Basketball-EM
Suche nach verborgenen Kräften

Dirk Nowitzki allein reichte nicht aus: Auch der vielleicht beste Basketballer der Welt konnte die blamable Niederlage der deutschen Mannschaft gegen Slowenien nicht verhindern. Nowitzki erfährt dabei erneut den harten Unterschied zwischen Anspruch und Realität. Gegen Italien geht es am Mittwoch nun um den Traum von Olympia.

MADRID. Sein Timing hätte schlechter kaum sein können. Wolfgang Hilgert, Vizepräsident des Deutschen Basketball Bundes (DBB), stand auf der von einem Sponsor drapierten Bühne und begrüßte die geladenen Journalisten. Als nettes Beisammensein hatte er die Runde geplant. Doch nach der desaströsen Niederlage gegen Slowenien am Montagabend glich die Veranstaltung eher einer Trauerfeier. Hilgert sprach von einer „schwarzen Stunde“.

Die deutschen Korbwerfer haben das zweite Spiel in der Zwischenrunde, gegen Slowenien, mit 47:77 verloren, das sind 30 Punkte Unterschied. Mit lediglich einem Sieg liegen sie nun auf Rang fünf ihrer Gruppe und müssen heute gegen Italien unbedingt gewinnen, wollen sie das als Minimalziel anvisierte Viertelfinale erreichen. Wenigstens das.

Von den Olympischen Spielen wagt keiner mehr zu reden. „Unser Traum von Olympia scheint ausgeträumt“, gestand Dirk Nowitzki nach der blamablen Pleite. Bundestrainer Dirk Bauermann sprach gar vom „schlechtesten Spiel“ unter seiner Ägide.

Die Slowenen waren ob der Harmlosigkeit der Deutschen reichlich verdutzt. Radoslav Nesterovic etwa wunderte sich, „warum wir so problemlos gewonnen haben“. Dabei nahm der Mann von der Toronto Raptors seinen NBA-Kollegen Nowitzki in Schutz, der nicht spielte wie der wertvollste Spieler der NBA: „Ich weiß nicht ob es nur an Dirk liegt“, sagte der 2,13 Meter große Hüne. „Wir spielen hier kein Tennis. Auch Starspieler brauchen Hilfe, heute hat er keine bekommen.“

Ein Makel, der sich durch das gesamte Turnier zieht. Ebenso wie die erschreckend schwache Abwehr der Deutschen. „Vor zwei Jahren haben wir die Silbermedaille über die Verteidigung geholt. Bisher war unsere Defensive nicht auf internationalem Standard“, analysierte Nowitzki, der schon Ende des ersten Viertels wild gestikulierend auf der Auswechselbank Druck abließ. Ähnlich düster klingt seine Prognose für das Endspiel um den Einzug ins Viertelfinale gegen Italien. „Jeder muss tief in sich selber schauen und klären, ob er wirklich noch will“, sagt er. Jetzt werde sich klären, ob „die Kampfkraft da ist oder ob wir das Handtuch schmeißen“. Bauermann, der sich nach dem Debakel gegen Slowenien nicht mal des Mitleids würdig fühlte, glaubt hingegen noch fest an „das wahre Gesicht der Mannschaft“.

Eine andere Möglichkeit bleibt ihm auch nicht. Der 49-jährige Trainer setzt alle Hoffnung auf „verborgene Kräfte, die sich bisher noch nicht gezeigt haben. Ich glaube an den absoluten Willen. Aber erst nach unserem großen Test am Mittwoch, der viel mehr als das Abitur ist, werden wir sehen ob es stimmt.“ Unterstützung erhielt er von seinem Chef. DBB-Präsident Ingo Rolf Weiß wehrte jegliche Kritik an Bauermann. „Der Trainer steht nicht zur Debatte.“

Dafür aber die Mannschaft. Denn eine Niederlage gegen Italien könnte der letzte gemeinsame Auftritt von Dirk Nowitzki, Ademola Okulaja und einer Generation sein, die gemeinsam WM-Bronze (2002) und EM-Silber (2005) gewannen. Wie es für den deutschen Basketball weitergeht, konnte man schon gegen Slowenien erahnen. Nach Nowitzkis Auswechslung (30. Minute) verwalteten die Slowenen ihren 30-Punkte-Vorsprung mit einer Gruppe Youngster, die im Schnitt 20,2 Jahre alt sind. Das deutsche Ensemble kam auf 27,2 Jahre und hatte mit Herber (25), Jagla (26) und Grünheid (25) lediglich drei Spieler auf dem Parkett, die auch in der Post-Nowitzki-Ära für Deutschland spielen werden.

Deshalb fordert der 32-jährige Okulaja im alles entscheidenden Spiel, „den Italienern den Kopf abzureißen" – einem Rivalen, den man in 57 Vergleichen nur acht Mal schlagen konnte. Springt dennoch ein Sieg heraus, hieße der Viertelfinalgegner wahrscheinlich Spanien. Gegen den noch ungeschlagenen Weltmeister ist den Deutschen momentan kaum ein Sieg zuzutrauen. Doch zumindest ließe sich weiter von Olympia träumen. Denn der siebte EM-Platz würde zum Vorolympischen Turnier im Juli 2008 berechtigen. Gutes Timing ist das allerdings auch nicht.

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