Bereits neunte Erstrundenniederlage in diesem Jahr
Böse Blicke, wilde Schreie

Rainer Schüttler scheitert auch bei den French Open in der ersten Runde und beschimpft seinen Trainer.

PARIS. Ganz dicht saß Rainer Schüttlers Anhang auf Court numméro 3 am Geschehen. Nur zwei Reihen vom Spielfeld entfernt, auf dem Schüttler im Erstrundenspiel der French Open gegen den Argentinier Juan Ignacio Chela spielte. Eigentlich perfekt, nur nicht am Montagabend in Paris, als der Vulkan Rainer Schüttler auf einmal ausbrach. Erst spuckte er, dann donnerte er einen Ball aus dem Stadion heraus, wofür der Schiedsrichter ihm eine Verwarnung aussprach, und dann bekam sein Trainer Dirk Hordorff all seine Wut ab. Erst waren es nur böse Blicke und dann schrie Schüttler los. "Sag was, was soll ich machen", fauchte er seinen Coach an. Selbst ein aufmunterndes "Geht doch", quittiert er nur abfällig.

Hier und da rief der Trainer Schüttler ein paar Anweisungen zu. Den Ball solle er beim Aufschlag höher werfen. Die Richtung des Aufschlages gab er gelegentlich vor. Als er ihn daran erinnerte, aggressiv zu spielen, erntete er höhnisches Lächeln. Schüttler brachte sich selbst immer mehr aus dem Konzept, er verlor 6:3, 1:6, 4:6, 3.6. Auch Andre Agassi scheiterte in der ersten Runde. Er verlor gegen den finnischen Qualifikanten Jarkko Nieminen 5:7, 6:4, 7:6 (8:6), 1:6, 0:6. In der zweiten Runde steht dagegen Thomas Haas nach dem 6:1, 6:2, 6:4 gegen Florian Mayer. Auch Nicolas Kiefer siegte - 6:3, 6:3, 6:4 gegen den Kroaten Ivo Karlovic.

Schüttler beteuerte nach dem Spiel, dass er sich über sich selbst geärgert habe, und dass "der Dirk" das schon einzuordnen wisse. Er sagte aber auch, dass "ich mir in solchen Situationen Unterstützung wünsche. Ich habe mich auch über meine Taktik geärgert." Und dafür ist ein Trainer mitverantwortlich. Gut zehn Jahre arbeiten beide schon zusammen. Höhepunkt der Arbeit war die Finalteilnahme Schüttlers gegen Andre Agassi bei den Australian Open im Jahr 2003. Aber in letzter Zeit scheint das Verhältnis gestört. Schüttler selbst hat gesagt, dass es "da jemanden gibt, mit dem ich gerne zusammenarbeiten würde". Wer das ist, wollte Schüttler nicht verraten. Außerdem stehe derjenige im Moment ohnehin nicht zur Verfügung. "Es ist ja auch nicht so, dass ich nur auf Dirk fixiert bin. Aber ich sehe keinen Grund etwas zu ändern. Er ist mein Trainer und das bleibt auch so", sagt Schüttler.

Das Aus in Paris war bereits Schüttlers neunte Erstrundenniederlage in diesem Jahr. Seine Spiele laufen dabei meist nach demselben Muster ab: Mindestens einen Satz lang spielt er sehr gut. Seine Schläge haben dann eine gute Länge, sind druckvoll und er spielt überlegt mit viel Spielwitz. Doch dann passiert es: zwei Schläge kommen nicht, ein Spiel geht verloren und schon funktioniert nichts mehr. Da wird geschimpft, gehadert und die Konzentration geht verloren. "Ich will im Moment einfach zuviel, weil ich hart daran arbeite aus dem Tief wieder herauszukommen, ich verzeihe mir keine Fehler und werde schnell ungeduldig", sagte Schüttler.

Aber bei allem Ärger über seine Niederlagen wirkt Schüttler anders als im Krisenjahr 2004. Ihm fehlen zwar noch die Erfolge, aber sein Spiel ist besser und damit - trotz aller Wutausbrüche - auch seine psychische Verfassung. "Außerhalb des Platzes bin ich ein sehr glücklicher Mensch", sagt er.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%