Behindertensport
Paralympics als Werbebühne

Bei den heute zu Ende gehenden Paralympics waren in diesem Jahr weitaus mehr Sponsoren zu sehen als in früheren Jahren. Warum Firmen wie Allianz und Telekom den Behindertensport fördern – und die Werbung mit Behindertenspots zur besten Sendezeit vielen noch zu riskant ist.

PEKING. Als Sprinter Oscar Pistorius vergangene Woche in Peking zur Goldmedaille spurtete, war das leuchtend gelbe Puma-Logo auf dem grünen Sporthemd des Südafrikaners stets bestens zu sehen. Der deutsche Leichtathlet Heinrich Popow, der später bei den Paralympics die Silbermedaille über 100 Meter gewann, dankte seinen Sponsoren Allianz und Deutsche Telekom öffentlich auf seine Art: „Die Unterstützung ist das Beste, was mir je passieren konnte“, lobte der Leverkusener mit Beinprothese bei einer Pressekonferenz in Peking.

Bei den Paralympics, die heute in Peking zu Ende gehen, waren dieses Mal deutlich mehr Firmenlogos zu sehen als in früheren Jahren. „Bei Adidas war das Engagement noch nie so groß wie dieses Mal“, sagte eine Sprecherin des deutschen Sportartikelherstellers in China. Erstmals seien die Spiele der Menschen mit Behinderungen in das gesamte Olympia-Marketing des Konzerns integriert gewesen.

Das hat sich Adidas mit insgesamt rund 150 Mill. Dollar einiges kosten lassen; das Budget für die Paralympics macht dabei allerdings nur einen Bruchteil aus. Eine konkrete Summe will keines der engagierten Unternehmen nennen. Doch auch in London 2012 werde Adidas die Paralympics wieder zur Werbung nutzen, heißt es schon jetzt. Und der Konzern aus Herzogenaurach hat bereits einige internationale Teams und Sportler unter Vertrag.

Der Münchner Versicherungskonzern Allianz ist relativ neu als Sponsor im Behindertensport. Vorstandschef Michael Dieckmann erlebte die Sportler 2006 bei den Winterspielen in Turin und war von dem Enthusiasmus so begeistert, dass er mit dem deutschen Behindertenverband Kontakt aufnahm. Dort kam der neue Sponsor sehr gelegen, denn die staatliche Förderung ist deutlich geschrumpft. Inzwischen macht sie nur noch 65 Prozent im deutschen Behindertensport aus, den Rest finanzieren nun Allianz und Telekom.

„Wir wollen eine Umstellung der Förderung, vor allem junge Behinderte sollen künftig stärker als bisher davon profitieren“, sagt Karl-Hermann Haack, Präsident des Behindertenverbandes. Und bessere Leistungen sollen künftig den Medaillenspiegel der Paralympics noch besser aussehen lassen. Mit den beiden Sponsoren wurde dafür ein Top Team gegründet, in dem 54 Sportler mit Behinderungen gefördert werden. Sie bekommen zwischen 200 und 1 500 Euro im Monat.

Seite 1:

Paralympics als Werbebühne

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%