sonstige Sportarten
Bauermann: "Haben das Unmögliche möglich gemacht"

Dirk Bauermann hat GHP Bamberg im dritten Anlauf hintereinander zum ersten Meistertitel in der Basketball-Bundesliga geführt. Im Interview äußert sich der Coach zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte.

Im Bamberger Forum spritzten Sekt und Bier, auf dem Max-Platz in der Innenstadt jubelten über 10 000 Fans, und noch in der Nacht setzten zwei einheimische Steinmetze den Siegern ein Denkmal: Nach dem 68:64 (37:24) im entscheidenden fünften Play-off-Finalspiel gegen Titelverteidiger Skyliners Frankfurt ist die Freude bei den Siegern unbändig. Trainer Dirk Bauermann redet im Interview über den größten Coup der Vereinsgeschichte.

Frage: "Dirk Bauermann, Bamberg ist erstmals deutscher Basketball-Meister. Wie groß ist die Freude über diesen Titel?"

Dirk Bauermann: "Ich stehe diesem Erfolg sprachlos gegenüber. Freak City ist deutscher Meister 2005 - das ist sensationell, einfach unglaublich! Wahnsinn, das wird sicher die verrückteste Nacht in der Geschichte dieser Stadt. Ich werde jetzt drei Tage durchfeiern."

Frage: "Ist Ihr Team ein würdiger Nachfolger der Skyliners Frankfurt?"

Bauermann: "Klar. Die Mannschaft hat mit allem, was sie hatte, mit jedem Muskel, jeder Faser, mit Begeisterung und Energie gekämpft und ist verdient Meister geworden. Andere haben mehr Geld, wir aber mehr Leidenschaft, mehr Herz und mehr Charakter als alle anderen. Wir haben das Unmögliche möglich gemacht, gerade nach den Ausfällen von Rick Stafford und Hurl Beechum."

Frage: "Wie sehr fühlen Sie mit dem unterlegenen Finalisten?"

Bauermann: "Ich muss Frankfurt meinen höchsten Respekt zollen. Auch sie haben wichtige Leistungsträger verloren und es dennoch geschafft, bis ins Finale und dort ins fünfte Spiel zu kommen. Die Serie hatte am Ende keinen Verlierer verdient, wir sind lediglich der lachende Sieger."

Frage: "In den vergangenen Wochen gab es mit den Frankfurtern immer wieder Auseinandersetzungen abseits des Parketts. Ist das nun alles vergessen?"

Bauermann: "Rasseln gehört zum Geschäft. Das nimmt man nicht persönlich. Es war weder beleidigend, noch unfair. Murat Didin (der Trainer der Frankfurter, d. Red.) und ich kennen uns schon so lange, dass diese Scharmützel zwischen uns kein Problem darstellen. Stellen Sie sich doch mal vor, was im Fußball los wäre, wenn die Teams von Uli Hoeneß und Rudi Assauer fünfmal in Folge gegeneinander antreten müssten. Dagegen war das bei uns doch ein Kindergeburtstag."

Frage : "Was bedeutet Ihnen als erfahrener Trainer, der schon fast alles erlebt hat, diese Meisterschaft?"

Bauermann: "Für jeden Trainer ist eine Meisterschaft etwas Sensationelles. Wenige erleben das, wenn überhaupt, nur ein einziges Mal in ihrer Karriere. Bei mir ist es im 15. Jahr schon das achte Mal, Wahnsinn! Aber ohne sein Umfeld ist ein Trainer nichts. Hier in Bamberg habe ich nach meiner Zeit in Leverkusen endlich wieder eine Stadt vorgefunden, in der ich so arbeiten kann, wie ich das will."

Frage: "Das war aber nicht immer so, oder?"

Bauermann: "Nein. Als ich hergekommen bin, haben wir noch in Breitengüßbach auf Küchenfliesen trainiert, hatten nur sieben Profis und reisten zu Auswärtsspielen am selben Tag an. Es war ein langer, steiniger Weg bis zum Erfolg. Aber man hat meinen Weg hier mit aller Konsequenz umgesetzt, ohne alles besser zu wissen. Dafür bedanke ich mich bei allen Beteiligten."

Frage: "Wird der Erfolg in Zukunft Dauergast in Bamberg?"

Bauermann: "Es ist schwierig genug, auf den Thron zu steigen, aber noch viel schwieriger, dort zu bleiben. Andere Mannschaften wie Köln oder Berlin haben größere finanzielle Potenz. An denen dran zu bleiben, ist jedesmal ein Kraftakt. Deshalb ist die Meisterschaft Triumph und Verpflichtung zugleich. Alle müssen noch sorgfältiger arbeiten, keiner darf sich zurücklehnen. Dann gilt es, neue Visionen zu entwickeln. Das muss für uns Europa sein und das Ziel, uns dauerhaft unter den besten vier Teams in Deutschland zu etablieren."

Frage: "Ist Ihre Mannschaft fit für die Euroleague?"

Bauermann: "So ist sie das sicher nicht. Wir brauchen Verstärkungen. Außerdem müssen wir erst sehen, ob es überhaupt sinnvoll ist, die Euroleague zu spielen. Dafür brauchen wir einen vernünftigen Etat und müssen nach Nürnberg umziehen."

Frage: "Der Vertrag Ihres Schlüsselspielers Steffen Hamann läuft aus. Bleibt er in Bamberg?"

Bauermann: "Er wäre dumm, wenn er gehen würde. Er hat die Chance, in der Euroleague zu spielen. Warum sollte er uns also verlassen? Wir machen uns da wenig Sorgen."

Frage: "Besorgnis erregend dürfte für Sie jedoch die ab der neuen Saison gültige Ausländerregel sein. Was halten Sie davon?"

Bauermann: "Diese Regel hat sicher keine guten Auswirkungen auf den deutschen Basketball. Ich finde sie schlecht. So mancher Verein wird nun lieber für 30 000 oder 40 000 Euro einen fertigen Spieler aus Amerika holen als einem jungen Deutschen eine Chance zu geben. Ich erwarte eine sehr bedenkliche Entwicklung. Als Bundestrainer ist diese Entscheidung für mich deshalb äußerst fragwürdig.

© Sport-Informations-Dienst, Neuss

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%