sonstige Sportarten
Bergfloh Rasmussen gibt sich aufmüpfig

Vom Kandidaten für das Bergtrikot zum "einzig echten Herausforderer von Lance Armstrong" hat sich der Däne Mickael Rasmussen gemausert. Der Schlaks will in den Pyrenäen weiter angreifen.

Aus der Ferne sieht es wie ein ungleicher Kampf "David gegen Goliath" aus: Mickael Rasmussen bringt bei einer Körpergröße von 1,75m keine 60kg auf die Waage, aber längst hat sich der Schlaks bei der Tour de France den Respekt der Großen des Radsports erarbeitet. "Ich bin zurzeit der einzige echte Herausforderer von Lance Armstrong. Ich werde in den Pyrenäen versuchen, ihn anzugreifen", sagt der Däne vom niederländischen Rabobank-Team, der als Zweiter im Gesamtklasement nur 38 Sekunden hinter dem Spitzenreiter aus den USA liegt.

Mit diesem Gegner hatte Armstrong auf dem Weg zum angestrebten siebten Toursieg nicht gerechnet. Jan Ullrich, Ivan Basso oder Alexander Winokurow - klar, aber doch nicht Rasmussen, der seit drei Jahren Profi ist und gerade einmal seine zweite Frankreich-Schleife fährt. Selbst als der frühere Mountainbike-Profi begann, emsig Punkte für das Bergtrikot zu sammeln, nahm ihn Armstrong noch nicht ernst und ließ ihn sogar eine Etappe in den Vogesen gewinnen.

Armstrong: "Dürfen ihn nicht aus den Augen lassen"

Als Rasmussen dann aber auch in den Alpen dranblieb, wurde er plötzlich zur Gefahr: "Wir dürfen ihn nicht mehr aus den Augen lassen, dafür ist er in den Bergen zu stark", erklärt Armstrong. Vielleicht sogar stärker als er selbst. Zieht man die insgesamt 5:12 Minuten ab, die Rasmussen zum Tour-Auftakt im Kampf gegen die Uhr (3:12 Minuten) und mit Rabobank im Mannschaftszeitfahren (2:00) auf den Discovery-Kapitän verlor, war der Außenseiter bislang 4:34 Minuten schneller als der Mann in Gelb.

Die Schwäche im Zeitfahren ist allerdings eine Hypothek, wenn auf der vorletzten Touretappe noch einmal 55,5km im Kampf gegen die Uhr anstehen. Teamchef Theo de Rooij traut seinem Schützling dennoch einiges zu: "Beim letzten Tour-Zeitfahren hat es oft Überraschungen gegeben, da sind schon viele über sich hinausgewachsen", sagt der Niederländer: "Michael wird in den Pyrenäen wieder attackieren, dazu verpflichten schon der zweite Platz und der geringe Rückstand. Wenn er in den Bergen noch einmal zwei Minuten herausfahren kann, ist alles möglich."

Leichtgewicht plant Höhenflug

Die schweren Etappen nach Ax-les-Thermes und St.-Lary-Soulan mit insgesamt zwölf Bergwertungen kommen dem Leichtgewicht aus Kopenhagen entgegen. Nicht von ungefähr erhielt der ehemalige Mountainbike-Weltmeister nach seinem Wechsel auf die Straße 2002 in der Szene den Spitznamen "Chicken" (Hühnchen). Rasmussen bringt während der Tour gerade einmal 58kg auf die Waage. Die 15 Kilo Gewichtsvorteil gegenüber einem Armstrong oder Ullrich kommen mit jedem weiteren Anstieg mehr zum Tragen.

2003 kam das Leichtgewicht zu Rabobank, bei seiner ersten Tour 2004 erreichte er Paris auf dem 14. Platz. Mit dem Etappensieg in Mulhouse und der Führung in der Bergwertung hat er in diesem Jahr das Vertrauen erneut gerechtfertigt, doch zufrieden gibt er sich damit noch nicht: "Wenn sich die Chance auf mehr bietet, will ich sie auch nutzen."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%