger: "Wir werden aufstehen und in der nächsten Saison wieder angreifen."

© SID

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