Beleidigungsaffäre
Kanadas Kapitän bietet Rücktritt an

Der Kapitän der kanadischen Eishockey-Nationalmannschaft, Shane Doan, fühlt sich aufgrund des Wirbels um seine Person eingeschüchtert. In der "Beleidigungsaffäre" die zunehmend das sportliche Treiben auf dem Eis zu überschatten droht, hat der Team-Captain nun seinen Rücktritt angeboten.

HB MOSKAU. Die politische Kontroverse um Kapitän Shane Doan überschattet immer mehr den Auftritt der kanadischen Eishockey- Nationalmannschaft bei der WM in Russland. Der zweimalige Weltmeister bot nach dem 5:4-Erfolg über die Slowakei am Mittwochabend sogar seinen Rücktritt an, nachdem ihm die Opposition im Parlament fehlenden Respekt für die franko-kanadische Minderheit vorgeworfen hatte. Kanadas Verbandsspitze reiste mittlerweile sogar nach Ottawa, um am Donnerstag ihre Kapitänswahl vor dem Ausschuss für Sprachen im Unterhaus zu erläutern.

"Die ganze Aufregung schüchtert mich ein", sagte Doan nach dem letzten Vorrundenspiel des Rekordweltmeisters in Mytischtschi bei Moskau. "Ich habe dem Verband gesagt, dass ich jede Entscheidung unterstütze, die sie treffen. Aber sie haben mich bisher nur unterstützt. Ich will keine Ablenkung verursachen, doch in unserer Kabine ist die Stimmung großartig." Trainer Andy Murray forderte, die Angelegenheit zu beenden: "Es gibt wichtigere Dinge in Kanada und der Welt. Lasst uns zur Realität zurückkehren und weitermachen."

Dem Profi der Phoenix Coyotes wird unter anderem von der Partei der Französisch sprechenden Minderheit vorgeworfen, sich bei einem NHL-Spiel gegen die Montréal Canadiens im Dezember 2005 abfällig über Franko-Kanadier geäußert zu haben. Doan erklärte, er habe nach einer Entscheidung seinen Torwart beruhigen wollen und ihm zugerufen: "Vier französische Schiedsrichter in Montréal - alles klar?" Dies hatte ein Linienrichter gehört. Doan fügte hinzu, er hätte Ähnliches bei einem Spiel in Los Angeles mit vier kalifornischen Unparteiischen gesagt.

Die nordamerikanische Profiliga NHL hatte ihn frei gesprochen. "Ich stehe zu meinen damaligen Äußerungen", sagte NHL-Vizepräsident Colin Campbell kanadischen Medienberichten zufolge und fügte hinzu: "Es ist ziemlich peinlich für alle kanadischen Eishockey-Fans, dass wir das jetzt wieder aufwärmen, während Mannschaft, Verband und Shane Doan in Moskau hart arbeiten, um unser Land zu repräsentieren." Auch sein Club aus Phoenix, der von Kanadas Idol Wayne Gretzky trainiert wird, nahm Doan in einer Erklärung am Mittwoch (Ortszeit) in Schutz. Mehrere Trainer und Profis der NHL, darunter Kanadas Star- Torhüter Martin Brodeur von den New Jersey Devils, äußerten ihr Unverständnis. Auch die konservative Regierung in Ottawa hatte den kanadischen Verband mittlerweile gebeten, Doans Wahl zu erläutern, nachdem Sportministerin Helena Guergis zunächst betont hatte, es handele sich nicht um eine Regierungs-Angelegenheit.

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