Basketball EM
Für DBB-Coach Bauermann ist "alles möglich"

Basketball Vize-Europameister Deutschland startet heute (18.00 Uhr) gegen Tschechien in die EM in Spanien. Aufgrund der hohen Leistungsdichte in Europa ist für Nationaltrainer Dirk Bauermann "alles möglich."

Dirk Nowitzki bringt seine Ziele klar auf den Punkt: "Ich will wieder auf dem Treppchen stehen und zu den Sommerspielen nach Peking. Denn es ist wohl meine letzte Chance, diesen Traum zu erfüllen", sagte der 29 Jahre alte Ausnahmebasketballer und aktuelle NBA-"MVP" mit Blick auf die "schwerste Europameisterschaft aller Zeiten" in Spanien (3. bis 16. September). Denn das 35. EM-Turnier könnte zugleich der letzte Auftritt der silbernen Generation von Belgrad 2005 sein.

Dass die Vize-Europameister nicht als Favoriten starten, spricht Bände. "Dennoch wollen wir versuchen, die Sensation von vor zwei Jahren zu wiederholen. Dass es schwer wird, ist klar, es soll uns aber nicht davon abhalten, anzugreifen", sagte Bundestrainer Dirk Bauermann vor dem heutigen Vorrunden-Auftakt in Palma de Mallorca gegen Tschechien. Die weiteren Gruppengegner sind die Türkei (Dienstag/20.30 Uhr) und Ex-Europameister Litauen (Mittwoch/18.00 Uhr, alle live im DSF).

Nowitzki hofft auf "spektakulären Sieg"

Herausragende Akteure beim Gegner sind Lubos Barton und der frühere NBA-Profi Jiri Welsch, zwei Top-Schützen von den Außenpositionen. "Sie machen etwa 85 Prozent der Punkte, wenn wir sie weitgehend ausschalten, ist das die halbe Miete", erklärt Bauermann. Aber die Defensivarbeit seiner Mannschaft bereitete in der Vorbereitung die wenigsten Sorgen.

Die Hoffnungen auf ein komfortables Punktepolster für den Einzug in die Zwischen- und Finalrunde ab dem 7. September in Madrid ruhen natürlich auf dem "derzeit besten Basketballer der Welt" (Bauermann). Nie zuvor zeigte sich Nowitzki vor einem Turnier derart ausgeruht und motiviert. Vier Monate nach dem frühen Playoff-Aus in der NBA mit den Dallas Mavericks ist der gebürtige Würzburger heiß auf die EM und Duelle mit den zahlreichen Kollegen aus der nordamerikanischen Profiliga.

"So weit denke ich noch nicht. In einem Turnier denkt man nur von Spiel zu Spiel", sagt Nowitzki, der froh ist, "dass es endlich losgeht": "Wir wollen natürlich alle drei Spiele gewinnen, weil die Punkte in die Zwischenrunde mitgenommen werden. Es wäre schön, wenn uns ein spektakulärer Sieg wie vor zwei Jahren in den Gruppenspielen gegen Russland gelingen würde. Er hat uns auf einer Welle bis ins Finale getragen."

Der 29 Jahre alte "MVP" der nordamerikanischen Profiliga NBA wirkt hochkonzentriert und ist wie seine Kollegen voller Tatendrang. "Ich fühle mich sehr gut", meint Nowitzki, der weiß, dass der Erfolg bei der EM vor allem auch von seiner Form abhängt. Die ernüchternde 56:72-Pleite bei der verpatzten Generalprobe am vergangenen Dienstag gegen Weltmeister Spanien wurde intensiv aufgearbeitet und abgehakt.

Okulaja: "Unsere Stärken sind Dirk, die Geschlossenheit und Erfahrung"

"Unsere Stärken sind Dirk, die Geschlossenheit und Erfahrung", sagte Ademola Okulaja (32), hinter Nowitzki treffsicherster Nationalspieler. "Nach den Erfolgen der letzten fünf Jahre mit Bronze bei der WM 2002 und Silber bei der letzten EM muss man uns ernst nehmen." Nur Weltmeister Spanien, gegen den am vergangenen Dienstag die Generalprobe (56:72) gründlich in die Hose ging, und Titelverteidiger Griechenland (62:78 im Finale 2005) scheinen derzeit für die deutschen "Riesen" eine Nummer zu groß zu sein.

Aber auch Frankreich, Italien, die Türkei als nächster WM-Gastgeber, Litauen und selbst Slowenien sehen einige Experten sogar noch vor dem DBB-Team. "Die Spitze in Europa ist so breit und dicht wie in keiner anderen Ballsportart. Alles ist möglich", erklärt DBB-Coach Bauermann.

Es sei deshalb äußerst schwierig, über Platz zwei oder drei (falls der bereits qualifizierte Weltmeister Spanien im Endspiel steht) das Direkt-Ticket für Peking zu lösen. Sollte dies nicht gelingen, haben die vier nächstbesten Mannschaften noch die Möglichkeit, bei einem Quali-Turnier im Juli 2008 einen der drei restlichen Olympiaplätze zu sichern.

Stephen Arigbabu von Olimpia Larissa nachnominiert

Bauermann wollte den angestrebten großen Coup mit jenem Kader landen, der vor einem Jahr "nur" Platz acht bei der WM in Japan belegte. Doch am Donnerstag musste überraschend Sven Schultze wegen Pulsunregelmäßigkeiten auf ärztlichen Rat aus präventiven Gründen die Heimreise antreten. Am Freitag nominierte Bauermann den Griechenland-Legionär Stephen Arigbabu (35) von Olimpia Larissa nach. Der 157-malige Nationalspieler hatte nach dem Gewinn der Silbermedaille 2005 in Belgrad seinen Rücktritt erklärt. Mit Arigbabu soll die Präsenz unter den Körben verstärkt werden.

"Die Stimmung ist gut, die Moral stimmt. Wir haben viele Leistungsträger und gute Typen", versichert der 49 Jahre alte Erfolgscoach, der in Personalunion den deutschen Meister Brose Baskets Bamberg betreut und sich auch von den durchwachsenen Vorstellungen in der Vorbereitung mit drei Niederlagen in neun Partien nicht verunsichern lässt.

In Spanien sieht er seine Spieler nach dem Sommermärchen der Fußballer und Wintersensation der Handballer unter dem verstärkten Druck "zumindest eine gute und attraktive EM zu spielen". Darüber hinaus würde die erste Olympiaqualifikation nach 15 Jahren für eine verstärkte Aufmerksamkeit und neuen Schub für den Basketballsport hierzulande sorgen.

"Die Jungs müssen begreifen, dass sie mit dieser Chance nicht beliebig umgehen können", ergänzt Bauermann. "Und dass es danach eine Weile lang unmöglich sein wird, zu Olympia zu kommen." Jedoch erst wenn die Situation bei der EM schwierig wird, werde man sehen, "ob es alle verstanden haben".

© SID

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