Beobachtungen von der Versammlung, die Borussia Dortmund rettete
Watzkes Wende um fünf vor zwölf

Um 15.29 Uhr richtet sich der Blick von Borussia Dortmunds Präsidenten Reinhard Rauball gen Hallendecke, neben ihm starrt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf seine ausgestreckten Beine. Sie wissen: Der wichtigste Moment in der Geschichte ihres Clubs ist gekommen.

DÜSSELDORF. Sekunden später springt Rauball auf, ballt die rechte Faust, dreht sich um, applaudiert mit über dem Kopf erhobenen Händen.

Auf der Leinwand erscheint eine kaum zu glaubende Zahl: 94,43 Prozent. Mit einer nicht erwarteten Mehrheit hat die Gesellschafterversammlung des Immobilienfonds Molsiris, dem das Westfalenstadion gehört, einem Sanierungspaket zugestimmt. Hätte das Ergebnis unter 75 Prozent gelegen, würde der BVB heute wohl Insolvenz anmelden. Rauball greift zum Handy, die erste SMS geht an Michael Meier, den in Dortmund gebliebenen anderen Geschäftsführer.

2002 erwarb Molsiris, ein Fonds von Commerz Leasing, die Spielstätte der Borussia. Heute kann diese sich die hohe Miete nicht mehr leisten, steht nach Jahren des Jonglierens mit Finanzen am Abgrund. Deshalb mussten die Fondszeichner auf einen Teil der angekündigten Rendite verzichten. Nun wird die BVB-Tochter Tochter Goool 42,8 Prozent der Stadiongesellschaft kaufen, sechs Prozent besitzt sie bereits. Entsprechend sinkt die Miete, für 2005 und 2006 wird sie gestundet. Möglich wird dies durch die Auflösung eines Bardepots, mit dem die Borussia eigentlich 2017 das Stadion zurückkaufen wollte. 9 Mill. Euro daraus kann der Club zur Finanzierung der laufenden Saison einsetzen.

Mit roten Flecken im Gesicht und spürbar flatterig verlässt BVB-Präsident Rauball nach den Schlussformalien seinen Sitz in der ersten Reihe. "Ich möchte einen solchen Tag in meinem Leben nicht mehr miterleben", wird er später sagen.

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